Aktualisiert

Nach GeisterspielDie Muttenzerkurve erklärt sich

Mit einem 8-seitigen Manifest erklärt die Basler Fanszene zum ersten Mal die Hintergründe zu den Vorfällen in Salzburg, die zum Geisterspiel führten.

von
Benjamin Rosch
Ein Auszug aus dem Titelblatt der Erklärung aus der Muttenzerkurve.

Ein Auszug aus dem Titelblatt der Erklärung aus der Muttenzerkurve.

«Befreyigsschlag – vo gworfene Dose und gfangene Gaischter» heisst die acht Seiten starke Broschüre, die am Sonntag beim Heimspiel des FC Basel gegen den FC Thun verteilt wurde. Darin bezieht die Fanszene des FC Basel zum ersten Mal Stellung zu den Vorfällen in Salzburg, wo einige wenige Fans durch das Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld einen Spielunterbruch provoziert hatten.

Man nehme die daraus resultierende Polemik zum Anlass, die Basler Fankultur differenziert darzustellen, heisst es im Dokument. Die Muttenzerkurve bestehe aus verschiedensten Interessengruppen – diese zu vereinen und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, nämlich der vielbesungene «zwölfti Maa» zu sein, sei das verbindende Element.

Fans wussten von drohendem Geisterspiel

Wie unterschiedlich Fans sein können, zeigt auch die überraschende Tatsache, dass offenbar mehrere Personen aus der Fanszene Kenntnis davon hatten, wie sehr der FCB unter Beobachtung der Uefa stand und dass als nächste Sanktion bei einer Übertretung ein Geisterspiel im Raum stand. «Dass schliesslich diese unvorhersehbare Situation beim Eckball zu dieser Sanktion führte, zeigt die Grenzen der Einflussnahme auf», heisst es im Text der Kurve.

Damit übt die Szene leise Kritik an der Selbstregulierung, sagt aber auch: «Das gemeinsame Definieren gewisser Rituale ist der einzige Weg, diese einigermassen zu handhaben und somit die Stabilität des Systems als Ganzes zu erhalten.» Unschöne Szenen liessen sich niemals ganz verhindern und stehen im bekannten Spannungsfeld zwischen Uefa-Richtlinien und Traditionen der Fankultur. Es wird deutlich, wie sehr den Fans Letztere am Herzen liegt: «So sehr wir wissen, dass unsere Positionen oftmals naiv wirken, so sehr sind wir davon überzeugt, dass wir damit längerfristig einen Beitrag zum Erhalt der Fankultur leisten.»

Im Manifest wird auch betont, dass zuletzt an internationalen Spielen weniger Pyros gezündet worden waren – ganz verbieten lassen will man sich diese aber nicht. Dafür wollen sich die Fans rund um das Spiel überlegter verhalten. «Weder mit dem Kopf im Sand noch mit dem Kopf durch die Wand», so das Motto der Kurve.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.