Champions League: Die Mutter aller Niederlagen
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Champions LeagueDie Mutter aller Niederlagen

Heute spielen Bayern und ManU im Viertelfinal der Champions-League gegeneinander. Vor elf Jahren lieferten sich die beiden Mannschaften ein legendäres Spiel. Der damalige Bayern-Spieler Thorsten Fink erinnert sich.

von
heg

Die Nachspielzeit des Champions-League-Finals 1999. (Video: Youtube)

Man wünscht es niemandem, so zu verlieren. Auch den Bayern nicht. Dank einem frühen Tor und kontrolliertem Spiel sehen sie im Champions-League-Final 1999 gegen Manchester United wie die sicheren Sieger aus. Die reguläre Spielzeit ist gerade abgelaufen. Die Anzeigetafel zeigt 3 Minuten Nachspielzeit an. Zu diesem Zeitpunkt steht es 1:0 für den FC Bayern München. Eine sichere Sache. So sicher, dass die Ersatzleute die Bank bereits verlassen und sich T-Shirts mit der Aufschrift: «Champions League Gewinner 1999» überziehen. Doch die folgenden Sekunden sollen zu den verhängnisvollsten der Vereinsgeschichte des FC Bayern werden.

Wieviel Emotionen passen in 180 Sekunden?

Markus Babbel führt den Ball an der rechten Aussenlinie in Höhe der Trainerbanken. Der Verteidiger hat viele Alternativen, die Situation zu klären. Doch er entscheidet sich für die dümmste aller Möglichkeiten: Babbel schlägt den Ball im hohen Bogen in Richtung eigenes Tor. Folge: Es gibt Eckball.

Das Unheil für den FC Bayern nimmt seinen Lauf. David Beckham tritt an, der Ball landet bei Teddy Sheringham, der prompt zum Ausgleich verwandelt. Die Bayern sind niedergeschlagen, die Engländer euphorisiert. Gleich nach dem Anstoss erkämpfen sich die Briten erneut den Ball, holen die nächste Ecke raus. Beckham schiesst. Die Bayern-Abwehr kriegt den Ball nicht weg und Ole Gunnar Solskjaer setzt den Nachschuss zum 2:1 für Manu ins Tor. Das Debakel ist perfekt. Die Bayernspieler sind am Boden zerstört. Tränen fliessen. Fassungslosigkeit.

FC-Basel-Trainer hatte den Sieg auf dem Fuss

Einer der dieses Drama hautnah miterlebte, ist Basel-Trainer Thorsten Fink. Neun Minuten vor Schluss wurde er für Lothar Matthäus eingewechselt. Und: Fink war nicht ganz unschuldig daran, dass den Bayern der Pokal in den letzten Minuten aus den Händen glitt. Vor dem 1:1-Ausgleichstreffer hatte Fink die Chance, den Ball wegzuschlagen. Er traf diesen jedoch nicht richtig. «Wenn man in so einem Finale steht und dazu beigetragen hat, dass die eigene Mannschaft noch verliert, das ist natürlich keine tolle Sache», erinnert sich der Betroffene im Interview mit «t-online». Den Schlaf raubte es Fink deswegen aber bis heute nicht. «Ich bin noch nie nachts wachgeworden oder habe davon geträumt, ich habe auch keine schlaflosen Nächte.»

«Das ist ganz bitter»

Fink spielte während seiner Karriere sechs Jahre für Bayern. In dieser Zeit (1997 bis 2003) hat er mehrere nationale Titel gewonnen und unzählige internationale Highlights erlebt. Die «Mutter aller Niederlagen» war aber definitiv die schlimmste. «Ja, das war sie. Das ist nicht mehr zu toppen. Es war ein negatives Erlebnis der höchsten Kategorie. Wenn man den höchsten Vereinspokal, den man gewinnen kann, so entrissen bekommt, ist das schon ganz bitter. Aber so ist das im Fussball, man muss lernen auch mit Niederlagen umzugehen.» Das gelang Fink und den Bayern. Zwei Jahre später gewannen sie die Champions League doch noch.

Der 42-jährige Deutsche glaubt sogar, dass Bayern München die Königsklasse auch dieses Jahr gewinnen kann. Auch wenn der Gegner im Viertelfinal Manchester United heisst. «Ich schätze Manchester im Moment vielleicht einen Tick stärker ein als die Bayern. Aber wenn man beim FC Bayern spielt, dann weiss man, dass der FC Bayern, gerade in K.-o.-Spielen, zu allem fähig ist. Ich traue ihnen sogar den Sieg in der Champions League zu, weil sie mit Louis van Gaal einen ganz erfahrenen Trainer haben.» Fink warnt seinen holländischen Amtskollegen aber auch von Schwächen der eigenen Mannschaft. «In der Defensive sind die Bayern wohl anfällig, speziell auf der linken Seite, wo Erfahrung fehlt. Wenn Manchester da mit seiner geballten Offensiv-Power angreift, wird es schwer.»

Heute Abend spielen Bayern und ManU im Viertelfinal der Champions-League erneut gegeneinander. 20 Minuten Online berichtet ab 20:45 Uhr live.

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