Muttenz : Die Mutter erwürgt – acht Jahre Gefängnis
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Muttenz Die Mutter erwürgt – acht Jahre Gefängnis

Eine 51-Jährige hat im November 2012 ihre Mutter getötet. Das Motiv: Die Spielsucht der Mutter. Am Freitag wurde das Urteil gefällt.

von
mak
Am Freitag entschied das Gericht auf acht Jahre Haft für die 51-jährige Täterin. Die Anklage hatte zwölf Jahre gefordert.

Am Freitag entschied das Gericht auf acht Jahre Haft für die 51-jährige Täterin. Die Anklage hatte zwölf Jahre gefordert.

Das Baselbieter Strafgericht hat am Freitag die 51-jährige Frau, die im November 2012 in Reinach (BL) ihre Mutter tötete, wegen vorsätzlicher Tötung und Diebstahls zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Dem Witwer des Opfers sprach das Gericht eine Genugtuung von 10'000 Franken zu.

Das Opfer, die Mutter der Beschuldigten, war am Abend des 26. November 2012 vom Ehemann tot in der Wohnung gefunden worden. Wie die Anklage ging das Gericht davon aus, dass die Beschuldigte die Mutter erdrosselt hatte. Das Gericht stützte sich dabei auf Aussagen der Beschuldigten in der Voruntersuchung und auf weitere Indizien und Beweise.

Die Frau hatte in mehreren Einvernahmen kurz nach der Tat ausgesagt, sie habe die Mutter umgebracht. Vor Gericht machte sie am Montag geltend, sich nicht erinnern zu können. Bei der Erinnerungslücke könne es sich um eine Bewältigungsstrategie, eventuell auch um eine Schutzbehauptung handeln, führte der Gerichtspräsident am Freitag in der mündlichen Begründung des Urteils aus.

Aus tiefer Verzweiflung heraus getötet

Was den Ausschlag für die Tat gegeben hat, ist für das Gericht nicht klar geworden. Klar sei aber, dass die Tat aus tiefer Verzweiflung und Aussichtslosigkeit passiert sei, sagte der Gerichtspräsident. Die Beschuldigte hatte in einer Aussage in der Voruntersuchung festgehalten, sie habe die Mutter schützen wollen und auf einen Zettel das Wort «Spielschulden» notiert.

Die beiden Frauen hatten während Jahren das Spielcasino besucht und dabei erhebliche Geldsummen verspielt. Keine der beiden verfügte über eigene Mittel für diese kostspielige Betätigung. Das Opfer hatte beim Konto des Ehemannes Geld abgezwackt, und die Beschuldigte hatte ihrer ehemaligen Schwiegermutter 40'000 Franken gestohlen.

Das Gericht ging davon aus, dass sich die Beschuldigte wegen der Spielschulden und anderen Problemen, die ihr Leben seit Jahren geprägt hatten, in einer ausweglosen Situation gesehen hatte. Demgegenüber hatte die Mutter gesagt, dass schon alles gut werden würde, als sich die Tochter der Polizei hatte stellen wollen. Kurz darauf war die Beschuldigte zur Tat geschritten.

Vorsätzliche Tötung statt Mord

In rechtlicher Hinsicht gelangte das Gericht zu einem Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung. Dem Antrag der Anklage für Mord folgte das Gericht nicht, weil die Tat die Folge einer eigenen grossen Verzweiflung gewesen sei. Den Antrag der Verteidigung für Totschlag lehnte das Gericht ab, weil die grosse seelische Belastung zum überwiegenden Teil selbstverschuldet gewesen sei.

Im Strafmass von acht Jahren ist eine leichte Verminderung der Zurechnungsfähigkeit als Folge einer Persönlichkeitsstörung berücksichtigt. Der Staatsanwalt hatte zwölf Jahre gefordert, die Verteidigung hatte auf maximal drei Jahre Freiheitsstrafe plädiert.

Was zur Verzweiflung der Beschuldigten geführt habe, sei für die Schuldfähigkeit irrelevant. Auch aus dem sehr auffälligen Verhalten nach der Tat könne nicht auf den Zustand vor der Tat geschlossen werden. Dass jemand nach einer solchen Tat durchdrehe, sei nicht aussergewöhnlich.

Die Frau nahm das Urteil relativ gefasst entgegen. Am ersten Prozesstag war sie immer wieder in Schrei- und Weinkrämpfe ausgebrochen. Sie muss sich während des Strafvollzugs einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung unterziehen. Die heute 51-Jährige war kurz nach der Tat verhaftet worden und befindet sich seit Oktober 2013 im vorzeitigen Vollzug. (mak/sda)

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