Aktualisiert

Zweifelhafter FallDie mysteriöse Botox-Mutter

Eine Mutter hat angeblich ihrer acht Jahre alten Tochter Botox gespritzt, um sie für Schönheitswettbewerbe noch hübscher zu machen. Doch Recherchen lassen erhebliche Zweifel an der Geschichte aufkommen.

von
kle

Eine gewisse Kerry Campbell hatte im US-Fernsehen freimütig erzählt, dass sie ihr Kind für Miss-Wahlen mit Botox behandle. Das sei vor Kinder-Wettbewerben weit verbreitet, sagte sie vergangene Woche in der Sendung «Good Morning, America». Dabei wurden Aufnahmen gezeigt, in denen die schönheitsbesessene Mutter ihrer Tochter Britney das Nervengift ins Gesicht spritzte. Die Achtjährige räumte in dem Interview ein, dass das wehtue, aber den Schmerz nehme sie gern in Kauf.

Empörte Zuschauer informierten daraufhin die Behörden und überfluteten die Redaktion des Senders mit Reklamationen. Das Sozialamt und US-Medien in San Francisco suchte die Familie auf. Am Dienstag meldeten dann diverse Nachrichtenagenturen, dass Campbell das Sorgerecht für das Mädchen verloren habe. Doch bis es soweit kam, musste eine intensive Recherche betrieben werden.

Die Behörden wissen von nichts

Denn wie eine Zeitung aus Kalifornien, die «San Francisco Gate» schreibt, gibt es in der Bay Area keine Kerry Campbell. Zwei Journalisten waren der Geschichte nachgegangen und bei ihren Bemühungen, die Frau ausfindig zu machen, gescheitert. «Die Frau steht weder im Telefonbuch noch ist sie in San Francisco registriert», behaupten sie. Sie fragten beim Leiter des lokalen Sozialamtes nach. Dieser wollte ihre Vermutungen nicht bestätigen, sagte aber: «Wir haben unsere Recherchen zum Thema beendet.» Tatsächlich kann ein Amt nur über einen Fall ermitteln, wenn die Betroffenen in jenem Bezirk wohnen.

Rätselraten um Botox-Mom

Offenbar heisst die inzwischen als «Botox-Mom» bekannte Frau nicht Kerry Campbell und auch wohnt sie nicht in San Francisco. Und plötzlich stellen die US-Journalisten die ganze Geschichte in Frage. Gründe dafür haben sie genug – schliesslich landete der Fall über mehrere Umwege in den US-Fernsehsender.

Zuerst hatte die britische Zeitung «The Sun» im März darüber berichtet. «Kerry Campbell» aus Birmingham spritze ihrer Tochter regelmässig Botox, berichtete das Boulevard-Blatt damals. Die 34-jährige Teilzeit-Kosmetikerin ziehe bald nach San Francisco. Knapp einen Monat später sass Campbell mit Tochter Britney in der ABC-Sendung zu Gast. Doch da war sie schon 38 - und hatte keinen britischen Akzent.

Was den Missbrauchsfall angeht, so melden die Behörden, habe man die Familie aufgrund der veröffentlichten Fernsehbilder unterdessen ausfindig gemacht. Ob aber die ganze Botox-Story nur heisse Luft ist, wurde indes nicht bekannt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.