16.09.2020 02:59

Spinnen-AlarmDie Nachfrage nach Spinnenangst-Seminaren ist riesig

Wegen des schönen Wetters gibts in Luzern besonders viele Spinnen an den Holzbrücken. Passanten gruseln sich, einige haben panische Angst. Doch es gibt Hoffnung.

von
Martin Messmer
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Diese Spinne hat sich die Spreuerbrücke für das Weben ihres Netzes ausgesucht.

Diese Spinne hat sich die Spreuerbrücke für das Weben ihres Netzes ausgesucht.

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Sie ist damit in bester Gesellschaft. 

Sie ist damit in bester Gesellschaft.

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Auf der gesamten Spreuerbrücke geht es im Moment krabbelig zu und her. Viele Personen fürchten sich vor Spinnen. «Diese Panik lässt mich nicht in Ruhe», schreibt eine Leserin.

Auf der gesamten Spreuerbrücke geht es im Moment krabbelig zu und her. Viele Personen fürchten sich vor Spinnen. «Diese Panik lässt mich nicht in Ruhe», schreibt eine Leserin.

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Darum gehts

  • Im Zoo Zürich werden jährlich fünf Spinnenangstseminare durchgeführt.
  • Dieses sind seit 20 Jahren immer ausgebucht.
  • Die meisten der Teilnehmer schaffen es am Ende der Seminare, eine Vogelspinne in die Hand zu nehmen.
  • «Sie erleben dann Glückgefühle, wenn sie die Vogelspinne auf der Hand haben», sagt der Spinnenexperte, der die Seminare durchführt.

«Ich habe panische Angst vor den grossen Kellerspinnen. Diese Panik lässt mich nicht in Ruhe, seither gucke ich mich ständig in der Wohnung um.» Das berichtete eine Frau in der Kommentarspalte in unserer Story über den Spinnen-Alarm bei der Spreuerbrücke in Luzern. Jemand riet der Frau, sich professionelle Hilfe zu holen.

Zoologe Samuel Furrer und Spinnenexperte ist so ein Fachmann, der helfen kann, die Angst vor Spinnen zu überwinden. Er bietet etwa Spinnenangstseminare am Zoo Zürich an. Die Nachfrage nach diesen Seminaren zeigt, wie weit verbreitet diese Angst vor Spinnen in der Bevölkerung ist: Die beiden nächsten Termine im September und Oktober im Zoo sind ausgebucht. Laut Furrer werden pro Jahr fünf solche Seminare mit je 12 Teilnehmern durchgeführt, «und diese sind seit 20 Jahren jeweils immer ausgebucht», so Furrer.

«Hausspinnen sind da, wo man selber ist»

Wieso aber ist die Angst vor Spinnen aber derart verbreitet? Dazu sagt Furrer: «Laut Schätzungen haben 15 Prozent aller Personen Tierängste. Es gibt Theorien, wieso darunter viele dieser Personen gerade unter Spinnenangst leiden. Je unähnlicher ein Tier dem Menschen ist, desto mehr Angst kann es verbreiten. Zudem: Hausspinnen sind da, wo man selber ist, nämlich zuhause. Und schliesslich transportieren Horrorfilme solche Tierängste wie jene vor Spinnen.»

In den Seminaren des Zoos lernen die Teilnehmer, mit ihrer Spinnenangst umzugehen. «Ganz loswerden kann man diese Angst nicht, aber man kann lernen, sie zu kontrollieren und auszuhalten, ohne in Panikattacken abzudriften. Man kann sich aneignen, diese unangenehmen Gefühle auszuhalten.

Die Teilnehmer informiert Furrer an den Seminaren jeweils zuerst darüber, was Spinnen überhaupt für Tiere sind und wie sie leben. Denn allein schon dies würden viele Leute mit Spinnenangst überhaupt nicht wissen wollen, so der Experte. Aber Konfrontation sei wichtig.

«Vogelspinnen sind handlicher als Hausspinnen»

Und diese Konfrontation wird in seinen Seminaren gesteigert. «Zuerst sprechen wir über Spinnen. Dann zeigen wir Bilder, und am Schluss arbeiten wir mit dem lebendigen Tier.» In den ersten Kursen werde dies mit einer Vogelspinne gemacht, «einfach, weil diese bunter und handlicher ist als etwa Hausspinnen».

Die meisten Teilnehmer würden es in der Regel schaffen, am Ende des Seminares eine Vogelspinne in die Hand zu nehmen. «Dabei erleben viele sogar richtige Glücksgefühle, weil Belohnungshormone im Hirn ausgeschüttet werden, da sie etwas geschafft haben. Viele dieser Personen machen dann Bilder von den Spinnen in ihrer Hand und sharen diese.»

Nach den Seminaren sei es wichtig, dass man solche Konfrontationssituationen weiter übt. Einige Wochen lang solle man das tun. Und nachher dann kann man zum Beispiel in Luzern viel beschwingter über die spinnweben-verhangenen Holzbrücken gehen.

Bei der Spreuerbrücke in Luzern gibts es derzeit auffällig viele Spinnen.

Video: Dominic Wipfli

Am Montag wurde die Kapellbrücke in Luzern mit Staubsaugern von Spinnweben gesäubert.

Video: Nadine Wechsler

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19 Kommentare
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Marsianer

17.09.2020, 11:42

Ich kann es sicher verstehen, wenn die einen oder die anderen an Arachnophobie leiden. ich für meinen Teil mag die Tiere umso mehr. Es ist wunderbar entspannend wenn man einer Spinne beim spinnen ihres Netzes zuschauen kann, und wenn sie im Frühling wieder kommen freut es mich auch. Aber ich weiss, dies ist sicher nicht jeder/manns/frau Sache.

Ira vom Gubel

16.09.2020, 06:47

Ich wollte heute früh ein grosses Exemplar in die Freiheit spedieren....doch sie war schneller als ich...hinter das Stubenbuffet. Ich brauch frische Rosskastanien und denke, dass sie bald reif sind. Diesen Duft mögen Spinnen nicht und reissen aus, wieder in die goldene Freiheit!

Krienser

16.09.2020, 06:44

Also wer nach Luzern reisen möchte besucht zuerst ein Spinnen-Seminar.