Abschlussklasse: Die nächste Generation der Gamedesigner
Aktualisiert

AbschlussklasseDie nächste Generation der Gamedesigner

In Zürich sind aktuell die jüngsten Abschlussarbeiten der Fachklasse Gamedesign zu sehen. Das Niveau ist hoch, die Games bisweilen absurd.

von
Jan Graber

Hohes Niveau, schräger Humor: Die Abgänger des Bachelorjahrgangs 2019 der ZHdK-Fachrichtung Gamedesign sind für die Zukunft gerüstet. (Video: J. Graber)

Turmzimmer, vierter Stock, Toni-Areal der Zürcher Hochschule der Künste. Ein karger Raum, seelenlos. Fast die gesamte Bachelorklasse des Abschlussjahrgangs 2019 der Fachrichtung Gamedesign ist versammelt. 17 Studierende unterschiedlicher Altersklassen. Es herrscht eine aufgeregte, joviale Stimmung. Gleich werden sie einzeln oder zu zweit ihre Bachelor-Abschlussarbeiten präsentieren, der Beamer läuft schon. Zwei Minuten haben sie Zeit, ihr Spiel vorzustellen. Man spürt die Nervosität, aber auch den Zusammenhalt.

«Wir sind eine sehr familiäre Klasse», sagt eine Studentin. Der Zusammenhalt sei grösser als bei früheren Jahrgängen, fügt ein Student an. Das offene Atelier an der Schule habe die Zusammenarbeit gefördert – auch wenn viele allein an ihren Games gearbeitet hätten. «Wir genossen viele Freiheiten», ergänzt eine Studentin. Beigebracht wird den Studenten nicht nur Design und Programmierung, auch grundsätzliche Spielmechaniken stehen auf dem Programm. Manche wünschen sich, sie würden auch in Projektmanagement unterrichtet; offensichtlich ist einigen die Zeit davongelaufen. «Der Druck, den wir uns selbst aufsetzten, war hoch», sagt einer der Studenten, er hätte gerne noch mehr experimentiert.

Grosser Anteil an Umweltthemen

Das Niveau ist entsprechend hoch, auch wenn es sich bei den Bachelorarbeiten nicht um fertige Spiele handelt – eher um erste professionelle Ausflüge ins Universum der Gameentwicklung. Auffallend ist der bisweilen absurde Humor, der sich in einigen Games zieht; als hätten einige der Studenten in ihrer Freizeit besonders gern und oft den «Goat Simulator» gespielt. Bemerkenswert ist auch, wie sehr Umweltthemen dieses Jahr die Studierenden beschäftigen. Sowohl das edukative Seriousgame «Ghost Host» wie die Auftragsarbeit«EnergySim 2050» befassen sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz, während «The Realms of Below and Beyond» Spielern das Leben im Erdreich näherbringt.

Die diesjährige Generation hat indessen nicht auffällige Games wie beispielsweise das Ausnahmegame «FAR: Lone Sails» im Gepäck, kann aber mit bemerkenswert durchdachten, professionell gemachten und bisweilen grotesk-komischen Games aufwarten. Oder um es mit dem Gamedesign-Dozenten René Bauer zu sagen: «Es gibt fast kein Spiel, das nicht an einer interessanten und relevanten Baustelle des Game-Designs arbeitet.» Was angesichts seines kritischen Blicks ein grosses Kompliment ist.

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Verschifft: Die Spielfigur aus Leander Schneebergers vektorbasierter Schwarz-Weiss-Arbeit «Plui» mag den Klang der Tropfen auf dem Regenschirm. Spieler müssen Wege finden, damit es auf die Spielfigur regnet.

Verschifft: Die Spielfigur aus Leander Schneebergers vektorbasierter Schwarz-Weiss-Arbeit «Plui» mag den Klang der Tropfen auf dem Regenschirm. Spieler müssen Wege finden, damit es auf die Spielfigur regnet.

ZHdK
Im beeindruckenden VR-Game «ReQuest – a Journey for Heroes» von Chris Elvis Leisi bereiten Spieler den Helden den Boden, so dass möglichst viele von ihnen die Mission der Heimkehr unbeschadet überstehen.

Im beeindruckenden VR-Game «ReQuest – a Journey for Heroes» von Chris Elvis Leisi bereiten Spieler den Helden den Boden, so dass möglichst viele von ihnen die Mission der Heimkehr unbeschadet überstehen.

ZHdK
Das edukative Seriousgame «Ghost Host» von Emma McMillin und Larissa Wild bringt Kindern auf spielerische Weise bei, wie sorgfältig mit Nahrung umgegangen werden kann. Das Spiel entstand in Zusammenarbeit mit dem Projekt «Foodscape» der ZHAW und der ZHdK.

Das edukative Seriousgame «Ghost Host» von Emma McMillin und Larissa Wild bringt Kindern auf spielerische Weise bei, wie sorgfältig mit Nahrung umgegangen werden kann. Das Spiel entstand in Zusammenarbeit mit dem Projekt «Foodscape» der ZHAW und der ZHdK.

ZHdK
«CH-Games sind weltweit eine Inspiration»

Er hat dem Schweizer Gamedesign Türen geöffnet: Der Amerikaner Chris Bergstresser ist Präsident des Ludicious Zürich Game Festivals und Fan von Schweizer Games.
(Video: Jan Graber)

«Dream Journal»

«Dream Journal» heisst eine verstörende Serie animierter Kurzfilme des kanadischen Künstlers Jon Rafman, der mit der Ästhetik von Games spielt.
(Video: Jon Rafman)

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