20.07.2017 06:55

Géraldine RuckstuhlDie nächste Medaille für das Ausnahmetalent?

Diese Frau scheint im Siebenkampf keine Grenzen zu kennen. Und dies obwohl Géraldine Ruckstuhl erst 19 ist und vor zwei Jahren ihre Karriere in Gefahr war.

von
Marcel Allemann
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Géraldine Ruckstuhl gehört an der U20-EM in Grosseto zum Kreis der Favoritinnen.

Géraldine Ruckstuhl gehört an der U20-EM in Grosseto zum Kreis der Favoritinnen.

Keystone/urs Flueeler
Speerwurf bezeichnet die 19-jährige Siebenkämpferin als ihre Lieblingsdisziplin.

Speerwurf bezeichnet die 19-jährige Siebenkämpferin als ihre Lieblingsdisziplin.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Luzernerin ergatterte sich im Mai den Schweizer Rekord im Siebenkampf.

Die Luzernerin ergatterte sich im Mai den Schweizer Rekord im Siebenkampf.

Keystone/Gaetan Bally

Die Schweizer Leichtathletik ist im Hoch. Und dafür ist neben einer starken Elite um Kariem Hussein, Lea Sprunger, Nicole Büchler, Selina Büchel oder Mujinga Kambundji primär auch der Nachwuchs verantwortlich. Von der U23-EM im polnischen Bydgoszcz kehrte die Schweizer Delegation mit fünf Medaillen zurück. Herausragend waren dabei die EM-Titel von Stabhochspringerin Angelica Moser und Siebenkämpferin Caroline Agnou.

Nun sind vom 20. bis 23. Juli die noch Jüngeren am Zug, anlässlich der U20-EM in der italienischen Stadt Grosseto. Mit 37 Startern ist das Schweizer Aufgebot so gross wie noch nie. Der Star im Team ist dabei Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl. «Das Ziel ist schon eine Medaille», sagt die 19-Jährige. Auf eine Farbe will sie sich indes nicht festlegen, denn sie seien drei, die sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Neben ihr sind dies die Österreicherin Sarah Lagger und Alina Schuch aus der Ukraine. «Ich will einfach mein Bestes geben und im Minimum 6000 Punkte erreichen und dann sehen wir, was dabei heraus kommt.»

Rekord-Wettkampf mit Caroline Agnoud

Diese Schallmauer hat die U18-Weltmeisterin von 2015 schon mehrmals geknackt. Im Mai brillierte sie beim Mehrkampf-Meeting in Götzis gar mit 6291 Punkten und übertraf sensationell den Uralt-Schweizer-Rekord von Corinne Schneider aus dem Jahr 1985 um 26 Zähler. Damit schaffte die Luzernerin zugleich auch die Limite für die WM der «Grossen» vom 4. – 13. August in London. «Es ist schon krass, dass ich als 19-Jährige daran teilnehmen darf und eine grosse Ehre dazu.» In London gehe es für sie dann primär Linie darum, Erfahrung zu sammeln: «Das ist das Wichtigste für die Zukunft»

Ihren Schweizer Rekord ist Ruckstuhl in der Zwischenzeit zwar jedoch wieder los. Die zwei Jahre ältere Bielerin Caroline Agnoud hat sie letzte Woche bei ihrem Triumph an der U23-EM um 39 Punkte übertroffen. Doch wurmen tut dies Ruckstuhl nicht – im Gegenteil: «Ich habe mich darüber gefreut. Es ist doch cool, dass wir so gute Siebenkämpferinnen haben. In einem kleinen Land wie der Schweiz ist die nicht selbstverständlich. So können wir uns auch gegenseitig anspornen.»

Die Athletin des STV Altbüron sagt, dass es sicherlich ein Ziel sei, sich den Schweizer Rekord eines Tages zurück zu holen, «und ich kann mir gut vorstellen, dass dieser in den nächsten Jahren noch einige Male zwischen uns hin und her wechselt.» Das sind dann definitiv prächtige Aussichten für die Schweizer Sportfans in einer Königsdisziplin der Leichtathletik.

Not-OP nach einem Sturz im Training

Doch wie ist Géraldine Ruckstuhl überhaupt Siebenkämpferin geworden? Konnte sie sich nicht entscheiden oder ist zu polysportiv für bloss eine Disziplin? «Beides», sagt das Ausnahmetalent, dessen grosses Vorbild die inzwischen abgetretene britische Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin Jessica Ennis-Hill ist, «nur eine Disziplin auszuüben, würde mir nicht gefallen, da wäre mir das Training zu monoton. Ich war schon immer in verschiedenen Disziplinen unterwegs.»

Der jungen Schweizer Sportlerin mit KV-Abschluss in der Tasche stehen mit Junioren-EM und Elite-WM grosse Tage und Wochen bevor. Sie hatte in ihrer jungen Karriere aber auch schon ganz schwierige Momente zu überstehen. Vor 16 Monaten stürzte Ruckstuhl beim Hürdentraining und zog sich innere Verletzungen zu. Sie hatte ein Loch im Darm, es kam zu einer Not-OP. Sogar die Fortsetzung ihrer Spitzensportkarriere war zunächst in Frage gestellt. «Das hat mich sicherlich verändert», sagt Ruckstuhl rückblickend. «Ich schätze nun noch viel mehr, was ich an der Leichtathletik habe und erachte dies nicht als selbstverständlich.»

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