Kartell-Experte warnt vor Bandenkriegen – «Die nächsten Ferien in Mexiko könnten auch Ihre letzten sein»
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Kartell-Experte warnt vor Bandenkriegen «Die nächsten Ferien in Mexiko könnten auch Ihre letzten sein»

Seit im Oktober bei einem Feuergefecht zwischen Drogenkartellen in Tulum zwei junge Touristinnen ums Leben kamen, will die mexikanische Regierung in der Karibik eine spezielle Einheit der Armee einsetzen. Nun rät ein Kartell-Experte von Reisen nach Mexiko ab.

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Mexikanische Sicherheitskräfte markieren am Strand von Tulum Präsenz.

Mexikanische Sicherheitskräfte markieren am Strand von Tulum Präsenz.

AFP
Wegen der Traumstrände und der Maya-Ruinen ist Tulum ein besonders begehrtes Touristenziel.

Wegen der Traumstrände und der Maya-Ruinen ist Tulum ein besonders begehrtes Touristenziel.

AFP
Bei diesem Restaurant wurden Ende Oktober zwei junge Touristinnen getötet.

Bei diesem Restaurant wurden Ende Oktober zwei junge Touristinnen getötet.

Reuters

Darum gehts

  • Ein Sicherheitsexperte und Kartell-Kenner warnt davor, Ferien in Mexiko zu verbringen.

  • Nach Schiessereien, bei denen auch zwei junge Touristinnen starben, hat die mexikanische Regierung für die Touristenorte in der Karibik eine 1500 Mann starke Sicherheitstruppe ins Leben gerufen.

  • Hintergrund der steigenden Zahl von Gewalttaten sind Revierkämpfe unter rivalisierenden Banden.

Ende Oktober peitschten Schüsse aus automatischen Waffen durch den mexikanischen Touristenort Tulum südlich von Cancun. Der Angriff von Killern eines Kartells galt zwar der Konkurrenz, doch getötet wurden nicht verfeindete «Sicarios», sondern die jungen Touristinnen Jennifer Henzold (35) aus Deutschland und die indische Travel-Bloggerin Anjali Ryot (25). Nur eine Woche später mussten sich Dutzende von Touristen im nahen Puerto Morelos in Sicherheit bringen, als 15 Kartellmitglieder ein Hotel unter Beschuss nahmen und dabei zwei mutmassliche Drogenhändler töteten.

«Das darf sich nicht wiederholen», sagte Präsident Andrés Manuel López Obrador danach auf einer Presskonferenz. Als erste Reaktion auf die Schiessereien in den Touristenzentren rief er eine Schutztruppe von 1500 Nationalgardisten ins Leben, die schwer bewaffnet Präsenz markieren und weitere Abrechnungen unter den Kartellen verhindern sollen. Das «Touristenbataillon» soll anfangs Dezember seine Arbeit an der Riviera Maya aufnehmen. Die Behörden planen, ähnliche Truppen auch in anderen touristischen Zentren einzuführen.

Die Riviera Maya und die Halbinsel Yucatán sind die wichtigsten Tourismusgebiete Mexikos, dem siebtmeistbesuchten Land der Welt. Der Tourismus macht 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus. Bis vor kurzem war die Region weitgehend von Bandenkriegen zwischen rivalisierenden Kartellen verschont. Doch derzeit kämpfen laut mexikanischen Ermittlern bis zu zehn verschiedene Banden um die Vorherrschaft auf der Halbinsel Yucatan, wie die «New York Post» schreibt.

«Es ist ihnen egal, wen sie alles erschiessen»

Die Zeitung befragte Sicherheitsberater Robert Almonte, einen Experten für mexikanische Drogenkartelle aus Texas. «Wir erleben derzeit eine massive Zunahme von Strassenkämpfen unter den Bossen der Plaza», sagt er. So reagierten diese, wenn Rivalen in ihr Revier eindringen. «Dabei ist es ihnen egal, wen sie niederschiessen. Wenn es unschuldige Passanten trifft, ist das eben deren Pech. So denken sie halt.» Mexiko tue nichts, um das Problem zu lösen. «Meine Sorge ist, dass man als Tourist zwar nicht das Ziel ist, aber vielleicht am Nachbartisch sitzt, wenn die Schiesserei losgeht – und plötzlich sind die Mexiko-Ferien die letzten, die man verbrachte.»

Neben den zehn Drogenhändler-Banden würden vor allem die beiden Kartelle Jalisco Nueva Generación und das Golf-Kartell um die Vorherrschaft im karibischen Bundesstaat Quintana Roo kämpfen. Die Zahl der Morde dort kletterte von 145 im Jahr 2015 auf 628 im Jahr 2020 – ein Anstieg von 333 Prozent. Gemäss Almonte ist die Situation ausser Kontrolle geraten. «Ich werde oft gefragt, ob man derzeit nach Mexiko reisen soll und meine Empfehlung ist: Gehen Sie nicht hin.» Im Land werden jeden Tag rund 100 Tötungsdelikte registriert.

Dass unlängst «La Jefa» Rosalinda Gonzalez Valencia, die Finanzchefin des Jalisco-Kartells und Ehefrau des Kartellgründers Nemesio Oseguera «El Mencho» Cervantes, verhaftet wurde, mache die Sache nicht einfacher. Auf Cervantes selbst ist ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt. Das Kartell gilt als einer der Hauptproduzenten des Methamphetamins und Fentanyls, das in die USA geschmuggelt wird.

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(TRX/AFP/DPA)

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