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Sieg gegen SerbienDie Nati büsste – und biss sich zurück

Nach dem 2:1 gegen Serbien reicht der Schweiz ein Punkt gegen Costa Rica für die Achtelfinals. Der Adler-Jubel sorgt für Diskussionen.

von
Florian Raz
Kaliningrad
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Die Schweizer Nati dreht die Partie gegen Serbien und ist auf bestem Weg für eine Achtelfinal-Qualifikation.

Die Schweizer Nati dreht die Partie gegen Serbien und ist auf bestem Weg für eine Achtelfinal-Qualifikation.

Keystone/Laurent Gillieron
Erlösung in der 90. Minute: Xherdan Shaqiri trifft zum Sieg.

Erlösung in der 90. Minute: Xherdan Shaqiri trifft zum Sieg.

Getty Images/Clive Rose
Kann es nicht lassen: Auch Shaqiri zeigt nach seinem Tor den Adler.

Kann es nicht lassen: Auch Shaqiri zeigt nach seinem Tor den Adler.

FreshFocus/Toto Marti/blick

Die kleinen Beinchen trommeln auf den Rasen von Kaliningrad. Da vorne, da steht es, das serbische Tor. Dorthin zieht es ihn jetzt mit aller Macht. Ein feiner Pass von Mario Gavranovic hat ihn auf die Reise geschickt. 89 Minuten und 35 Sekunden zeigt die Anzeigetafel in Kaliningrad.

Es ist der Moment, in dem Xherdan Shaqiri beweisen kann, dass er ein Spieler von Extraklasse ist. Und er tut es. Schüttelt den letzten Verteidiger ab. Hebt den Kopf. Schiebt den Ball fast schon sanft am herausstürzenden Goalie Vladimir Stojkovic vorbei. 2:1 für die Schweiz. Vier Punkte in der Gruppe E. Ein Unentschieden gegen Costa Rica reicht – und die Schweizer sind im Achtelfinal.

Shaqiris 2:1. (Video: SRF)

Unnötige Provokation

Es ist stark, wie die Nati an diesem Abend auf einen schwachen Start reagiert. Aber es ist komplett unnötig, wie Shaqiri und schon vor ihm Granit Xhaka die Serben bei ihrem Torjubel mit dem Doppeladler provozieren. Mit dem Wappentier Albaniens.

Und das, nachdem die Schweizer vor dem Spiel so taten, als gehe sie die ganze politische Diskussion rund um die Partie nichts an. Als seien es nur serbische und kosovarische Medien, die von der Partie Serbien gegen Albanien 2 schreiben würden.

«Es ist ein Sieg für die Familie, die Schweiz, Albanien, den Kosovo. Die Geste (beim Jubel) war für die Leute, die mich immer unterstützt haben, sie war nicht gegen den Gegner gerichtet», so Xhaka. Und was sagte Shaqiri zur Jubelpose? «Es geht hier nicht um Politik, es geht um Fussball.»

Ja, Xhaka zeigt bei seinem Jubel zum 1:1 zuerst auf das Schweizer Kreuz auf seiner Brust. Ja, Shaqiri klopft nach dem Spiel demonstrativ darauf herum. Aber die beiden führen mit ihrem Adler-Jubel auch ihren eigenen Trainer vor. Der hatte vor der Partie nicht einmal auf Fragen zum Thema reagiert. Es wird interessant sein, wie Vladimir Petkovic jetzt mit seinen beiden Jubel-Adlern umgehen wird. Unmittelbar nach der Partie sagte der Trainer, dass er die entsprechenden Szenen selber nicht gesehen habe.

Die Strafe folgte sofort

Mit dem Spiel seiner Mannschaft wird der Nati-Trainer mit Ausnahme der ersten 25 Minuten zufrieden sein. Da waren die Schweizer nicht bereit für die grossen Taten, die sie im Vorfeld versprochen hatten.

Mutig hatten sie sein wollen, auf Sieg spielen. So lautete der Plan vor dem Anpfiff. So spielten sie vier Minuten lang. Dann verwandelte sich Mut in Übermut – und die Nati musste bitter dafür büssen. In der 5. Minute konnte Yann Sommer noch retten, was gegen Aleksandar Mitrovics ersten Kopfball zu retten war.

Doch das war den Schweizern scheinbar nicht Weckruf genug. Gegen Brasilien hatte Steven Zuber die Schweizer Fans noch verzaubert mit seinem Kopftor. Gestern stiess er sie mit einem törichten Dribbling am eigenen Strafraum vor den Kopf.

Die Strafe folgte sofort. Wieder eine hohe Flanke in den Schweizer Sechzehner, wieder gewann Mitrovic das Kopfballduell mit Fabian Schär scheinbar spielend leicht. 1:0, sechste Minute – alle schönen Schweizer Pläne waren kräftig infrage gestellt.

Aber es ist eine Qualität dieser Nati, dass sie sich in Spiele zurück beissen kann. Und das taten die Schweizer nach und nach. Sie drängten die Serben zurück, sie kamen schon vor der Pause zu Chancen, die allesamt durch Blerim Dzemaili vergeben wurden.

War das Seferovics letzter Auftritt?

Und Haris Seferovic? Ach, Haris Seferovic! Was für eine Halbzeit so ganz ohne Bindung zum Spiel, ohne gewonnenen Zweikampf, ohne Pass, ohne gar nichts. Zur Pause wurde er von Vladimir Petkovic erlöst und durch Mario Gavranovic ersetzt. Es könnte Seferovics letzter Auftritt an dieser WM gewesen sein.

Mit Gavranovic hatten die Schweizer eine Anspielstation mehr auf dem Rasen. Und sie hatten die Wut von Granit Xhaka, der sich mit all seiner Kraft und Wucht und Leidenschaft gegen die drohende Niederlage stemmte. All das legte er in seinen Schuss in der 52. Minute, der das 1:1 brachte.

Xhakas 1:1 (Video: SRF)

Es war der Anfang eines eigentlich wunderbaren Schweizer Abends. Aber dann kamen die Adler. Ruhige Tage wird die Nati deswegen vor dem Spiel gegen Costa Rica keine haben.

Serbien - Schweiz 1:2 (1:0)

Kaliningrad. - 33'167 Zuschauer. - SR Brych (GER).

Tore: 5. Mitrovic (Tadic) 1:0. 52. Xhaka 1:1. 90. Shaqiri (Gavranovic) 1:2.

Serbien: Stojkovic; Ivanovic, Milenkovic, Tosic, Kolarov; Milivojevic (81. Radonjic), Matic; Tadic, Milinkovic-Savic, Kostic (64. Ljajic); Mitrovic.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Akanji, Rodriguez; Behrami, Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (73. Embolo), Zuber (94. Drmic); Seferovic (46. Gavranovic).

Bemerkungen: Beide Teams komplett. 58. Pfostenschuss von Shaqiri.

Verwarnungen: 34. Milinkovic-Savic, 39. Milivojevic, 44. Matic (alle Foul), 87. Mitrovic (Reklamieren), 92. Shaqiri (Unsportlichkeit). (sda)

Nati sorgt für Novum

Die Schweizer Nationalmannschaft schaffte mit dem 2:1-Sieg gegen Serbien Aussergewöhnliches: Im 26. Spiel der WM in Russland gewann erstmals eine Mannschaft nach einem Rückstand. Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri wendeten das Blatt nach der Pause. Zuvor hatte Spanien gegen Portugal einen 1:2-Rückstand in ein 3:2 verwandelte, musste dem Nachbarn aber noch den 3:3-Ausgleich zugestehen. (sda)

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