Zweites Silber nach 2013: Die Nati ist in eine neue Sphäre vorgestossen
Aktualisiert

Zweites Silber nach 2013Die Nati ist in eine neue Sphäre vorgestossen

Der Gold-Traum bleibt zwar unerfüllt. Nach einem Penalty-Drama. Das tut weh. Trotzdem war diese WM ein weiterer Meilenstein für das Schweizer Eishockey.

von
Marcel Allemann
Kopenhagen
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Die Enttäuschung ist riesig: Die Schweizer Spieler geben sich nach dem Penaltyschiessen gegenseitig Halt.

Die Enttäuschung ist riesig: Die Schweizer Spieler geben sich nach dem Penaltyschiessen gegenseitig Halt.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Der gegenseitige Respekt ist spür- und sichtbar: Die Schweizer gratulieren dem alten und neuen Weltmeister aus Schweden.

Der gegenseitige Respekt ist spür- und sichtbar: Die Schweizer gratulieren dem alten und neuen Weltmeister aus Schweden.

AP/Petr David Josek
Bundesrat Guy Parmelin übergibt Leonardo Genoni und Roman Josi die Silbermedaille.

Bundesrat Guy Parmelin übergibt Leonardo Genoni und Roman Josi die Silbermedaille.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Der Zweite ist der erste Verlierer. So undankbar ist das im Sport. Und so endet diese WM in Kopenhagen für die Spieler trotz allem mit einer riesigen Enttäuschung. Sie wollten unbedingt noch einen Schritt weitergehen als 2013 in Stockholm, sie wollten dieses Mal Gold. Unbedingt. Und sie waren sooooooo nahe dran. Am Ende fehlte ein Schuss. Das ist enorm bitter, das tut unfassbar weh.

Es wird daher einige Tage dauern, bis die Spieler und der Coaching-Staff um Patrick Fischer realisieren, was sie in den letzten zweieinhalb Wochen geleistet haben und sich über die zweite Silbermedaille innert fünf Jahren freuen können. Etwas schneller würde es vielleicht gehen, wenn die Fans der Mannschaft heute Mittag am Flughafen einen euphorischen Empfang bereiten. Wie 2013, als die Spieler fassungslos waren ob der Begeisterung, die sie ausgelöst haben.

Rasant zur zweiten Medaille

Das Silberwunder 2013 in Stockholm war der Wegbereiter. Seither weiss man, dass es möglich ist, bis ganz an die Spitze vorzustossen und eine Medaille zu gewinnen, wenn alles zusammen passt. Durch die Tage in Stockholm wurde die Brust der Schweizer Eishockeyaner breiter und das Selbstverständnis grösser, auch die nachfolgende Generation strebt solche Erfolge an. Und noch mehr. So sagte der 21-jährige Timo Meier am Sonntagabend nach der Final-Niederlage bereits: «Wir kommen zurück und beim nächsten Mal holen wir Gold!»

Nach der Silbermedaille vor fünf Jahren, schrieb 20 Minuten, dass es nun das Ziel sein muss, auf das Niveau der Slowakei zu kommen und so alle acht bis zehn Jahre für einen Medaillen-Exploit sorgen zu können. Denn die Slowakei und die Schweiz sind als Eishockey-Nationen vergleichbar. Nun ist es sogar schneller als diese acht bis zehn Jahre gegangen. Und wir waren dieses Mal im Final nicht mehr chancenlos wie noch 2013, sondern nur Zentimeter von WM-Gold entfernt. Das Schweizer Eishockey ist nochmals in eine neue Sphäre vorgestossen.

Nur Hischier fehlte zum Dreamteam

Trotzdem wird es wichtig sein, demütig zu bleiben. Eine Viertelfinal-Qualifikation muss für die Schweiz auch weiterhin das Grundziel sein. Eine Selbstverständlichkeit, die Top 8 zu erreichen, wird es für die Schweiz vermutlich nie geben. Und an Medaillen gewöhnen sollten wir uns schon gar nicht. Es wird auch wieder Turniere geben, wo die Viertelfinals verpasst werden. Vielleicht schon im nächsten Jahr an der WM in der Slowakei.

Wir haben in Dänemark auch von einer perfekten Konstellation profitiert. Mit den Nachzüglern während dem Turnier waren am Ende acht Spieler im Kader, die in dieser Saison in der NHL im Einsatz standen. Und das spürte man. Die Niederreiters, Meiers, Müllers und Josis waren die herausragenden Persönlichkeiten, die diese Mannschaft mit einer beeindruckenden Souveränität trugen. Das war die beste Nati aller Zeiten. Es fehlte eigentlich nur noch Nummer-1-Draft Nico Hischier und man hätte den Begriff Dreamteam verwenden können.

Vorbilder wie Niederreiter - und Scherwey

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass möglichst viele junge Hockeytalente Niederreiter und Co. genau auf die Stöcke geschaut haben und gesehen haben, was es braucht, um sich in der NHL durchsetzen zu können. Wie diese Cracks den Puck abdecken, wie sie die Zweikämpfe angehen und wie gradlinig sie den Weg aufs Tor suchen. Aber hoffentlich haben sie auch gesehen, wie weit man es bringen kann, wenn man zwar nicht ein Jahrhunderttalent ist, aber die Arbeitsethik eines Tristan Scherwey besitzt.

Dann lässt die nächste Medaille womöglich nicht lange auf sich warten. Vielleicht nicht einmal fünf Jahre. Und vielleicht ist es dann auch Gold.

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