08.09.2020 04:59

Nach dem Länderspiel-Re-StartDie Nati übt Dominanz

Die Nati startete mit einem Punkt in die Nations League. Hier sind einige Erkenntnisse aus den Spielen gegen die Ukraine und Deutschland.

von
Eva Tedesco
1 / 1
Nati-Trainer Vladimir Petkovic verpasste der Schweizer Nationalmannschaft nach der langen Corona-Pause einen interessanten Spielstil. 

Nati-Trainer Vladimir Petkovic verpasste der Schweizer Nationalmannschaft nach der langen Corona-Pause einen interessanten Spielstil.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Darum gehts

  • Die Nati startete mit einem Punkt aus zwei Spielen in die Nations League.
  • Vladimir Petkovic übte beim Re-Start eine Stiländerung.
  • Im Team erhöht sich der Konkurrenzkampf – diese und weitere Erkenntnisse aus den Spielen gegen die Ukraine und Deutschland.

Petkovic hat eine Stiländerung vollzogen

290 Tage musste Vladimir Petkovic warten, bis er seine Mannschaft nach dem letzten Spiel in Gibraltar wieder für einen Zusammenzug aufbieten konnte. In dieser langen Pause brütete der Nationaltrainer an einem Konzept, wie er sein Team weiterentwickeln könnte. Herausgekommen ist eine Stiländerung, die Petkovic der Schweiz verpasste. Der Plan heisst: Pressing. Dass im modernen Fussball das hohe Angreifen zum Erfolg führen kann, haben die Bayern zuletzt in der Champions League bewiesen. Die Nati zeigte phasenweise gute (in der Ukraine) bis sehr gute Ansätze (gegen Deutschland). Aber auch, dass das spannende taktische Element viel Risiko birgt, wenn es nicht konsequent umgesetzt wird.

In beiden Partien wurde allerdings auch ein ewig gleiches Dilemma deutlich: die Chancenauswertung. Die Schweizer liessen jeweils beste Möglichkeiten liegen. Petkovic: «Ich sehe das Glas halb voll. In den nächsten Spielen müssen wir einfach dafür sorgen, dass es noch ein bisschen besser gefüllt ist.» Bis zur EM 2021 kann die Nati diese Dominanz und den interessanten Spielstil üben. Die Richtung stimmt schon.

Die treibende Kraft

Wer die beiden Spiele gesehen hat, spürte seine Präsenz, seine Lust zu Führen und Verantwortung zu übernehmen. Granit Xhaka tut die offizielle Rolle als Captain und Nachfolger von Stephan Lichtsteiner gut: Er ist der Spiritus Rector, der Kopf, die treibende Kraft dieses Teams. Er ist der Taktgeber, der immer den Ball will, der sich nie versteckt. «Er ist wichtig für unser Verhalten und für die Geometrie. Er ist unser Leader, aber er hat wie die ganze Mannschaft noch Potenzial, sich zu entwickeln», sagt Petkovic. Und das hat Xhaka auch im Sinn: «Ich will Vorbild sein, an meine Grenzen gehen und meine Mitspieler mitziehen.»

Der Taktgeber, der Chef. Granit Xhaka führte die Nati gegen die Ukraine und Deutschland nach dem Rücktritt von Stephan Lichtsteiner als neuer Nati-Captain an.

Der Taktgeber, der Chef. Granit Xhaka führte die Nati gegen die Ukraine und Deutschland nach dem Rücktritt von Stephan Lichtsteiner als neuer Nati-Captain an.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Wichtige Ergänzungen

Nicht nur die taktische Grundausrichtung soll mehr Möglichkeiten bieten, Petkovic will auch beim Personal flexibel sein können. Weil Petkovic acht Spieler (Schär, Shaqiri, Mehmedi, Zakaria, Freuler, Itten, Cömert, Fernandes) und teils wichtige Säulen des Teams fehlten, konnten sich jene ins Blickfeld spielen, die bisher nicht zum engen Kreis der Nati gehörten. Renato Steffen zum Beispiel, der gegen Deutschland erst zu seinem dritten Einsatz in der Startformation kam und viel Tempo und Unberechenbarkeit brachte.

Renato Steffen war gegen Deutschland viel unterwegs und brachte Unberechenbarkeit ins Spiel. In dieser Form ist der Wolfsburger ein Gewinn. 

Renato Steffen war gegen Deutschland viel unterwegs und brachte Unberechenbarkeit ins Spiel. In dieser Form ist der Wolfsburger ein Gewinn.

Daniela Frutiger (Freshfocus)

Oder Silvan Widmer, der gegen die Deutschen nicht nur als Torschütze zum 1:1 ein Ausrufezeichen setzte, sondern mit seinem verlässlicheren Defensivverhalten auch Kevin Mbabu auf der Position des Rechtsverteidigers Konkurrenz machen kann. Zu den Gewinnern muss man auch Loris Benito zählen, der eines seiner besten Länderspiele zeigte. In Topform war zwar unter den speziellen Bedingungen noch kein Schweizer, aber die Auftritte stimmen positiv. Den nächsten Schritt vorwärts kann die Schweiz im Oktober machen.

Loris Benito packte seine Chance gegen den Weltmeister von 2014 und machte eines seiner besten Länderspiele. 

Loris Benito packte seine Chance gegen den Weltmeister von 2014 und machte eines seiner besten Länderspiele.

Daniela Frutiger (Freshfocus)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
11 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Der Nichtkenner

09.09.2020, 04:58

Ich gebe dem Verfasser nur teilweise recht. Aber ja, halb so wild. Wenn ein Team eine 'Taktik' spielt für welche sie nicht gemacht ist kann das ein Spiel ganz schön kaputt machen.... Oder eben: 11 Mannen die wirr einem Ball nachrennen, während das andere so aus dem "Spielkonzept" gebracht wird. Ist auch Taktik!. Eh nu...

Willi

08.09.2020, 08:58

Ich schaue lieber die Formel 1. Wenn ich jetzt auch noch (Schweizer) Fussball gucken würde, käme ich ja ger nicht mehr aus dem Schlafmodus.

Nolde

08.09.2020, 07:57

Dominanz? Eine DFB-Elf die kaum Stärke zeigte und zuviel zuliess, hätte an dem Abend wohl auch gegen den Kongo einen Punkt liegen gelassen...Bitte auf dem Boden der Tatsachen bleiben