Aktualisiert 10.03.2011 11:21

DevisenkäufeDie Nationalbank lobt sich selbst

«Mit ihrer umsichtigen Politik trug die Nationalbank dazu bei, dass sich die Schweizer Wirtschaft erholte», schreibt die SNB in ihrem Bericht ans Parlament.

von
Balz Bruppacher

Die Nationalbank bleibt dabei: Die umstrittenen Devisenkäufe vor einem Jahr seien nötig gewesen und hätten zur Erholung der Wirtschaft beigetragen. Für 144 Milliarden Franken kaufte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im vergangenen Jahr Devisen, wie die Währungshüter in ihrem heute veröffentlichten Rechenschaftsbericht ans Parlament schreiben. Das stellt alle bisherigen Devisenmarktinterventionen in den Schatten und ist drei Mal mehr als im Jahre 2009 (47 Milliarden).

Zur Begründung dieser Käufe, die wegen der Aufwertung des Frankens zu einem Rekordverlust in der Jahresrechnung von 19,2 Milliarden Franken führten, verweist die Notenbank auf die starken Anspannungen auf den Finanzmärkten im Frühling 2010 wegen der eskalierenden Staatsschuldenkrise in Europa. Dieses Umfeld habe zu einer erneuten Flucht in sichere Anlagen geführt und einen erheblichen Aufwertungsdruck auf den Franken ausgelöst.

Keine Interventionen im 2. Halbjahr

«Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zu jenem Zeitpunkt hätte die schweizerische Volkswirtschaft nach Einschätzung der Nationalbank so stark belastet, dass sich die Gefahr einer deflationären Entwicklung ergeben hätte», heisst es im Bericht, und weiter: «Die Nationalbank wollte dieses Risiko nicht eingehen und entschied deshalb, in grossem Umfang Devisen zu erwerben.» Mitte Jahr sei das Deflationsrisiko weitgehend verschwunden, weshalb man in der zweiten Jahreshälfte keine weiteren Interventionen am Devisenmarkt mehr getätigt habe.

«Mit ihrer umsichtigen Politik trug die Nationalbank dazu bei, dass sich die Schweizer Wirtschaft erholte», schreibt die SNB weiter. Sie erinnert daran, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal wieder das Niveau vor der Krise erreicht habe.

Parlamentarisches Nachspiel

Auf die Kursverluste und die Folgen der aufgeblähten Bilanz geht die Nationalbank im Abschnitt über das Risikoprofil ein. Sie weist darauf hin, dass der Beitrag der Wechselkursrisiken zum Gesamtrisiko wegen des gestiegenen Devisenbestands markant zugenommen habe. Zudem habe sich der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme verringert. «Die finanzielle Stressresistenz der Nationalbankbilanz ist somit nicht mehr im gleichen Ausmass gesichert wie früher», räumt die SNB ein und fügt hinzu:. «Dennoch verfügt die Nationalbank weiterhin über eine auch im Vergleich mit anderen Zentralbanken starke Eigenkapitalbasis.»

Der Rechenschaftsbericht der Nationalbank wird dem Parlament bloss zur Kenntnisnahme vorgelegt. Der Rekordverlust beziehungsweise die zu Grunde liegenden Devisenmarktinterventionen werden aber dennoch ein parlamentarisches Nachspiel haben. So hat die SVP diese Woche eine Motion eingereicht, mit der disziplinierende Aufsichtsregeln für die Nationalbank bei Währungskäufen angestrebt werden. Vorstösse wurden auch von linker Seite angekündigt.

Weniger falsche Banknoten beschlagnahmt, mehr echte im Umlauf

Weniger Blüten: Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 4400 falsche Banknoten beschlagnahmt. Das sind 500 weniger als noch im Vorjahr, wie aus dem Rechenschaftsbericht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Donnerstag hervorgeht.

Gleichzeitig belief sich der Notenumlauf im Jahresdurchschnitt auf 47,1 Mrd. Fr. und lag damit leicht höher als im Vorjahr (45,3 Mrd. Fr.). Die im Herbst 2008 infolge der Finanzkrise zusätzlich nachgefragten Banknoten - hauptsächlich 1000er-Noten - flossen bisher nur zu einem kleinen Teil zur Nationalbank zurück, heisst es im Rechenschaftsbericht an die Bundesversammlung weiter. Die Zahl der insgesamt zirkulierenden Noten betrug im Jahresdurchschnitt 325,1 Mio. (Vorjahr: 315,6 Mio.).

Die neue Banknotenserie soll erst Ende 2012 herausgegeben werden. Da die aktuellen Banknoten nach wie vor einen hohen Sicherheitsstandard aufweisen, sei die einwandfreie Versorgung der Wirtschaft mit Banknoten weiterhin gewährleistet.

(sda)

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