Bienen verwirrt: Die Natur steht kopf – es wird 16 Grad warm
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Bienen verwirrtDie Natur steht kopf – es wird 16 Grad warm

Die Pflanzen spriessen, die Bienen fliegen und die Igel sind aus dem Winterschlaf erwacht: Im Flachland herrschen frühlingshafte Temperaturen. Und es wird sogar noch wärmer.

von
hal

Während die USA unter einer Kältewelle schlottern, kann man in der Schweiz die Winterjacke zu Hause lassen: «Die Temperaturen sind für die Jahreszeit am oberen Rand der Skala», sagt Ivo Sonderegger von Meteonews. 12 bis 13 Grad warm war es am Dienstag von Bern bis St. Gallen. In Rüti ZH wurde es sogar 14 Grad. Und das Thermometer könnte sogar noch steigen: Meteo Schweiz prognostiziert für Donnerstag Temperaturen von bis zu 16 Grad in Basel.

Was uns Menschen freut, macht Flora und Fauna zu schaffen. Die Igel, von denen ohnehin schon viele geschwächt sind, wachen wegen der Wärme aus dem Winterschlaf auf. «Normalerweise kommen die Tiere im Januar nie in die Igelstationen. Jetzt bekomme ich jeden Tag einen und bis zu 10 Anrufe aus allen Teilen der Schweiz», sagt Anneliese Girlich von der Hotline von Pro Igel. «Viele sind stark abgemagert, unterkühlt und krank.» Das Hauptproblem: Sie finden jetzt kein Futter und drohen zu verhungern.

Hoffen auf Kälte

Selbst die Bienen fliegen bereits wieder. «Zwei, drei Tage mit Temperaturen über 10 Grad reichen dazu aus», so Robert Sieber, Vizepräsident des Vereins Deutschschweizerischer und Rätoromanischer Bienenfreunde. Im Gegensatz zu den Igeln droht ihnen aber keine Gefahr – im Gegenteil. «Die Bienen können so die Abfallstoffe loswerden, die sich im Bienenstock im Darm angesammelt haben.» Das dämme die Gefahr ein, dass die sogenannte Bienenruhr ausbricht.

Auch die Pflanzen spriessen schon – erste haben sogar Blüten gemacht. Kommt es zu einem Wintereinbruch, vertragen sie diesen dann sehr schlecht, sagt Josef Poffet vom Gärtnerei-Verband Jardinsuisse. «Auch die Primeln, die in Gewächshäusern unter einer Folie sind, wachsen jetzt zu schnell.» In anderen Jahren mussten sie deshalb in grosser Stückzahl kompostiert werden. «Wenn es länger so warm bleibt bleibt, wird auch die Winterruhe der Obstgehölze gebrochen. Im Extremfall können sie sogar austreiben.» Der Schweizer Obstverband sieht die Lage aber noch nicht dramatisch, wünscht sich aber tiefere Temperaturen.

Zu warm für Schneekanonen

Auf solche hoffen auch die Skigebiete in tieferen Lagen. «Wir würden gerne beschneien, doch dafür ist es zu warm», so Urs Gantenbein von den Bergbahnen Wildhaus AG. Auch Urs Keller vom Ferien- und Sportzentrum Hoch-Ybrig kann die Schneekanonen diese Nacht nicht anwerfen. «Wir haben zum Glück Schnee auf Reserve produziert.»

Keller und Ganteinbein betonen, dass die Pistenverhältnisse noch gut sind. Und sie können auf tiefere Temperaturen hoffen: Ab Freitag wird es voraussichtlich wieder leicht kühler. Auch für nächste Woche zeigt der Trend gemäss Meteorologe Sonderegger nach unten.

So helfen Sie den Igeln

Wer tagsüber einen Igel sieht, sollte ihn aufnehmen und wiegen. Ist ein Tier abgemagert und weniger als 500 Gramm schwer, sollte man sich mit Pro Igel oder mit einer Igelstation in Verbindung setzen. Diese entscheiden dann, ob der Igel in eine Igelstation oder zum Tierarzt muss. Schwerere Tiere können laut Anneliese Girlich von pro Igel auch im Garten mit Katzenfutter zugefüttert werden.

Ohne Absprache mit Fachleuten sollte man die Tiere aber nicht reinnehmen und aufpäppeln. Der Igel ist geschützt.

Hotline Pro Igel: 079 652 90 42

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