Aktualisiert 19.06.2015 10:16

Urs FischerDie neue Basler Bescheidenheit

Urs Fischer heisst der neue FCB-Trainer. Der Zürcher ist eine logische und gute Wahl. An seinen Dialekt werden sich die Fans gewöhnen.

von
Sandro Compagno
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Am 18. Juni 2015 unterschrieb Urs Fischer beim FC Basel einen Zweijahresvertrag plus Option. Er tritt die Nachfolge von Paulo Sousa beim Schweizer Meister an.

Am 18. Juni 2015 unterschrieb Urs Fischer beim FC Basel einen Zweijahresvertrag plus Option. Er tritt die Nachfolge von Paulo Sousa beim Schweizer Meister an.

Marcel Bieri
2015 wurde Urs Fischer bei den Swiss Football Awards im Februar in Luzern zum Trainer des Jahres gewählt. Die Auszeichnung erhielt er aus den Händen von Marcel Koller, dem Schweizer Nationaltrainer der Österreicher.

2015 wurde Urs Fischer bei den Swiss Football Awards im Februar in Luzern zum Trainer des Jahres gewählt. Die Auszeichnung erhielt er aus den Händen von Marcel Koller, dem Schweizer Nationaltrainer der Österreicher.

Keystone
Urs Fischer wurde am 13. März 2012 beim FCZ entlassen. Die eingefleischten Fans konnten sich aber für den Rest der Saison an seinem Bild auf der Saisonkarte erfreuen. In der Rückrunde zur Saison 2012/2013 übernahm der heute 49-Jährige das Traineramt beim FC Thun.

Urs Fischer wurde am 13. März 2012 beim FCZ entlassen. Die eingefleischten Fans konnten sich aber für den Rest der Saison an seinem Bild auf der Saisonkarte erfreuen. In der Rückrunde zur Saison 2012/2013 übernahm der heute 49-Jährige das Traineramt beim FC Thun.

Keystone

Dass der neue FCB-Trainer Deutsch sprechen muss, war nach dem kommunikativen Desaster mit Paulo Sousa zwingend. Doch Urs Fischer lediglich auf seine sprachliche Kompetenz zu reduzieren, griffe viel zu kurz. Der 49-Jährige hat sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Branche erarbeitet.

Die Anekdote stammt aus dem Jahr 2012: Der nach seinem unverständlichen Rauswurf beim FC Zürich arbeitslose Urs Fischer und ein Journalist sitzen in einer Pizzeria in Zürich, sprechen über die Entlassung, über echte und falsche Freunde, über die Verbundenheit des Familienvaters mit dem FCZ, die seine Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt für Profi-Trainer einschränkt. Das Etikett «Für immer euse Käptn», mit dem die Zürcher Südkurve der Club-Legende huldigte, hängt wie ein Bremsfallschirm am früheren Abwehr-Haudegen. Mit einem Spruch gehen die beiden auseinander. «Urs, ich fände es witzig, wenn du eines Tages den FC Basel trainieren würdest», flachst der Journalist. Urs Fischer lächelt.

Taktisch variabel

Kurz darauf unterschreibt er beim FC Thun. Trotz bescheidenstem Budget führt er die Berner Oberländer auf die Plätze 5 (2013), 6 (2014) und 4 (2015). Zuhause auf dem Plastikrasen der Stockhorn-Arena spielen die Thuner einen beherzten Offensiv-Fussball, auswärts gegen weit potentere Gegner sind sie sich nicht zu schade, 90 Minuten lang die Schotten dicht zu machen.

Die zwei Jahre in Thun halfen, den Stallgeruch des FC Zürich abzustreifen. Ab Montag wird Urs Fischers breiter Zürcher Dialekt im St.-Jakob-Park zu hören sein. Sechs Jahre nach dem Ende der höchst erfolgreichen Ära Christian Gross leitet wieder ein Zürcher die Geschicke beim Serienmeister.

2011 fehlte Fischer mit dem FC Zürich gegen den FC Basel ein Punkt, um seinen zweiten Titel nach dem Cup 2000 (als Spieler) zu gewinnen. In Basel kann, nein muss!, er das damals Verpasste nachholen. Fischers Berufung fällt in eine schwierige Phase beim Schweizer Meister. Mit Marco Streller geht eine unbestrittene Führungsfigur, mit Fabian Schär ein spielstarker Innenverteidiger, die Zukunft von weiteren verdienten Spielern wie Fabian Frei und Taulant Xhaka ist offen. Es ist richtig und logisch, dass die FCB-Führung um Bernhard Heusler und Georg Heitz auf einen Trainer setzt, der die hiesige Liga gut kennt.

Ein Arbeiter, kein Blender

Urs Fischer ist keine Glamour-Lösung, wie es einst der lässige Thorsten Fink war, der coole Murat Yakin oder der elegante Paulo Sousa. Wo Urs Fischer ist, da riecht es nicht nach Gucci oder Versace, da riecht es nach Schweiss. Der Mann aus Zürich-Affoltern ist eine pragmatische und bodenständige Lösung. Er wird dem FCB guttun. An seinen Dialekt werden sich die Basler schnell gewöhnen.

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