Aktualisiert 14.11.2011 16:44

Heiss geliebtDie neue deutsche Hockey-Kultfigur

Jakob «Köbi» Kölliker hatte einen guten Einstand als Trainer der deutschen Eishockey-Nati. Der 58-jährige Schweizer hat sogar das Potenzial zur Kultfigur.

von
Klaus Zaugg
Jakob «Köbi» Kölliker hatte einen guten Start als Trainer der deutschen Hockeynati. (Bild: Keystone)

Jakob «Köbi» Kölliker hatte einen guten Start als Trainer der deutschen Hockeynati. (Bild: Keystone)

Nach dem Deutschland Cup kennen die Deutschen endlich ihren neuen Bundestrainer. Jakob «Köbi» Kölliker hat die Gastgeber zu Siegen über die Schweiz (4:2) und die USA (3:1) geführt und spektakulär gegen die Slowakei (3:6) verloren.

Die Resultate sind gut. Die Pflicht ist vor allem dank dem Sieg über den Erzrivalen Schweiz erfüllt. Doch viel mehr als durch die Resultate hat der Berner die Zuneigung Deutscher Journalistinnen und Journalisten durch sein Wesen und Wirken gewonnen.

Köllikers feine Art

Die Deutschen erliegen Köllikers «Emil-Charme»: Wie der Kabarettist und Filmschauspieler Emil Steinberger («Die Schweizermacher») erobert der neue Bundestrainer mit einer Mischung aus Schlauheit und freundlicher Schweizerischer Gemütlichkeit die Deutsche Sportwelt. Trainer, speziell Bundestrainer, sind in unserem Nachbarland ja meistens charismatische Alphatiere, die im Umgang mit den Medien eher auf Distanz bedacht sind und oft von oben herab ihre Ansichten vertreten.

Kölliker ist das Gegenstück zu seinen manchmal polternden und autoritären Vorgängern wie Hans Zach und Uwe Krupp. Sein freundliches Wesen, sein trockener, mit Selbstironie durchwebter Humor, begeistert die Deutschen. Auch die Spieler sind des Lobes voll über den neuen Bundestrainer. Sie schätzen, dass er nur wenig redet und nicht zu Monologen neigt wie sein Vorgänger Uwe Krupp und dass sie viel mehr taktische Freiheiten haben. Zudem hat Kölliker den Spielern, seinen Untergebenen also, ganz offiziell das «Du» angeboten. Das kommt im hierarchiebewussten Deutschland gut an.

Bereits einen Titel auf sicher

Der «ewige Assistent» von Ralph Krueger steht eigentlich für alle gutgemeinten Klischees der Deutschen über uns Schweizer. Und wenn «Köbi» in seinen Ausführungen typische Schweizer Ausdrücke braucht, erhöht das seinen Charme, so wie wenn Nordamerikaner mit englischem Akzent Deutsch sprechen. Der neue Bundestrainer sagte nach dem Spiel gegen die Slowaken, man habe die Scheibe zu wenig speditiv aus der eigenen Zone heraus gespielt. Die Schweizer Kollegen erklärten dann den Deutschen Chronisten, was mit speditiv gemeint ist: Speditiv steht in diesem Fall für schnell.

Am treffendsten hat Günter Klein, der pfiffige Reporter des Münchner Merkurs, die sich anbahnende Entwicklung Köllikers zur Kultfigur des Deutschen Hockeys im kleinen Kreis auf den Punkt gebracht. Er hat vorgeschlagen, Bundestrainer Jakob Kölliker und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den bestfrisierten Persönlichkeiten des Jahres zu küren.

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