Aktualisiert 29.06.2017 09:24

SBBDie neuen Doppelstock-Züge kommen noch später

Im Sommer wollte Hersteller Bombardier die Zulassung für die neuen SBB-Doppelstockzüge erhalten. Doch die zuständigen Behörden winken ab.

von
Stefan Ehrbar
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Ursprünglich rechnete der Hersteller Bombardier damit, im Sommer die Zulassung für seine neuen SBB-Doppelstock-Züge zu erhalten. Daraus wird wahrscheinlich nichts.

Ursprünglich rechnete der Hersteller Bombardier damit, im Sommer die Zulassung für seine neuen SBB-Doppelstock-Züge zu erhalten. Daraus wird wahrscheinlich nichts.

Keystone/Alessandro Della Valle
Bombardier habe selbst gesetzte Termine immer wieder verschoben, heisst es beim Bundesamt für Verkehr. Man rechne deshalb mit einer Zulassung im Oktober. Das bringt den Zeitplan durcheinander.

Bombardier habe selbst gesetzte Termine immer wieder verschoben, heisst es beim Bundesamt für Verkehr. Man rechne deshalb mit einer Zulassung im Oktober. Das bringt den Zeitplan durcheinander.

Keystone/Anthony Anex
Ein Bombardier-Sprecher sagt, Ende Sommer und Oktober lägen nicht weit auseinander. Der Bund erkenne einen guten Fortschritt an.

Ein Bombardier-Sprecher sagt, Ende Sommer und Oktober lägen nicht weit auseinander. Der Bund erkenne einen guten Fortschritt an.

Keystone/Jean-Christophe Bott

Knapp zwei Milliarden Franken gibt die SBB für ihre neuen Doppelstock-Züge aus. Dafür hat die Bahn bis jetzt noch keinen funktionierenden Zug, aber viel Ärger erhalten. Die ursprünglich für Ende 2013 geplante Inbetriebnahme verzögerte sich wegen Interventionen von Behindertenverbänden und wegen technischer Probleme. In diesem Sommer wollte Bombardier der SBB endlich die ersten Züge liefern, damit sie ab Ende Jahr in den normalen Einsatz kommen.

Daraus dürfte nichts werden. Die SBB übernimmt die Züge erst, wenn sie die Zulassung der zuständigen Behörden erhalten hat. Dabei handelt es sich um das Bundesamt für Verkehr (BAV). Dort rechnet man nicht mehr mit dem Einhalten des Zeitplans. «Bombardier hat zum wiederholten Mal selbst gesetzte Termine nach hinten geschoben», sagt Sprecher Gregor Saladin. «Das BAV geht davon aus, dass sich die Zulassung auf den Oktober verschiebt.»

«Keine Experimente»

Damit rückt der Einsatz auf den Fahrplanwechsel im Dezember in weite Ferne, denn bevor die SBB die Züge einsetzt, werden sie auf verschiedenen Linien getestet, ohne fest eingeplant zu sein. «Gelenkter Betrieb» nennt sich dieses Vorgehen, das in der Regel einige Monate dauert. «Die SBB wird keine Experimente mit Kunden machen», sagt Sprecher Christian Ginsig. Aus Erfahrung sei – wie bei allen Neueinführungen – mit Kinderkrankheiten zu rechnen. Die SBB prüfe die terminliche Situation laufend.

Bombardier gibt sich optimistisch. Man rechne weiterhin mit einer Zulassung im Sommer, sagt Sprecher Andreas Bonifazi. Danach übergebe man die Züge der SBB. Auf den Widerspruch zu den Aussagen des BAV hingewiesen, sagt der Sprecher: «Ende Sommer und Oktober liegen ja nicht weit auseinander.» Im Juli werde man mit dem BAV die Feinplanung erarbeiten. Das Bundesamt anerkenne einen guten Fortschritt in der Bearbeitung der Dossiers.

Instruktionen verschoben

Insgesamt 30 Nachweise muss Bombardier bei der Zulassungsbehörde einreichen. «Ein grosser Teil ist nach wie vor ausstehend», sagt BAV-Sprecher Saladin. Der jetzige Zeitplan von Bombardier sehe vor, dass sämtliche Nachweise bis Ende September eingereicht würden. Das Bundesamt selbst brauche dann noch einen Monat. Damit könnte die Zulassung Ende Oktober da sein – wenn alles klappt.

Die Beschaffung entwickelt sich immer mehr zu einer Pannenserie. Wie die «Eisenbahn-Revue» berichtet, hat der bei der SBB zuständige Projektleiter nach nur acht Wochen aufgegeben. Instruktionsfahrten für Lokomotivführer wurden immer wieder verschoben, wie 20 Minuten weiss. Und öffentliche Auftritte der Bombardier-Führung mit hochrangigen SBB-Kadern gibt es seit einiger Zeit keine mehr.

Fehlendes Material

Hinzu kommt heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Bombardier-Werk in Villeneuve VD. Die Zeitung «Le Régional» berichtete letzte Woche mit Verweis auf Mitarbeiter, viele Montagearbeiten müssten bereits kurz nach Durchführung wieder rückgängig gemacht werden. Auch bereits gefertigte Züge würden wieder geändert. Die Kommunikation sei so schlecht, dass die notwendigen Änderungen manchmal gar nicht bis zu den Verantwortlichen durchdrängen. Es bestünden Sicherheitsmängel. Gegenüber RTS berichteten Mitarbeiter zudem von nicht bezahlten Lieferanten und fehlendem Material.

Bombardier-Manager Stefaan Dhaene sagt der Zeitung, Sicherheit habe oberste Priorität. Man halte Normen ein, die viel strenger seien als von den Behörden vorgeschrieben.

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