Aktualisiert 15.10.2013 14:19

Fall Maddie

Die neuen Erkenntnisse von Scotland Yard

Vor sechs Jahren verschwand Maddie McCann aus einem Hotelzimmer an der Algarve. Nun hat Scotland Yard neue Erkenntnisse zum Fall präsentiert. Bereits sind Hunderte neuer Hinweise bei der Polizei eingegangen.

von
gux

«Wir sind nicht diejenigen, die etwas falsch gemacht haben», sagt Kate McCann in der Sendung «Crime Watch» von BBC. «Es ist die Person, die in das Zimmer ging und ein kleines Mädchen seiner Familie wegnahm.» Sie nimmt damit Bezug auf die insbesondere von der portugiesischen Polizei erhobenen Vorwürfe, wonach die Eltern selbst hinter dem Verschwinden ihrer Tochter stecken würden.

Die McCanns erzählen auf BBC von der Geburt Maddies. Sie habe laut geschrien und sei wunderschön gewesen, erinnert sich Vater Gerry. Bald kommen die Ferien in Portugal zur Sprache. Wie Maddie ganz verrückt nach dem Pool gewesen sei. Und wie Maddie am Tag ihres Verschwinden sich draussen ausgetobt habe und hundemüde gewesen sei. Die Eltern erzählen, wie sie den Kindern eine Gutenachtgeschichte vorgelesen hätten.

Bald seien die Zwillinge und Maddie eingeschlafen. Gegen neun Uhr seien die Eltern essen gegangen. Gerry habe einmal nach den Kindern gesehen, alle hätten friedlich geschlafen. Um zehn Uhr sah Kate nach den Kindern – nur wenige Minuten, nachdem Maddie entführt wurde, wie die Ermittler heute annehmen. Die Tür sei halb offen gestanden, erzählt Kate weiter, Madeleine sei nicht im Bett gewesen. Erst dachte die Mutter, das Mädchen sei ins Bett der Eltern geschlichen. Doch auch das Bett sei leer gewesen. «Das war der Moment, als die Panik mich erfasste», sagt Kate.

«Wir haben wieder bei null angefangen»

Jane Tanner, eine Freundin, die mit den McCanns zu Abend gegessen hatte, schaute zuvor ebenfalls nach ihren eigenen Kindern. Sie erinnert sich an einen Mann, der ein Kind trug. Bis heute aber blieb diese Beobachtung ohne Folge. Die portugiesische Polizei stellte die Ermittlungen 2008 ein.

Die britische Polizei hat sie wieder aufgenommen. «Wir haben bei null angefangen», so Chefermittler Redwood. Wir wollten alles unvoreingenommen betrachten. Die Polizei hat die Mobiltelefonnummern von Menschen aus 31 Ländern ausfindig gemacht, die sich zur fraglichen Zeit in der Region aufhielten.

Der neue Hauptfokus liege jetzt auf dem Zeitpunkt kurz vor 22 Uhr. Die Beobachtung von Freundin Tanner gewichtet die Polizei jetzt weniger wichtig als die einer irischen Familie. Der Mann, den die Freundin gesehen hatte, konnte im Nachhinein ausfindig gemacht werden. Er hatte seine Tochter zum Schlafen gebracht.

Die irische Familie hingegen sah gegen 22 Uhr, wie ein Mann ebenfalls mit einem Kind im Pyjama im Arm den Ferienkomplex verliess und zum Strand ging. «Das könnte der Mann sein, der Madeleine entführt hat», so der Chefermittler. Das würde auch heissen: Kate McCann hätte den Entführer ihrer Tochter nur um Minuten verpasst.

Es könnte aber auch eine ganz normale Erklärung für die Beobachtung geben. Deswegen sei es so wichtig, mit dem Mann zu reden, so Redwood.

Hat Maddie Einbrecher gestört?

Zudem: Auf einem Balkon unterhalb des Zimmers der McCanns wurden zwei Männer beobachtet. Sie hätten sich dort unterhalten, obgleich das Zimmer nicht belegt gewesen sei. Gegen 23 Uhr seien noch einmal zwei Männer gesehen worden, die sich laut unterhalten hätten. Mit beiden will die Polizei reden.

Gemäss Chefermittler Redwood gibt es noch einen dritten Emittlungsstrang. Es habe zu dieser Zeit in der Region eine Reihe von Einbrüchen gegeben. «Es ist möglich, dass Maddie einen Einbrecher störte.» Die McCanns bekräftigen auf BBC, dass sie ihre Hoffnung, Maddie wiederzufinden, nicht aufgegeben hätten.

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