Nativ zum Brand im Camp Moria: «Die Instagram Stories von Ali schockieren mich»
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Nativ zum Brand im Camp Moria«Die Instagram Stories von Ali schockieren mich»

Der Berner Musiker Nativ hat in den letzten Monaten drei Spendenaktionen für die Flüchtlinge in Lesbos lanciert. Jetzt ist das Geflüchtetenlager Moria niedergebrannt.

von
Lara Hofer

Bewohner des Geflüchtetenlagers Moria hielten die Zerstörung auf Video fest.

Darum gehts

  • Rapper Nativ hat sich bereits mehrfach für die Flüchtlinge in Lesbos eingesetzt.
  • Der Berner ist in Lesbos gut vernetzt und verfolgt die Situation seit längerem.
  • Am Mittwoch ist das Lager niedergebrannt.
  • Das Verhalten der Regierungen findet der 26-Jährige teilweise verwerflich.

Sämtliche Einnahmen, die der Rapper Nativ durch den Verkauf seiner Single «Los» einnahm, spendete er den Migranten auf der griechischen Insel Lesbos. Mit den Geldern konnten rund 5000 Mahlzeiten an Geflüchtete verteilt werden. In einer zweiten und dritten Spendenaktion sammelte der Berner gar 10’000 Franken für die Bewohner des überfüllten Geflüchtetenlager Moria. Am Mittwoch mussten diese Flüchtlinge erneut fliehen, als in der Nacht ihre notdürftige Unterkunft in Flammen stand. Während die Feuerwehr auf Lesbos versuchte, das Feuer zu löschen, erlosch auch in Nativ ein Stück Hoffnung. «Die neusten Ereignisse machen mich wütend und traurig», so Nativ. Es sei schmerzhaft, mit anzusehen, wie etwas untergehe, wofür man sich eingesetzt habe. Zugleich sei es auch ein wichtiger Weckruf: «Der Brand im Camp Moria ist ein Hilfeschrei, den unsere Regierung jetzt nicht mehr länger ignorieren kann.»

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Rapper Nativ (26) hat mehrere Tausend Franken für Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos gesammelt.

Rapper Nativ (26) hat mehrere Tausend Franken für Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos gesammelt.

Die Ereignisse der letzten Tage bewegen ihn daher besonders: Im Flüchtlingslager Moria brach am Mittwoch ein Feuer aus.

Die Ereignisse der letzten Tage bewegen ihn daher besonders: Im Flüchtlingslager Moria brach am Mittwoch ein Feuer aus.

zvg
Rund zwei Drittel des Camps brannten nieder.

Rund zwei Drittel des Camps brannten nieder.

zvg

Weg zur Lösung

Der Rapper will selber wieder aktiv werden. Solange die Situation unverändert bleibe oder sogar noch prekärer werde, gebe er keine Ruhe: «Wir werden weitere Aktionen lancieren, solange es nötig ist.»

Die Notwendigkeit von solchen Spendenaktionen kennt Nativ aus erster Hand. Der 26-Jährige ist regelmässig in Kontakt mit Ali Shams Eddin, einem Geflüchteten vor Ort: «Die Instagram Stories von Ali schockieren mich. Er ist unvorstellbar mutig und stark und tieftraurig zugleich. Es ist Horror.»

Die vergangenen Spendeaktionen seien wichtig gewesen. Jetzt müsse die Gegenwart genutzt werden, um eine bessere Zukunft zu schaffen. «Im Moment diskutieren wir in der Schweiz darüber, mehrere Milliarden Franken in Kriegsinstrumente zu investieren. Stattdessen sollten wir das Geld für humanitäre Hilfe ausgeben.» Gerade Lesbos sei jetzt mehr denn je auf Spendengelder angewiesen.

Die Mittel wären vorhanden

Nativ fordert, dass jetzt gehandelt wird, «ohne Wenn und Aber». Jeder könne helfen: «Geht auf die Strasse, spendet, informiert euch und helft, wo ihr helfen könnt. Schaut nicht weg.» Es sei jetzt wichtig, dass man für seine Mitmenschen einstehe.

Am Donnerstag demonstrierten mehrere Hundert Personen in Bern für die Evakuierung der Flüchtlingscamps.

keystone-sda

Covid-19 habe gezeigt, dass die Regierung schnell helfen könne. «Ressourcen, Geld und Hilfskräfte sind sehr schnell und zur Genüge vorhanden gewesen, um die Krise möglichst rasch zu minimieren.» Die Internationalität sei keine Rechtfertigung dafür, dass nicht gehandelt werde. «Solidarität geht über die Ländergrenzen hinaus, ansonsten ist es lediglich Heuchlerei.»

Nativ will seine Stimme nutzen. Sich für Gerechtigkeit einzusetzen, sieht er als Teil seiner Identität. «Ich erhoffe mir für die Zukunft ein nicht rassistisches, nicht diskriminierendes System, das solche Katastrophen gar nicht erst zulässt.»

Nach dem Feuer im Lager Moria standen 12’000 Geflüchtete auf der Strasse.

Demo in Bern

Schätzungsweise 300 Menschen haben am Donnerstag an einer Kundgebung in Bern die Evakuierung von Flüchtlingslagern gefordert (siehe Video weiter oben). Auslöser für die Demonstration war der Brand im griechischen Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos. Rednerinnen forderten auf dem Berner Bahnhofplatz einen Wechsel in der europäischen Fllüchtlingspolitik. Diese dürfe nicht Flüchtende, sondern müsse die Fluchtgründe bekämpfen. Europäische Staaten müssten nach dem Brand auf Lesbos endlich die Augen öffnen und Menschlichkeit zeigen. Es brauche die Aufnahme von Flüchtlingen in der Schweiz. Auf zahlreichen Transparenten waren Parolen wie «Refugees welcome» (Flüchtlinge willkommen) und ähnliche Slogans zu sehen. sda

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