Center-Problem: Die NLA-Clubs tragen Mitschuld am Nati-Debakel
Aktualisiert

Center-ProblemDie NLA-Clubs tragen Mitschuld am Nati-Debakel

Das Center-Problem ist eine der Hauptsorgen der Nati an der WM. Diese Suppe eingebrockt haben uns die Sportchefs in der NLA.

von
Marcel Allemann
Moskau
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Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

epa/Sergei Ilnitsky
Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

AFP/Yuri Kadobnov
... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

AFP/Yuri Kadobnov

Es ist einer der Hauptgründe für das bisherige Debakel an der WM in Russland: Die Schweiz hat ein massives Center-Problem. Mit Morris Trachsler, Samuel Walser und Gaëtan Haas stehen lediglich drei waschechte Center im Team. Nachdem Haas durchgefallen und aus dem Team geflogen ist, sind es gar nur noch zwei. Der ihn nun gegen Dänemark ersetzende Reto Schäppi ist zwar ebenfalls ein gelernter Mittelstürmer, wurde diese Saison bei den ZSC Lions jedoch stets als Flügelstürmer eingesetzt, weil der scheidende Trainer Marc Crawford ihn auf dieser Position als stärker einstuft.

Ambühl und Hofmann – Center aus der Not

Aus der Not müssen in der Nati auch Andres Ambühl und Grégory Hofmann immer wieder als Center aushelfen. Eine Verschwendung, denn diese beiden Stürmer erzielen mit ihrem Speed als Flügel mehr Wirkung. Hofmann hat bei seinem Club Lugano diese Saison ebenfalls gelegentlich als Center ausgeholfen, bevorzugt aber auch selbst die Position an der Seite.

Morris Trachsler, der letzte übrig gebliebene routinierte Mittelstürmer in der Nati, musste gegen Norwegen phasenweise Doppeleinsätze leisten. Defensivstürmer Trachsler ist ein auch international starker Center für einen dritten oder vierten Block und auch fast der Einzige, der auf diesem Niveau regelmässig Bullys für sich entscheiden kann. Muss der ZSC-Spieler allerdings auch noch eine offensive Linie steuern, hat die Schweiz definitiv Sorgen.

Ausländer versperren Schweizer Centern den Weg

Doch weshalb hat eine Eishockey-Nation wie die Schweiz ein derart massives Center-Problem? Weshalb gibt es so wenige? «Vielleicht liegt es daran, dass bei den Clubs diese Position oft durch Ausländer besetzt ist», sagt der angesprochene Trachsler, der diese selbst nicht direkt gesucht hat, wie er sagt, «aber eben von den Trainern so eingesetzt wurde.»

Trachsler trifft den Nagel auf den Kopf. Die Position des Centers gilt im Eishockey als die zweitwichtigste neben jener des Torhüters. Und da bevorzugen es die NLA-Clubs, in den vorderen Linien auf ausländisches Personal zu setzen. Bei den zwölf Vereinen nahmen während der entscheidenden Spiele der Meisterschaftsentscheidung (Playoffs, Abstiegsrunde) neben Teilzeit-Lösung Hofmann nur Kevin Romy (Servette), Enzo Corvi (Davos), Yannick-Lennart Albrecht (SCL Tigers), Andrej Bykow (Fribourg), Alain Miéville (Lausanne) und Gaëtan Haas (Biel) eine Centerrolle in einer der nominell ersten beiden Linien ein. Bykow hat keine Lust auf die Nati, Romy hat sich ebenfalls selbst aus dem Rennen genommen, Corvi war angeschlagen, Miéville kann kein Thema mehr sein, Albrecht ist noch nicht reif genug und Haas bislang in Moskau durchgefallen. Mit Martin Plüss (Bern) hat ein grosser Schweizer Center der Vergangenheit seinen Nati-Rücktritt eingereicht, ein anderer war der inzwischen abgetretene Reto von Arx, der heute als Assistenztrainer fungiert.

Hoffnung dank Suter, Malgin und Richard

Fazit: Es liegt primär in der Verantwortung der Clubs, dass die Schweiz dieses Problem lösen kann. Sie müssen in ihrem Nachwuchs talentierte Mittelstürmer heranzüchten und diesen anschliessend auch in der NLA das Vertrauen für eine wichtige Rolle schenken. Hoffentlich bleibt es nur eine Zwischenbaisse, denn mit den erwähnten Corvi und Albrecht sowie Spielern wie Pius Suter, Denis Malgin und Tanner Richard verfügt die Schweiz über einige hoffnungsvolle Center-Talente. Auch Gaëtan Haas kann sich noch zu einem international brauchbaren Mittelstürmer weiterentwickelt. Wenn sie denn auf ihrer angestammten Position entsprechend gefördert werden.

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