Tourismus-Experte: «Die Oldtimer werden auf Kuba bleiben»
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Tourismus-Experte«Die Oldtimer werden auf Kuba bleiben»

Kuba-Kenner Reto Rüfenacht freut sich über die Annäherung zwischen Kuba und den USA. Er glaubt, dass sie sich positiv auf den Tourismus auf der Karibikinsel auswirkt.

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Zehn Dinge, die man in Kuba jetzt noch machen sollte: durch Havannas Altstadt schlendern.

Zehn Dinge, die man in Kuba jetzt noch machen sollte: durch Havannas Altstadt schlendern.

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Einen Mojito in der La Bodeguita del Medio trinken, wo schon die Schriftsteller Ernest Hemingway und Pablo Neruda verkehrten.

Einen Mojito in der La Bodeguita del Medio trinken, wo schon die Schriftsteller Ernest Hemingway und Pablo Neruda verkehrten.

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Eine Zigarrenfabrik besuchen - und natürlich einen der Edelstumpen rauchen.

Eine Zigarrenfabrik besuchen - und natürlich einen der Edelstumpen rauchen.

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Herr Rüfenacht*, die Funkstille zwischen Kuba und den USA ist beendet. Haben Sie das kommen sehen?

Jein. Wir warten auf diesen Schritt schon seit zehn Jahren, denn er ist dringend nötig. Kuba ist faktisch bankrott und braucht ausländisches Investment. In letzter Zeit zeichnete sich eine Annäherung ab. Dass beide Staaten so deutlich über ihren Schatten springen, ist aber schon aussergewöhnlich und war nicht zu erwarten.

Wie schätzen Sie die Auswirkungen für Kuba ein?

Es handelt sich um einen ersten Schritt, der jedoch, einmal ausgelöst, schwer wieder rückgängig zu machen ist. Direkt spürbare Auswirkungen gibt es wenige. Jedoch wird vieles, was bislang illegal war, entkriminalisiert. US-Touristen, die bereits jetzt mit Spezialbewilligung ins Land reisen dürfen, können zum Beispiel unbehelligt einen Liter Rum oder kubanische Zigarren ausführen. Ausserdem hoffe ich darauf, dass sich die Telekommunikation auf Kuba verbessern wird. Diese steckt nämlich noch in den Kinderschuhen.

Der Tourismus wächst schon seit einiger Zeit. Hat sich das Land dadurch stark verändert?

Vor allem in den letzten drei Jahren hat sich vieles getan. Seit Raúl Castro die Privatwirtschaft im Kleinen erlaubt, wurden rund 200 Berufe legalisiert, was sich vor allem auf den Gastronomie- und Hotelleriebereich ausgewirkt und das Wachstum belebt hat. Es sind viele Restaurants und Bed & Breakfasts entstanden, die den staatlichen Angeboten Konkurrenz machen.

Trauern manche Besucher den alten Zeiten nach?

Nicht wirklich. Im Gegensatz zu früher kann man heute bequem schlafen und gut essen. Ich sehe nicht, was daran falsch sein könnte. Man kann von einem regelrechten Boom sprechen, was bestimmt auch an dem morbiden Charme liegt, den das Land noch immer verströmt. Die Infrastruktur kann mit der Nachfrage momentan nicht mithalten. Beispielsweise fehlen auf der Insel zurzeit etwa 5000 Mietautos. Grosse Hotels findet man bislang nur an den Stränden im Norden der Insel.

Werden nun im Zuge einer allgemeinen Goldgräberstimmung die Hotelburgen und Grossprojekte aus dem Boden spriessen?

Das glaube ich nicht. Wir sind in viele Sitzungen involviert. Von Riesenprojekten ist da keine Rede. Einerseits sind viele Ideen da, andererseits sind die Kubaner eher abwartend. Sie sind gut gebildete, intelligente Menschen und haben die Entwicklung des Tourismus in anderen Karibikländern aufmerksam verfolgt, wo Geld eine grosse Rolle spielt. Natürlich muss man sich fragen, was passiert, wenn dann mal die Touristen mit der Fähre von Florida übersetzen. Der Sinn für Nachhaltigkeit und einen verantwortungsvollen Tourismus ist aber sehr ausgeprägt. Bevor sie etwas falsch machen, machen die Kubaner lieber gar nichts.

Können Coca-Cola und internationale Hotelketten dem Charme Kubas also nichts anhaben?

Ob es überhaupt so weit kommen wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Neben der denkmalgeschützten Altstadt von Havanna verfügt Kuba über mehrere Unesco-Stätten. Auch die Oldtimer werden auf der Insel bleiben, denn sie dürfen nicht an Ausländer verkauft werden. Manche sprechen davon, dass Havanna sich durch seine geografische Lage zu einem Schmelztiegel der Karibik entwickeln könnte. US-Präsident Barack Obama hat es schön gesagt: «Todos somos Americanos.» Kuba wird seinen Reiz jedenfalls noch lange nicht verlieren.

*Reto Rüfenacht ist Gründer und Inhaber von Cuba Real Tours. Die Reisegantur mit Sitz in Havanna wurde vor 15 Jahren gegründet und ist für diverse europäische Grossveranstalter tätig. Rüfenacht reist mehrmals jährlich nach Kuba.

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