Steuersünder gejagt: Die Oligarchen fürchten um ihr Schweizer Geld
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Steuersünder gejagtDie Oligarchen fürchten um ihr Schweizer Geld

Russlands Oberschicht liebt die Schweiz. Neben Bankkonten haben viele Superreiche hier einen Wohn- oder Konzernsitz. Nun sind ihnen die Steuerfahnder auf der Spur.

von
fge

Sie sind mächtig, reich und wollen in Ruhe gelassen werden: russische Oligarchen. Für sie war die Schweiz bisher goldrichtig, ob als Finanzplatz, Wohnsitz oder um ihr Vermögen zu bunkern.

Die Schweiz bietet mehreren russischen Milliardären ein Zuhause. Viktor Vekselberg, der 13 Milliarden schwere Besitzer der Beteiligungsgesellschaft Renova, zog jüngst von Zürich nach Zug. Der Oligarch Vasily Anisimov, ein Metallhändler und Immobilieninvestor (Vermögen 1,6 Milliarden Dollar), liess sich für 60 Millionen ein Haus in Küsnacht bauen. Und am Genfersee wohnt Gennady Timchenko, Mitbegründer des Ölhändlers Gunvor. Sein Vermögen wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Als Konzernsitz beliebt

Auch Russen, die selbst nicht in der Schweiz wohnen, führen von hier aus ihre Geschäfte. Der Banker und Zeitungsmagnat Alexander Lebedev (2 Milliarden schwer) hat ein Family Office in Zürich und der Politiker Suleiman Kerimov eine Stiftung in Luzern. Ausserdem sponsert der Milliardär auch das Filmfestival in Zürich.

Ein weiterer Russe mit Verbindung zur Schweiz ist Oleg Deripaska (Vermögen 16,8 Milliarden), der Hauptaktionär des Aluminiumkonzerns Rusal, welcher einen Ableger in Zug besitzt. In der Schweiz liefert er sich einen Rechtsstreit mit einem weiteren Schwergewicht unter den russischen Oligarchen. Deripaska beschuldigt Vladimir Potanin (Vermögen 17,8 Milliarden), mit Hilfe von Hyposwiss, einer Tochter der St. Galler Kantonalbank, Geld gewaschen zu haben - und zwar eine Milliarde Franken.

Bald kein sicherer Hafen mehr

Ein neues Steuerabkommen mit der Schweiz könnte den russischen Bemühungen, Gelder aus Offshore-Plätzen zurückzuholen, Aufwind geben. Das auf dem OECD-Standard basierende Doppelbesteuerungsabkommen stellt laut der «Handelszeitung» eine ernste Gefahr für Russen dar, die versuchen ihr Geld in der Schweiz zu verstecken.

In Zukunft können russische Behörden, wie die westlichen Länder auch, ein Amtshilfegesuch stellen, um Informationen zu erhalten. In diesem muss neben dem Namen des mutmasslichen Steuerhinterziehers auch das Finanzinstitut, in dem das Geld vermutet wird, angegeben sein. So kann der Kreml auf die Bankdaten seiner im Ausland lebenden Bürger zugreifen.

Sollte die Ratifizierung in Russland noch dieses Jahr erfolgen, würde das Abkommen ab 2013 in Kraft treten. Alles ist jedoch nicht verloren, glücklicherweise stehen Hongkongs und Singapurs Türen den Oligarchen ja immer noch offen.

Druck von der Regierung

Durch die Kontodaten, welche die russische Regierung mit Hilfe des neuen Steuerabkommens in ihre Finger bekommen könnte, kann der Kreml politischen Druck auf die Geschäftsführung grosser Firmen ausüben. Viele der Oligarchen fürchten sich davor, öffentlich angeprangert zu werden.

Laut einer Umfrage des russischen Industriellenverbands verspüren bereits heute 19 Prozent der Grossunternehmer druck von oben, was einer Zunahme um 14 Prozent während der letzten sechs Jahre bedeutet.

Gegendarstellung

Der Artikel hinterlässt den Eindruck, dass Herr Timtschenko Steuerfahnder zu befürchten hat. Wir machen darauf aufmerksam, dass Herr Timtschenko und Gunvor in Genf und der Schweiz ordnungsgemäss Steuern bezahlen. Herr Timtschenko ist zusammen mit dem Schweden Torbjorn Tornqvist Mitbegründer / Miteigentümer von Gunvor. In Genf ist diese führende unabhängige Ölhandelsgesellschaft ein bedeutender Arbeitgeber und leistet zusammen mit seinen Mitarbeitern einen grossen Beitrag für den Kanton sowie die Stadt Genf und die Schweiz.

Walter Bruderer, Kommunikationsverantwortlicher Gunvor

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