Sneaker-Marke geht an die Wall Street - «Die On-Aktie ist klar überbewertet»
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Sneaker-Marke geht an die Wall Street«Die On-Aktie ist klar überbewertet»

Der Börsengang der Schweizer Schuhmarke On in New York dürfte die Gründer zu Milliardären machen. Analysten ordnen den Hype rund um On zum Aktiendebüt ein.

von
Fabian Pöschl
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On ziehts an die Wall Street.

On ziehts an die Wall Street.

On
Der Schweizer Sneaker-Hersteller mit Rogerer Federer als Investor und Markenbotschafter profitiert vom Boom bei Sportschuhen.

Der Schweizer Sneaker-Hersteller mit Rogerer Federer als Investor und Markenbotschafter profitiert vom Boom bei Sportschuhen.

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Die drei Firmengründer David Allemann, Olivier Bernhard und Caspar Coppetti dürften mit dem Börsengang zu Milliardären werden.

Die drei Firmengründer David Allemann, Olivier Bernhard und Caspar Coppetti dürften mit dem Börsengang zu Milliardären werden.

On

Darum gehts

  • On Running geht am Mittwoch in New York an die Börse.

  • Aktien von der Schweizer Sneakerfirma solls für 20 bis 24 Dollar geben.

  • Für Analysten ist die Bewertung «masslos überzogen».

Die Zürcher Sneaker-Marke On hat die Aufmerksamkeit dank der Unterstützung und Teilhabe von Tennis-Ass Roger Federer auf sicher. Nach einem guten Jahrzehnt auf dem Markt hält die Marke mittlerweile einen Anteil von etwa 40 Prozent in der Schweiz und wächst auch international rasant.

Der Hype um den geplanten Börsengang des Schweizer Gegenstücks zu Nike, Uniqlo & Co. ist entsprechend gross. 20 Minuten gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Börsenstart von On in New York.

Was ist geplant?

Ab Mittwoch soll ein Teil der Aktien von On Running an der New Yorker Börse öffentlich platziert werden. Der Börsengang könnte bei einem Markteinbruch oder fehlendem Interesse aber noch abgesagt oder verschoben werden. Gemäss den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokumenten sollen die Aktien für 18 bis 20 Dollar erhältlich sein. Das würde On etwa 620 Millionen Dollar einbringen und entspräche einem Unternehmenswert von 6 Milliarden Dollar. Das Tickersymbol lautet «ONON».

Warum ist der Hype um On so gross?

«Das liegt vor allem an Roger Federer, ist aber nicht gerechtfertigt. Federer ist zwar Investor in der Firma, ist aber vor allem als Markenbotschafter tätig», sagt der Schweizer Börsenexperte und «Cash-Guru» Alfred Herbert zu 20 Minuten. Patrik Schwendimann, Aktienanalyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), sagt, dass die Marke schon vor Federers Einstieg einen bemerkenswert hohen Bekanntheitsgrad erreicht habe. Dank eines grundsätzlich guten Produkts und guten Marketings profitiere On vom Boom bei Sportschuhen.

Wie ist die Bewertung einzuschätzen?

«Die Aktie ist mit einem Kurs von 20 bis 24 Dollar klar überbewertet», sagt «Cash-Guru» Herbert. «Bei einer Gesellschaft mit massiver Konkurrenz, einem Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar und einem Gewinn von fünf Millionen Dollar ist die Börsenkapitalisierung masslos überzogen.» Auch ZKB-Analyst Schwendimann, findet die Bewertung «stolz», er verweist aber auf die Zukunftsperspektive: «On ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat einen bemerkenswert hohen Bekanntheitsgrad erreicht.» Falls weiteres starkes Wachstum gelingt, würden künftig auch die Gewinne in die Höhe schnellen.

Wer wird jetzt Millionär?

Vom On-Börsengang dürften Dutzende profitieren. Am meisten sicher die drei Gründer und Mitglieder der Geschäftsleitung Olivier Bernhard, David Allemann und Caspar Coppetti, die laut dem Börsenprospekt zusammen rund die Hälfte aller Aktien halten. Bei einem Unternehmenswert von sechs Milliarden Dollar wäre das gut eine Milliarde pro Gründer. Roger Federers Anteil liegt unter fünf Prozent, damit bekäme er maximal 300 Millionen Franken. Auch einfache Angestellte mit Aktienbesitz dürften laut Experten profitieren.

Warum geht On in New York an die Börse und nicht in der Schweiz?

Eine Kotierung der Aktie an der Wall Street ist laut Herbert unerlässlich für On. «Nur so können die Inhaber die Aktie überhaupt in den USA platzieren und die grossen institutionellen Anleger sie auch frei kaufen. Bei einer Quotierung in der Schweiz wäre das im grossen Ausmasse nicht möglich», so Herbert. ZKB-Analyst Schwendimann bedauert, dass sich On gegen die Schweizer Börse entschieden hat. Hier hätte On eine hohe Beachtung erhalten im Vergleich zum riesigen amerikanischen Kapitalmarkt.

Wie wird der Börsenverlauf von On sein?

«Die Verkäufer der Aktie werden für den kurzfristigen Erfolg versuchen, einen guten Eröffnungskurs zu erzielen», sagt Herbert. «Ich kaufe keine dieser Aktien zum jetzigen Zeitpunkt. Da ist zu viel Luft drin», so der «Cash-Guru». Auch ZKB-Analyst Schwendimann rechnet mit Schwankungen des Aktienkurses nach dem Börsengang. Wichtig für den Verlauf des Wertpapiers sei, ob On die Erfolgsgeschichte mit einem starken Umsatz- und schliesslich auch mit einem starken Gewinnwachstum fortschreiben könne.

Von früheren Sportlern gegründet

On ist ein Zürcher Sportschuhhersteller mit Sitz in Zürich, Portland, Berlin, Yokohama und Shanghai. Das Unternehmen wurde von ehemaligen Spitzensportlern und Ingenieuren gegründet. Aus dem Startup in einer Garage in Zollikon ZH wird innert fünf Jahren eine internationale Marke. Seit 2019 ist Roger Federer Mitbesitzer von On. Wie viel Geld Federer in das Unternehmen gesteckt hat, ist nicht bekannt. Branchenkenner gehen von 50 bis 100 Millionen Franken aus. Leisten kann er es sich: Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf 500 bis 600 Millionen Franken.

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