Attacke auf schwules Paar : «Die Opfer nehmen die Angriffe nicht mehr hin»
Aktualisiert

Attacke auf schwules Paar «Die Opfer nehmen die Angriffe nicht mehr hin»

Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross, nimmt Stellung zum Angriff auf ein schwules Paar in der Silvesternacht. Die Verunsicherung in der Szene ist gross.

von
daw
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J. S. sagt, er und sein Freund seien von Schwulenhassern verprügelt worden.

J. S. sagt, er und sein Freund seien von Schwulenhassern verprügelt worden.

«Ich befürchtete, dass meine Nase gebrochen sei, weil ich stark geblutet habe. Das ist zum Glück nicht der Fall.»

«Ich befürchtete, dass meine Nase gebrochen sei, weil ich stark geblutet habe. Das ist zum Glück nicht der Fall.»

Auch am Tag danach ist die Lippe von S. noch stark geschwollen. Zudem habe er starke Nackenschmerzen, so der 24-Jährige.

Auch am Tag danach ist die Lippe von S. noch stark geschwollen. Zudem habe er starke Nackenschmerzen, so der 24-Jährige.

Herr Heggli, zum dritten Mal in gut sechs Monaten wurden in Zürich Schwule verprügelt. Nehmen Angriffe auf LGBTQ-Personen zu?

Es gibt leider keine offizielle Statistik, die Hate-Crimes erfassen würde. Die Fälle werden in der Community sicher stärker diskutiert. Und sie werden auch eher publik, weil die Opfer die Angriffe nicht länger hinnehmen wollen. Das ist gut, weil sich nur so etwas ändern kann. Die Fälle zeigen: Homophobie ist in der Schweiz nach wie vor ein Problem. Das zu sehen, ist bitter.

Haben Sie Schätzungen?

Körperliche Angriffe auf LGBTQ-Personen gibt es fast jedes Wochenende. Pro Woche werden uns inklusive verbale Beleidigungen und Drohungen etwa zwei Fälle gemeldet.

Im jüngsten Fall griff von den Umstehenden niemand ein – möglicherweise aus Angst.

Zivilcourage ist sehr wichtig. Wenn man Zeuge von homophober Gewalt wird, sollte man nicht wegschauen. Kommt eine Person von aussen dazu, nimmt das der Situation oft die Dynamik.

Wer sind die Täter? Im Fall aus der Silvesternacht sollen die Angreifer einen ausländischen Akzent gehabt haben.

Mangels Statistiken kann ich das nicht sagen. Unser Eindruck ist, dass Homophobie durch alle Gesellschaftsschichten hindurchgeht.

Der Betroffene J. S.* sagte zu 20 Minuten, Schwule hätten Angst, in den Ausgang zu gehen.

Die Verunsicherung ist tatsächlich gross. Wir sitzen vor dem Club, küssen uns, und werden verprügelt. Wenn ich mich mit meinem Freund im Ausgang Hand in Hand durch die Strassen gehe, werde ich regelmässig angepöbelt. Umso wichtiger ist es, dass Homo-Hass unter Strafe gestellt wird in der Abstimmung vom 9. Februar.

Es ist geschickt, mit dem Vorfall Abstimmungskampf zu machen. Wer Schwule angreift, macht sich aber schon heute strafbar – etwa wegen Körperverletzung.

Das stimmt. Geschützt sind aber nur Einzelpersonen. Es geht jetzt darum, dass auch Hass und Hetze gegen Homosexuelle unter Strafe gestellt werden. Sie sind der Nährboden für die körperlichen Attacken.

* Name der Redaktion bekannt

Zur Person

Roman Heggli ist LGBTQ-Aktivist und Geschäftsleiter des Schwulendachverbandes Pink Cross.

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