Aktualisiert 26.09.2016 11:46

Sprachpolizei in Deutschland«Die Papierkörbin» soll den Papierkorb ersetzen

Lokalpolitiker im deutschen Flensburg beschäftigen sich mit der Amtssprache. Sie müssen sich fragen, wie man etwa einen weiblichen Computer nennen soll.

von
ofi

Sechs Jahre ist es her, dass die Stadt Bern ihre Amtssprache geschlechtergerecht machte. Aus Vater und Mutter wurde das Elter, der Fussgänger- wurde zum Zebrastreifen und Begriffe wie Führerausweis, Anfängerkurs oder Mannschaft wurden aus dem Berner Amtsdeutsch verbannt. Die Partei Die Linke will in der Stadt Flensburg nun noch einen Schritt weiter gehen in Sachen Geschlechtergleichheit. Laut einem offiziellen Antrag sollen «ab sofort Arbeitsgeräte und -mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet werden», wie die «Bild» schreibt.

Die neue Regel solle insbesondere für Begriffe mit maskulinem Artikel gelten, heisst es weiter. Anwendung würde die Sprachreform zum Beispiel für Wörter finden, die Berufsbezeichnungen nachempfunden oder Doppelformen seien. Darunter würden etwa der Computer, der Kopierer, der Staubsauger oder der Papierkorb, der Briefkopf und der Abfalleimer fallen. Zu all diesen Begriffen sollen weibliche Pendants eingeführt werden.

Der Flur bleibt der Flur, die Kantine die Kantine

Von der Idee der Linken ausgenommen, wären Wörter mit sogenannten Normierungsendungen wie -heit, -keit oder -ung, grammatisch neutrale Begriffe mit dem Artikel ‹das› sowie Ortsbezeichungen wie der Flur, die Kantine oder der Wartebereich.

In der Begründung zum Antrag schreibt die Partei laut «Bild»: «Es ist im Sinne einer sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft nicht hinzunehmen, dass Nomen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden.» Inzwischen habe die Linke den Antrag allerdings als Satire bezeichnet.

«Solcher Unfug schadet dem Ansehen der Stadt»

Hintergrund ist laut «Bild» vermutlich ein anderer Antrag, in dem gefordert werde, dass die Bezeichnung Ratsfrau durch Ratsdame ersetzt werde. Damit soll laut Begründung die Ungleichbehandlung von Frauen behoben werden. Schliesslich würden männliche Ratsmitglieder als Ratsherren und nicht als Ratsmänner bezeichnet.

Einem ist die ganze Diskussion schlicht zu albern. CDU-Ratsherr Arne Rüstemeier sagt zur «Bild»: «Fakt ist: Solcher Unfug schadet der Gleichstellung und dem Ansehen der Stadt.»

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