«Mitarbeiter am Limit» - Pflegenotstand zwingt Bewohner zum Umzug
Aktualisiert

«Mitarbeiter am Limit»Altersheim schliesst – Pflegenotstand zwingt Bewohner zum Umzug

Die Personalknappheit hat sich immer dramatischer zugespitzt. Jetzt zieht der Gemeinderat die Reissleine. Das Alterszentrum Tschann in Buchrain schliesst demnächst.

von
Nathan Keusch
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Der Gemeinderat von Buchrain hat beschlossen, das Alterszentrum Tschann zu schliessen. Sozialvorsteher Stephan Betschen (links) und Gemeindepräsident Ivo Egger vor dem Alterswohnheim.

Der Gemeinderat von Buchrain hat beschlossen, das Alterszentrum Tschann zu schliessen. Sozialvorsteher Stephan Betschen (links) und Gemeindepräsident Ivo Egger vor dem Alterswohnheim.

20min
In rund drei Monaten soll es bereits so weit sein, dass das Altersheim seine Türen schliesst.

In rund drei Monaten soll es bereits so weit sein, dass das Altersheim seine Türen schliesst.

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Der Grund ist ein Personalmangel, der ansteige.

Der Grund ist ein Personalmangel, der ansteige.

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Darum gehts:

  • Das Alterszentrum Tschann in Buchrain LU schliesst seine Türen.

  • 16 Pflegebedürftige müssen einen neuen Platz finden.

  • Ein genauer Zeitpunkt der Schliessung ist noch nicht bekannt.

Das Alterszentrum Tschann in Buchrain wird in absehbarer Zeit geschlossen. Dies teilten Gemeindepräsident Ivo Egger und Sozialvorsteher Stephan Betschen anlässlich einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag mit. Grund für die Schliessung sei der immer prekärer werdende Personalmangel.

«Der Entscheid fiel nicht leicht», sagt Ivo Egger. Doch das Wohl und die Sicherheit der 16 Bewohnenden des Alterszentrums konnten nur noch mit einem überdurchschnittlichen Einsatz des Personals sichergestellt werden. Auf lange Sicht sei dies jedoch nicht mehr möglich. Egger: «Wir müssen jetzt handeln und können nicht abwarten.»

«Die Personalknappheit hat sich immer dramatischer zugespitzt», sagt Sozialvorsteher Stephan Betschen. «Wir haben Ausfälle aufgrund von Kündigungen, Unfall und Krankheiten. Dazu hat auch Corona beigetragen.» Der Fachkräftemangel sei gerade für ein kleines Alterszentrum wie das Tschann enorm gross. «Die Mitarbeitenden sind am Limit ihrer Kräfte. Das hat auch zu gesundheitlichen Ausfällen geführt.»

Auf der Tschann-Website sind derzeit sogar noch zwei Stellen ausgeschrieben. Offene Stellen konnten trotz intensivster Bemühungen nicht besetzt werden, sagt Betschen dazu. Im Betrieb sei die Lage angespannt und nur dank Temporär-Personal sei es überhaupt noch möglich, die Aufgaben zu bewältigen.

Finanziell steht das Tschann laut Betschen gut da. Es würden aber nötige Sanierungen anstehen. «Die Zimmer sind zum Teil zu klein oder haben keine eigenen Nasszellen.» Umbau und Pflegebetrieb wären unmöglich vereinbar gewesen. Betschen: «Das wäre wie eine Operation am offenen Herzen gewesen.»

Was passiert mit den Bewohnern und Angestellten?

«Eine Deadline, wann genau das Tschann geschlossen wird, gibt es nicht», sagt Betschen. Man will die Bewohnerinnen und Bewohner nicht einfach vor die Tür setzen. Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner und die 30 Angestellten wurden am Mittwoch informiert. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen durch ihre Angehörigen informiert werden. «Wir suchen nun Anschlusslösungen für die Bewohnenden, dann können wir das Zentrum auch wirklich schliessen», sagt Betschen weiter. Man wisse, dass es in umliegenden Gemeinden noch genügend freie Betten habe. Auch für die Mitarbeitenden soll eine Anschlusslösung gefunden werden und sie werden bei der Jobsuche unterstützt.

Weder Angehörige noch Angestellte waren von der Entscheidung der Schliessung überrascht. Betschen: «Viele sahen es kommen.» Gemeindepräsident Egger bedankt sich beim loyalen Personal. «Viele sagten, wir bleiben bis zum letzten Tag.» Obwohl die intensive Arbeit sehr viel von den Pflegenden abverlange.

Eine Nachfrage, was die Geschäftsleiterin des Pflegezentrums zu diesem kurzfristigen Beschluss des Gemeinderates sagt, war nicht möglich. Der Anruf auf die Nummer des Alterszentrums wurde auf die Hauptnummer der Gemeinde umgeleitet. «Für Auskünfte steht Sozialvorsteher Stephan Betschen zur Verfügung», so ein Angestellter der Gemeinde. Andere Personen könnten sich nicht dazu äussern.

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