Tote in Madagaskar: Die Pest könnte auch für uns gefährlich werden

Aktualisiert

Tote in MadagaskarDie Pest könnte auch für uns gefährlich werden

Auf Madagaskar ist die Pest ausgebrochen. Überraschend ist das nicht. Denn die Seuche ist bei weitem nicht ausgerottet. Immerhin: Sie ist gut behandelbar – bis jetzt.

von
Fee Riebeling
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Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie aktuell das Beispiel Madagaskar zeigt. Insgesamt 1000 bis 3000 Fälle pro Jahr registriert die WHO. Sogar in den USA treten jährlich 10 bis 20 Pesterkrankungen auf.

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie aktuell das Beispiel Madagaskar zeigt. Insgesamt 1000 bis 3000 Fälle pro Jahr registriert die WHO. Sogar in den USA treten jährlich 10 bis 20 Pesterkrankungen auf.

Keystone/Kabir Dhanji
Insbesondere wegen der dichten Besiedlung in den Städten, des schwachen Gesundheitssystems und den hygienischen Bedingungen besteht in Madagaskar das Risiko einer schnellen Ausbreitung, wie die WHO mitteilte.

Insbesondere wegen der dichten Besiedlung in den Städten, des schwachen Gesundheitssystems und den hygienischen Bedingungen besteht in Madagaskar das Risiko einer schnellen Ausbreitung, wie die WHO mitteilte.

Reuters/Schalk van Zuydam
Die Seuche wird auf Madagaskar durch Flöhe auf Nagetieren übertragen. Das Problem: Die Flöhe sind mittlerweile resistent gegen ein bisher hilfreiches Insektizid.

Die Seuche wird auf Madagaskar durch Flöhe auf Nagetieren übertragen. Das Problem: Die Flöhe sind mittlerweile resistent gegen ein bisher hilfreiches Insektizid.

Keystone/AP/Schalk van Zuydam

Viele halten die Pest für längst ausgerottet und denken bei ihr an das Mittelalter. Damals löschte die Seuche rund ein Drittel der Bevölkerung Europas aus und brachte knapp 30 Millionen Menschen den Tod – trotz aller Bemühungen, die Krankheit einzudämmen. So schlimm steht es um Madagaskar zurzeit nicht, doch die Situation zeigt: Die Pest ist immer noch da und noch immer nicht unter Kontrolle.

Zwar haben bessere hygienische Verhältnisse, entsprechende Antibiotika und das Wissen darum, wie der Erreger übertragen wird, die Pest zurückgedrängt. Aber noch immer registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich 1000 bis 3000 Fälle. Nicht in Europa und Australien, aber in Asien, Afrika und auch in Amerika tritt die Pest vereinzelt bis heute auf (siehe Bildstrecke).

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Verursacht wird die Pest von dem Bakterium Yersinia pestis. Die Beulenpest, im Mittelalter als «schwarzer Tod» bekannt, wird durch infizierte Flöhe übertragen. Noch gefährlicher ist die Lungenpest, denn sie verbreitet sich durch Husten oder Niesen von einem Menschen zum anderen (siehe Box).

Obwohl die Anzahl der Fälle beim Menschen verhältnismässig gering ist und die Behandlung mit Antibiotika meist anschlägt, warnten Forscher bereits vor einigen Jahren im Fachjournal «PLOS One» davor, die Bedrohung durch das Bakterium zu unterschätzen. Weil sich die Krankheit in Tierpopulationen permanent fortpflanzt, ist sie praktisch nicht auszurotten und bleibt damit eine permanente Bedrohung für den Menschen, so das Team um Michael Begon von der Universität Liverpool.

Machtlos gegen die Bakterien

Dies auch, weil die Erreger – so wie andere auch – Resistenzen gegen die eingesetzten Antibiotika entwickeln könnten. So war bereits 1995 auf Madagaskar erstmalig ein Erreger-Stamm aufgetaucht, gegen den acht verschiedene Antibiotika nichts mehr ausrichten konnten.

Wie es beim aktuellen Ausbruch aussieht, ist noch unklar. Doch die WHO und die Madagaskar gaben bereits bekannt, dass die infizierten Flöhe mittlerweile resistent seien gegen ein gebräuchliches Insektizid. Der Mensch muss somit nicht nur die Antibiotikaresistenz, sondern nun auch die Resistenz bei den Flöhen angehen.

Die Pest

Man unterscheidet vier Formen der Pest:

- Beulenpest: Gewöhnlich ausgelöst durch infizierte Rattenflöhe. Die Inkubationszeit liegt bei wenigen Stunden bis sieben Tagen. Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Benommenheit, später Bewusstseinsstörungen.

Der Name stammt von den schmerzhaften Beulen am Hals, in den Achseln und den Leisten (Durchmesser bis zu zehn Zentimetern) und sind aufgrund von Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt. Die Geschwülste zerfallen, nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind.

Pestsepsis: Tritt auf, wenn Bakterien in die Blutbahn geratem. Dies kann durch Infektion von aussen (z.B. offene Wunden) geschehen, aber auch durch Platzen der Pestbeulen nach innen. Die Folgen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Unwohlsein, später Schock, Haut- und Organblutungen. Pestsepsis ist unbehandelt praktisch immer tödlich.

- Lungenpest: Die Lungenpest ist noch nicht völlig verstanden, da sie heute relativ selten vorkommt. Verläuft heftiger als die Beulenpest, weil die Abwehrbarrieren der Lymphknoten durch direkte Infektion der Lunge umgangen werden. Sie beginnt mit Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutigem Auswurf, der extrem schmerzhaft abgehustet wird. Daraus entsteht ein Lungenödem mit Kreislaufversagen, welches unbehandelt nach zwei bis fünf Tagen zum Tod führt.

- Abortive Pest: Harmlose Variante der Pest. Sie äussert sich meist nur in leichtem Fieber und leichter Schwellung der Lymphknoten. Nach überstandener Infektion werden Antikörper gebildet, die eine langanhaltende Immunität gegen alle Formen der Krankheit gewährleisten.

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