St. Gallen: «Die Pflegerin schrie die Frau an und bewarf sie mit Gegenständen»

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St. Gallen«Die Pflegerin schrie die Frau an und bewarf sie mit Gegenständen»

Eine Frau beobachtete einen Vorfall in einem Wohnheim in St. Gallen und verständigte die Polizei. Beim betroffenen Heim nimmt man Stellung dazu. 

von
Seline Bietenhard
Monira Djurdjevic
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Wie es beim betroffenen Heim auf Anfrage heisst, ist man über den Sachverhalt informiert. Man untersuche die Vorwürfe in Zusammenarbeit mit der Polizei. (Symbolbild)

Wie es beim betroffenen Heim auf Anfrage heisst, ist man über den Sachverhalt informiert. Man untersuche die Vorwürfe in Zusammenarbeit mit der Polizei. (Symbolbild)

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«Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie eine Pflegerin eine ältere Bewohnerin packte und aufs Bett schubste. Dann schrie sie die Frau an und bewarf sie mit Gegenständen», erzählt die 26-jährige Lena. (Symbolbild)

«Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie eine Pflegerin eine ältere Bewohnerin packte und aufs Bett schubste. Dann schrie sie die Frau an und bewarf sie mit Gegenständen», erzählt die 26-jährige Lena. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • In einem Wohnheim in St. Gallen soll eine Pflegerin eine Bewohnerin misshandelt haben.

  • Nachdem eine Frau die Polizei alarmierte, hat das betroffene Wohnheim erste Massnahmen ergriffen. Die beschuldigte Mitarbeiterin ist derzeit nicht im Dienst. 

Lena* aus dem Kanton St. Gallen ist schockiert. Wie die 26-Jährige erzählt, konnte sie kürzlich von ihrer Wohnung aus einen schlimmen Vorfall beobachten, der sich in einem Zimmer eines Wohnheims für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung abspielte. «Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie eine Pflegerin eine ältere Bewohnerin packte und aufs Bett schubste. Dann schrie sie die Frau an und bewarf sie mit Gegenständen», sagt Lena. Die 26-Jährige habe daraufhin die Polizei alarmiert und sei raus vor das Haus gegangen. «Da konnte ich gleich nochmals beobachten, wie die Pflegerin die Frau misshandelte.»

Nachdem die Polizei eingetroffen war, habe sie sich vor Ort einen Überblick verschafft. «Eine Polizistin sagte mir, dass die Pflegerin vermutlich mit der Situation überfordert war und deshalb so reagierte. Die Bewohnerin soll sehr unruhig sein und oft in der Nacht herumlaufen», so Lena. Für sie unverständlich: «Ich dachte, ich höre nicht richtig. Ich fühlte mich nicht ernst genommen und hatte Angst um die Frau, die aufgrund einer Behinderung komplett hilflos und der Situation ausgeliefert wirkte.»

Am nächsten Tag habe ihr die Polizei mitgeteilt, dass sie der Sache nachgehe. «Ich hoffe wirklich, dass etwas unternommen wird. Mich hat der Vorfall emotional sehr aufgewühlt», sagt die 26-Jährige. In der Zwischenzeit hat Lena auf Tiktok ihre Beobachtungen mit ihren Followern und Followerinnen geteilt: «Ich bekam ganz viele Rückmeldungen. Alle sind sehr schockiert und sagen, dass es gut war, dass ich die Polizei alarmiert habe.»

Vorwürfe werden untersucht

Wie es beim betroffenen Heim auf Anfrage heisst, ist man über den Sachverhalt informiert. Man untersuche die Vorwürfe in Zusammenarbeit mit der Polizei. Die beschuldigte Mitarbeiterin sei derzeit nicht im Dienst. «Wenn der Umgang mit Menschen, insbesondere mit Menschen mit Beeinträchtigung, grenzüberschreitend ist, ist dies in keiner Art und Weise tolerierbar», sagt der Geschäftsführer.

Sollte es trotzdem zu grenzüberschreitendem Verhalten kommen, werde dies zu angemessenen, auch personalrechtlichen Konsequenzen führen. «Eine solche Meldung ist immer sehr ernst zu nehmen und wird bei uns in jedem Fall auch intern weiter bearbeitet», so der Geschäftsführer. 

Auch die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat Kenntnis vom Vorfall. «Es wird, wie in solchen Fällen üblich, ein Strafverfahren durchgeführt. Konkret befragt die Kantonspolizei die Beschuldigte sowie allfällige weitere Personen und erstellt anschliessend einen Rapport zuhanden der Staatsanwaltschaft», sagt Sprecherin Beatrice Giger. Dabei werde auch geprüft, ob ein Offizialdelikt vorliege: «Falls dem nicht so ist, wird das Verfahren mangels Strafantrags eingestellt.»

*Name der Redaktion bekannt

Hättest du auch die Polizei alarmiert?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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