Aussenpolitische Wende: Die Philippinen brechen offiziell mit den USA
Aktualisiert

Aussenpolitische WendeDie Philippinen brechen offiziell mit den USA

Nach der «Hurensohn»-Affäre kehrt Rodrigo Duterte den USA nun ganz den Rücken. Ein neuer Partner ist bereits gefunden.

von
woz
«Ich verkünde meine Trennung von den USA»: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte beim Wirtschaftsforum in Peking. (20. Oktober 2016)

«Ich verkünde meine Trennung von den USA»: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte beim Wirtschaftsforum in Peking. (20. Oktober 2016)

Keystone

Bei einem viertägigen Staatsbesuch in China hat der philippinische Präsident Rodrigo Duterte seine Abkehr vom langjährigen Verbündeten USA verkündet. Zugleich demonstrierte er seine aussenpolitische Neuausrichtung auf Peking.

«Ich verkünde meine Trennung von den USA», sagte Duterte bei einem Wirtschaftsforum in Peking. Am Mittwoch hatte er bereits die zuletzt schon angedeutete aussenpolitische Wende forciert und erklärt, die Philippinen würden sich von den USA ab – und China zuwenden.

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Vergrault den US-Präsidenten: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kommt in Laos an. (5. September 2016)

Vergrault den US-Präsidenten: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kommt in Laos an. (5. September 2016)

AFP/Noel Celis
Steigt in Vientiane aus der Air Force One: US-Präsident Barack Obama. (5. September 2016)

Steigt in Vientiane aus der Air Force One: US-Präsident Barack Obama. (5. September 2016)

AFP/Mast Irham
«Hurensohn, ich werde Dich bei diesem Forum verfluchen», sagte Rodrigo Duterte. (5. September 2016)

«Hurensohn, ich werde Dich bei diesem Forum verfluchen», sagte Rodrigo Duterte. (5. September 2016)

kein Anbieter/Noel Celis

«Nur Beleidigungen»

«Ich werde nicht mehr nach Amerika reisen. Wir werden dort nur beleidigt», sagte der 70-Jährige. Deshalb sei es Zeit für einen Abschied. Die Beziehungen zur früheren Kolonialmacht USA sind seit dem Amtsantritt Dutertes deutlich abgekühlt. Die USA kritisierten vor allem Dutertes harten Kampf gegen Drogenkriminelle in seinem Land.

US-Präsident Barack Obama sagte zudem das erste geplante Treffen mit Duterte ab, nachdem dieser ihn als «Hurensohn» beschimpft hatte. Die Regierung in Manila äusserte daraufhin ihr Bedauern.

Duterte erklärte, er habe auf Berichte über bevorstehende Belehrungen Obamas über aussergerichtliche Hinrichtungen in dem südostasiatischen Inselstaat reagiert. Allerdings bezeichnete Duterte bei seinem Besuch in Peking Obama erneut als «Hurensohn».

«Freundschaftliche» Gespräche

Zuvor war er vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der Grossen Halle des Volkes und mit militärischen Ehren empfangen worden. Xi bezeichnete die beiden Länder als «Nachbarn», die «keinen Grund für Feindseligkeit oder Konfrontation» hätten, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Die beiden Präsidenten hätten «ausführliche» und «freundschaftliche» Gespräche geführt, sagte eine Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums. Mit Blick auf den Konflikt um das Südchinesische Meer sagte Xi demnach, Meinungsverschiedenheiten müssten «durch Dialog und bilaterale Gespräche» gelöst werden. Er sei bereit, «schwierige Themen vorübergehend zurückzustellen».

Duterte sagte dazu im chinesischen Fernsehen, er wolle das Thema «ein anderes Mal» ansprechen. Er bezeichnete das Treffen mit Xi als «historisch» und betonte, diesmal den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit legen.

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Sorgt mit seinen Äusserungen und seinem brutalen Vorgehen gegen den Rauschgifthandel immer wieder für internationales Aufsehen: Präsident Rodrigo Duterte am 25. August 2016 in Manila.

Sorgt mit seinen Äusserungen und seinem brutalen Vorgehen gegen den Rauschgifthandel immer wieder für internationales Aufsehen: Präsident Rodrigo Duterte am 25. August 2016 in Manila.

kein Anbieter/AP Photo/Bullit Marquez
Zuletzt hatte Dutertes Holocaust-Vergleich Proteste hervorgerufen. Der Präsident an einer Armee-Basis am 27. September 2016.

Zuletzt hatte Dutertes Holocaust-Vergleich Proteste hervorgerufen. Der Präsident an einer Armee-Basis am 27. September 2016.

kein Anbieter/AP Photo/Bullit Marquez
Vergrault hat er aber auch bereits den US-Präsidenten, indem er ihn als «Hurensohn» bezeichnete: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kommt in Laos an. (5. September 2016)

Vergrault hat er aber auch bereits den US-Präsidenten, indem er ihn als «Hurensohn» bezeichnete: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kommt in Laos an. (5. September 2016)

AFP/Noel Celis

Veränderter Kurs im Inselstreit

Im Konflikt um das Südchinesische Meer stehen sich China und die Philippinen, Malaysia, Vietnam und Brunei gegenüber. Peking beansprucht den grössten Teil eines mehr als drei Millionen Quadratkilometer grossen Gebiets im Südchinesischen Meer für sich. Um diese Ansprüche zu untermauern, schüttete Peking dort mehrere künstliche Inseln auf.

Das Schiedsgericht in Den Haag hatte Mitte Juli die Ansprüche Chinas in dem Gebiet als rechtlich unbegründet zurückgewiesen und damit einer Klage von Dutertes Amtsvorgänger Benigno Aquino Recht gegeben. Unter Duterte setzten die Philippinen jedoch stattdessen die gemeinsamen Patrouillen mit den USA im Südchinesischen Meer vorläufig aus. Zudem drohte Duterte damit, gemeinsame Militärübungen mit den USA zu beenden.

Duterte reiste mit einer Delegation von 400 Geschäftsleuten nach Peking. Gemeinsam mit Xi nahm er an der Unterzeichnung von 13 bilateralen Verträgen über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur und Landwirtschaft teil, wie das chinesische Aussenministerium weiter mitteilte. (woz/sda)

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