30.08.2015 13:12

Junge FrauenDie Pille nehmen, um weniger im Job zu fehlen

Viele Fehltage machen einen schlechten Eindruck. Darum nehmen immer mehr junge Frauen die Pille, um die geforderte Leistung zu erbringen.

von
ann
Die Pille wird nicht nur zur Verhütung eingenommen. Frauen nehmen sie auch um weniger Probleme zu haben und im Job oder der Schule besser zu funktionieren.

Die Pille wird nicht nur zur Verhütung eingenommen. Frauen nehmen sie auch um weniger Probleme zu haben und im Job oder der Schule besser zu funktionieren.

Die 29-jährige Allana Allen ist die Chefin von fünf grossen Coiffeur-Salons in Grossbritannien. Sie arbeitet viel und hart und will nicht, dass ihre Leistungsfähigkeit durch Frauenprobleme geschmälert wird. Darum lässt sie sich ein Hormon-Depot spritzen, das ihre Menstruations-Blutungen ganz stoppt.

Zuvor litt sie während ihrer Tage unter Rückenschmerzen und Krämpfen und musste manchmal zu Hause bleiben. «Nicht gerade förderlich für meine Karriere», meint sie. Mit der Depot-Spritze fühlt sie sich frei und leistungsfähig. «Meine Periode zu stoppen hat mir erlaubt, meinen Mann zu stehen und die Dinge zu regeln. Ich habe wenig Mitgefühl für junge Frauen, die sich über Menstruationsprobleme beklagen. Keine Frau muss das erdulden.»

Häufiges Fehlen macht einen schlechten Eindruck

Schweizer Frauen haben dieselben Probleme wie Allen, bestätigen Schweizer Gynäkologen. «Es ist so, dass viele Frauen zu uns kommen, weil sie wegen der Menstruation starke Beschwerden haben und weiterhin kontinuierliche Leistung erbringen möchten», sagt Jürgen Schüttpelz vom Elimed-Institut für Gynäkologie in Baden. Es seien insbesondere viele Schülerinnen, die deswegen seine Praxis aufsuchten. «Ihnen geht es vor allem darum, keine Fehltage mehr wegen der Periode zu haben.»

Dies bestätigt auch Sarah Fürling von der Praxis Gynäkologie im Zentrum in Zürich. «Ich habe viele junge Frauen, die zu mir kommen, weil sie nicht mehr wegen der Mens im Job oder der Schule fehlen wollen.» Den Frauen sei es wichtig, ihre Schmerzen in den Griff zu bekommen, damit sie wieder normal funktionieren könnten. «Sie sagen, wenn sie viel fehlten, mache das einen schlechten Eindruck», so Fürling.

Frauen wollen Ferien ohne Periode

Sowohl Fürling wie auch Schüttpelz empfehlen den Frauen, eine Minipille oder eine Mirena-Spirale zu nehmen. Diese reinen Gestagen-Produkte seien eine Form, grosse Probleme bei der Periode zu therapieren. «Dass diese Präparate den Frauen ein Leben praktisch ohne Menstruation ermöglichen, ist für viele einfach ein angenehmer Nebeneffekt», sagt Fürling. Schüttpelz betont, dass diese in der Regel auch sehr gut verträglich seien und kaum Nebenwirkungen hätten. «Wenn man Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen bei den Anwenderinnen im Vorfeld ausschliesst.»

Kritischer betrachten beide den Wunsch vieler Frauen, die Periode während der Ferien zu unterdrücken. «Sie wollen mit der Pille nur beginnen, um die Mens zu verschieben, damit sie sie nicht in den Ferien bekommen», so Schüttpelz. Beide Gynäkologen haben des Öfteren Frauen, die nicht zu ihren Patientinnen gehören und mit diesem Wunsch an sie herantreten. «Dies lehne ich ohne ausführliches Beratungsgespräch ab», sagt Schüttpelz. Gerade in den ersten Anwendungsmonaten sei das Risiko für Thrombose am höchsten, ausserdem komme es am Anfang auch häufiger zu Blutungsstörungen.

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