Aktualisiert 19.04.2020 14:42

Tourismus in der Corona-Krise

«Die Planungssicherheit ist bei uns höher als in Deutschland»

Die Sonne scheint, doch die Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein stehen im Hafen. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Remo Rey.

von
Martin Hoch
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Davon träumt Remo Rey, der Geschäftsführer der URh: Schiffe, die Passagieren einen schönen Ausflug ermöglichen.

Davon träumt Remo Rey, der Geschäftsführer der URh: Schiffe, die Passagieren einen schönen Ausflug ermöglichen.

Nico Schaerer, nuvu.ch
Die Realität ist, dass alle Schiffe im Hafen stehen.

Die Realität ist, dass alle Schiffe im Hafen stehen.

Nico Schaerer, nuvu.ch
Wann die Schiffe wieder anlegen können, ist noch unklar. Die URh wäre innert 4 Tagen wieder betriebsbereit.

Wann die Schiffe wieder anlegen können, ist noch unklar. Die URh wäre innert 4 Tagen wieder betriebsbereit.

Nico Schaerer, nuvu.ch

Am Karfreitag hätte die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein bei strahlendem Sonnenschein Saisonstart gefeiert. Stattdessen standen die Schiffe im Hafen. Da blutete Ihr Herz als Geschäftsführer bestimmt?

Es ist tatsächlich sehr hart. Es wäre einer der besten Saisonstarts überhaupt gewesen. In den letzten Jahren waren die Saisonstarts eher kühl und nass.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden zu beziffern?

Alleine an diesem verlängerten Osterwochenende hätten wir knapp eine Viertelmillion Schweizer Franken Umsatz erzielt.

Remo Rey steuert als Geschäftsführer die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) durch die Corona-Krise. Die URh nahm 1865 den Betrieb auf und ist damit die älteste Schifffahrtsgesellschaft der Schweiz. Ihre sechs Schiffe steuern 18 Landestellen von Schaffhausen bis Kreuzlingen an. Das Unternehmen beschäftigt 32 Mitarbeiter und transportiert jährlich über 350'000 Passagiere.

Wie lange ist eine solche Situation für eine regionale Schifffahrtsgesellschaft tragbar?

Ein verspäteter Saisonstart ist noch verkraftbar. Ab Ende Mai, wenn es für uns in Richtung Hochsaison geht, wird es schwierig. Für uns die wichtigsten Monate sind von Juli bis September. In diesen drei Monaten generieren wir die Hälfte aller Einnahmen für den Jahresbetrieb. Angenommen die Krise dauert an und wir können bis im September keine touristische Schifffahrt anbieten, so müssten wir mit beinahe keinem Einkommen 1,5 Jahre durchfinanzieren.

Wären solche Reserven denn vorhanden?

Wir sind ein finanziell gesundes Unternehmen und haben Absicherungen mit unserer Hausbank. Aber nein, für 1,5 Jahre würde es ohne weitere Massnahmen nicht reichen.

Ab wann rechnen Sie damit, dass die Schiffe wieder auslaufen können?

Der Bundesrat hat sich für eine schrittweise Lockerung ausgesprochen. Aber bis wir als touristischer Anbieter wieder Gäste empfangen können, wird es bestimmt noch einige Woche dauern.

Vermissen Sie vom Bund eine klarere Kommunikation wie es weitergehen wird?

Als Unternehmen, das im Grenzgewässer zu Deutschland unterwegs ist, haben wir einen direkten Vergleich zu einem Nachbarland. Und ich muss der Schweizer Regierung attestieren, dass die Kommunikation hier klarer ist. Natürlich wünscht sich jeder möglichst schnell, möglichst viele Informationen. Dennoch ist die Planungssicherheit bei uns höher als in Deutschland.

Wie schnell wären die Schiffe und die Besatzung bereit, um wieder auf den Normalbetrieb umzustellen?

Die Schiffe wären innerhalb von vier Tagen wieder betriebsbereit. Die Frage hier ist jedoch, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird. Anfangs Saison gilt es bei uns jeweils die neuen Crewmitglieder während zwei Wochen zu schulen. Dies ist nur mit einem reduzierten Fahrplan, wie wir ihn im Frühjahr fahren, möglich. Müssten die Schulungen in der Hochsaison folgen, könnten wir erstmal nur mit einem reduzierten Fahrplan starten.

Bei uns passiert es jedes Jahr, dass wir den Betrieb innerhalb von drei Tagen komplett umstellen müssen.

Remo Rey, Geschäftsführer Schifffahrtsgesellschaft URh

Rechnen Sie mit dem Szenario, dass diesen Sommer nur Schweizer Häfen angefahren werden können?

Unser Ziel ist es, den Fahrplan auf dem Rhein und Bodensee mit den Kollegen in Österreich und Deutschland abzustimmen. Aber ja, es kann durchaus eine Situation entstehen, dass wir nur die Schweizer Landestellen ansteuern können.

Ungeplante Ereignisse treffen die Schifffahrt wiederkehrend.

Ja, das ist so. Die grossen Komponenten die uns immer treffen sind die drei Ws: Wasser, Wetter und Währung.

Von solchen Ausflügen und Stimmungen träumen aktuell viele.

Von solchen Ausflügen und Stimmungen träumen aktuell viele.

Nico Schaerer, nuvu.ch

Aktuell hat der Rhein einen eher niedrigen Wasserstand, die Währung entwickelt sich unvorteilhaft und nun haben wir auch noch die Corona-Krise - stecken Sie den Kopf in den Sand?

Natürlich nicht. Es stimmt, dass wir diese Mischung nicht gerne sehen. Aber oft kommt es dann doch noch besser oder anders als prognostiziert. Wir sind uns das Unstete gewohnt. Eine Gewitterfront reicht und wir haben ein Hochwasserproblem.

Hilft das antrainierte flexible Reagieren in dieser Krise?

Das ist so. Momentan heisst die Herausforderung Corona. Aber es passiert bei uns jedes Jahr, dass wir den Betrieb innerhalb von drei Tagen komplett umstellen müssen. Die Vorgehensweise, beispielsweise wie wir mit den Kunden kommunizieren, ist ein eingespielter Vorgang.

Welches wäre das Best-Case Szenario, das Sie sich für die nahe Zukunft wünschen?

Wenn wir den Betrieb Ende Mai wieder aufnehmen dürften. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern länderübergreifend.

Bleibt zu hoffen, dass wir bald wieder solche Abendstimmungen auf unseren Ausflügen erleben dürfen.

Bleibt zu hoffen, dass wir bald wieder solche Abendstimmungen auf unseren Ausflügen erleben dürfen.

Nico Schaerer, nuvu.ch
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12 Kommentare
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Karlheinz

09.05.2020, 20:29

Er hat keine Ahnung, wann es wieder los geht, aber hat bessere Planungssicherheit als in Deutschland? Die Deutschen wissen genau so wenig, nur auf der anderen Seite der Grenze. Aber Hauptsache, die Eidgenössische Arroganz grängt ans Tageslicht.

@Claudi

01.05.2020, 16:44

Ich frage mich immer woher genau das Argument kommt das Deutsche arrogant sind, ich kann’s beim besten Willen nicht rausfinden...

Runaway

01.05.2020, 12:26

Wir sind besser als Deutschland in diesem Bezug sicher nicht. Planungssicherheit kann auch kontraproduktiv sein.