Assads Tunes: Die Playlist des syrischen Schlächters
Aktualisiert

Assads TunesDie Playlist des syrischen Schlächters

Baschar al Assad hat über einen gefälschten iTunes-Account in den USA Musik gekauft. Seine Wahl zeugt von einem mörderisch schlechten Geschmack.

von
Philipp Dahm

«We Can't Go Wrong» ist ein Song, der Baschar al Assad entspannt. Im Stück heisst es: «Now I don't wanna tell you how to live / Don't wanna put the blame / But don't you think it's time for you and I / To try to make a change.»

Der Liedtext der New Yorker Cover Girls dürfte sich in den Ohren der Opposition wie blanker Hohn tönen. Während Syriens Machthaber zu verträumtem US-Pop in Luxus schwelgt, führen seine Truppen einen Krieg gegen das eigene Volk. Nach konservativen UN-Schätzungen sind bisher 7500 Menschen in den Kämpfen getötet worden, 400 von ihnen Kinder. «So don't you think it's time for you and I to try to make a change», säuselt das Tränen-Trio dazu in die spitzen Langohren des mausgesichtigen Präsidenten.

Auf westliche Luxusgüter wollen der 41-Jährige und seine Gattin Asma nicht verzichten (20 Minuten Online berichtete). Der Soundtrack zu Assads Krieg kommt vom amerikanischen iTunes-Account eines Dritten, über den er sich mit westlicher Popmusik eindeckt. Acht Lieder soll er im Januar und Februar erworben haben: Von pathetisch bis prollig ist alles dabei, was den Despoten noch dämonischer scheinen lassen kann. Oder wie der «Guardian» vornehm schreibt: Die Songs «enthüllen einen Mann mit breiten und manchmal überraschenden Geschmäckern.»

Neben der Cover-Girls-Schmonzette von 1989 gehört auch ein New-Order-Song von 1986 dazu. Nein, es geht nicht um «True Faith» - das Lied muss der Opposition vorbehalten bleiben. Der Despot entschied sich für «Bizarre Love Triangle», das veröffentlicht wurde, als Baschar noch ein 21 Jahre junger Spund und Medizin-Student an der Uni von Damaskus war. 1992 ging er gen Westen ging, um im «Western Eye Hospital» in London zu arbeiten. Als Arzt, der den Hippokratischen Eid geschworen hat, wonach er sich verpflichtet, Menschen zu helfen.

New Order: «Bizarre Love Triangle»

Anfang 1992 hat ein Hit nicht nur Grossbritannien, sondern ganz Europa erfasst, dem offenbar auch Assad erlegen ist: «Don't Talk Just Kiss» von den britischen Brüder Richard und Fred Fairbrass alias Right Said Fred. «Let's Fool Around», säuseln die Meister-Proper-Klone ins Mikrofon. Vielleicht hörten Baschar und seine Asma dieses Lied, als sie sich in der Hauptstadt Englands kennengelernt haben.

Right Said Fred: «Don't Talk Just Kiss»

Seinen Eid, Menschen zu helfen, hat der Herrscher gebrochen: Mit seinen politischen Gegnern hat Assad heute keine Gnade. Grausam sind auch die neueren Songs, die der Despot gerne hat: Dass ausgerechnet der auf seinem Stuhl klebende Syrer auf «Sexy And I Know It» steht, ist ironisch, wenn nicht zynisch. Der Song der US-Band LMFAO (für: Loughing My Fucking Ass Off) wird nur von «Look At Me Now» der Landsleute Chris Brown, Lil Wayne und Busta Rhymes getoppt. Lyrische Kostprobe gefällig? «Ooops I said on my dick / I ain't really mean to say on my dick / But since we talking about my dick / All of you haters say hi to it.»

LMFAO: «Sexy And I Know It». Quelle: YouTube

Chris Brown ft. Lil Wayne, Busta Rhymes: «Look At Me Now»

Warum aus dem jungen Arzt in London ein Doktor Tod aus Damaskus geworden ist, werden wir an dieser Stelle nicht klären können. Es wäre auch reine Spekulation, etwas in das Lied «God Gave Me You» des Country-Schmusers Blake Shelton hineinzuinterprestieren. Dass der Song mit folgenden Zeilen beginnt, hat mit seiner heutigen Situation natürlich rein gar nichts zu tun. «I've been a walking heartache / I've made a mess of me / The person that I've been lately / Ain't who I wanna be.»

Blake Shelton. «God Gave Me You». Quelle: YouTube

Gaga ist auch der Gedanke, dass Baschar al Assad manchmal zu Hause auf der Blutbank sitzt und den Klängen von «21 Century Christmas» lauscht - und zwar in der «Tribute To Cliff Richards»-Version der Merry Christmas Players. Diese Gott sei Dank unbekannte US-Band covert Weihnachtslieder und peppt sie mit moderner E-Gitarre sowie ordentlich Pathos auf. Auf YouTube gibt es bloss das Originallied, das aber auch schon unchristlich genug ist.

Cliff Richard. «21st Century Christmas». Quelle: YouTube

Nasri Shamseddin: «Ya Marek Al Tawahine». Quelle: YouTube

Nasri Schamseddin komplettiert die Liste von Assads Einkäufen: Der Sänger wurde 1927 im Libanon geboren und starb 1983 in Damaskus. Nicht wie viele andere in Hama, Homs oder Idlib.

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