My Lovestory - «Die Polizei hat in der Dusche nach meiner Braut gesucht»
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My Lovestory «Die Polizei hat in der Dusche nach meiner Braut gesucht»

Matthias (37) verliebte sich vor drei Jahren in eine Thailänderin. Niemals hätte er gedacht, dass eines Tages die Polizei seine Wohnung nach Sue (31) durchsuchen würde.

von
Gabriela Graber
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Der Schweizer Matthias und die Thailänderin Sue lernten sich 2018 kennen, als Sue in Zürich in den Ferien war. 

Der Schweizer Matthias und die Thailänderin Sue lernten sich 2018 kennen, als Sue in Zürich in den Ferien war.

privat
Schon nach kurzer Zeit merkten sie, dass  sie sich sehr mochten, und begannen eine Fernbeziehung. 

Schon nach kurzer Zeit merkten sie, dass sie sich sehr mochten, und begannen eine Fernbeziehung.

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Sue besuchte Matthias mehrere Male in der Schweiz – doch wegen ihres Visums musste sie jeweils nach drei Monaten wieder ausreisen. 

Sue besuchte Matthias mehrere Male in der Schweiz – doch wegen ihres Visums musste sie jeweils nach drei Monaten wieder ausreisen.

privat

Darum gehts

  • Während ihrer Ferien in der Schweiz verliebt sich die Thailänderin Sue in Matthias.

  • Die beiden beginnen eine Beziehung – und Sue verbringt viel Zeit in der Schweiz.

  • Anfangs der Corona-Pandemie kann Sue wegen ausfallenden Flügen nach Ablauf ihrer Aufenthaltsbewilligung nicht mehr nach Thailand zurückreisen.

  • Zwei Mal können die beiden die Frist verlängern – beim dritten Mal findet Sue einen Flug und fliegt zurück.

  • Dennoch kommen bald darauf zwei Polizisten bei Matthias vorbei und durchforsten die ganze Wohnung nach Sue.

«Meine Frau Sue kommt aus Thailand. Ich habe sie Ende 2018 am Bahnhof in Zürich kennengelernt, als sie hier in den Ferien war. Wir haben uns Hals über Kopf ineinander verknallt. Nach ihrer Rückreise blieben wir telefonisch in Kontakt und wenige Monate später kam sie mich besuchen. Wir verbrachten eine wunderschöne Zeit und ehe ich mich versah, war ich in einer Fernbeziehung.»

Wegen Corona konnte Sue nicht nach Thailand reisen

Sue flog mehrmals hin- und her, um mich zu sehen: Mit ihrem Touristenvisum musste sie jeweils nach 90 Tagen Aufenthalt in der Schweiz wieder in ihr Heimatland zurückreisen und dort drei Monate verweilen, bevor sie mich erneut besuchen konnte. So auch Anfang 2020. Doch weil die Corona-Fallzahlen während ihres Schweiz-Aufenthaltes rasant gestiegen waren, wurden sämtliche Flüge nach Thailand gecancelt. Wir durchforsteten unzählige Websiten und suchten mehrere Reisebüros auf, doch wir fanden einfach nichts – oder nur seltsame Angebote, bei denen Sue in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder sonstwo gestrandet wäre.

Dieses Problem mussten wir vor Ablauf ihrer Aufenthaltsfrist dem Migrationsamt erklären. Die Mitarbeitenden des Amts schienen skeptisch und verhielten sich so, als würden wir sie anlügen. Mit einem Zeitungsartikel über die gestrichenen Flüge und einem Schreiben der thailändischen Botschaft konnten wir sie schliesslich überzeugen und Sue erhielt eine Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Das Seltsame: Trotz der Verlängerung stand wenige Tage darauf die Polizei vor unserer Haustür. Als wir den Polizist*innen die benötigten Papiere vorweisen konnten, verschwanden sie wieder. Dieses Spiel wiederholte sich noch einmal, da Sue wegen dem noch immer eingeschränkten Flugverkehr zwei Mal eine Verlängerung erhielt.

«Sogar hinter meinem Snowboard suchten sie nach Sue»

Bei Ablauf der dritten Frist war es anders: Mit viel Glück hatten wir schliesslich doch noch einen Flug für Sue – sie war inzwischen meine Verlobte – organisieren können. Als die Polizei bei mir anklopfte, war sie gerade in Bangkok gelandet. Die zwei Polizisten glaubten mir nicht und fragten, ob sie in der Wohnung nachschauen dürften. Ich hatte nichts zu verbergen und liess sie rein.

«Jedes Zimmer, hinter dem Duschvorhang und sogar im Estrich hinter meinem Snowboard suchten sie nach meiner Liebsten. Ich wurde immer nervöser. Auf ihre Bemerkung, die Wohnung sei ja voller Frauenkleider und ob ich sicher sei, dass sie nicht hier sei, entgegnete ich – verdutzt und leicht verärgert zugleich: «Sie wissen ja, wie Frauen sind». Dann entdeckten die Wachtmeister eine grosse DHL-Box in meinem Gang, worin sie meine Verlobte vermuteten. Ich beteuerte, dass wir in Kürze heiraten wollten und darin das Brautkleid verpackt sei, ich das jedoch auf keinen Fall sehen dürfe. Das nahmen sie mir schlussendlich abwohl auch, weil es an der Box keine Löcher zum Atmen hatte. Sie bedankten sich, dass ich ihnen Zutritt gewährt hatte, und verliessen die Wohnung. Ich habe nie wieder von ihnen gehört.»

«Wir mussten intimste Details über unsere Beziehung preisgeben»

Als ich Sue später am Telefon von dem Vorfall erzählte, konnte sie kaum glauben, welches Misstrauen uns die Behörden entgegengebracht hatten. Auch unsere Beziehung mussten wir auf verschiedene Weise bezeugen: Für die Ehevorbereitung mussten wir letztes Jahr in Fragebögen intimste Details über unsere Beziehung preisgeben und sie mit zahlreichen privaten Fotos belegen: Von uns beiden oder von jemanden von uns mit der Familie des jeweils anderen. Ich empfand das als sehr übergriffig.

Heute haben wir solche Probleme zum Glück nicht mehr: Im April haben wir standesamtlich geheiratet und im August ein wunderschönes Fest in der Kirche mit unseren engsten Familienmitgliedern und Freunden gefeiert. Wir sind sehr glücklich und lieben uns sehr. Von den Polizisten habe ich nie wieder etwas gehört. Ich hege keinerlei Groll gegen die zwei Herren, denn schliesslich haben sie nur ihren Job gemacht – wenn auch sehr gewissenhaft

Weil Matthias und seine Frau anonym bleiben wollen, kann die Stadtpolizei Winterthur das Geschilderte nicht bestätigen. Mediensprecher Adrian Feubli erklärt, dass die Polizei grundsätzlich im Auftrag des Migrationsamtes solche Ausreisekontrollen oder auch Kontrollen zur Überprüfung einer Scheinehe durchführe und sich dazu auch in Wohnungen umsehen könne.

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Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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