Aktualisiert 20.01.2016 16:50

Genfer Flughafen

«Die Polizei holte mich auf der Piste ab»

Mehrere Flughafen-Mitarbeiter, die ihren Badge verloren haben, sind vor die Medien getreten. Sie fühlen sich zu Unrecht in die Jihad-Ecke gestellt.

von
Jérôme Faas
Yann (28, links) und Aboubaker, 24, können nicht verstehen, wieso sie ihren Badge abgeben mussten und nicht mehr auf dem Genfer Flughafen arbeiten dürfen.

Yann (28, links) und Aboubaker, 24, können nicht verstehen, wieso sie ihren Badge abgeben mussten und nicht mehr auf dem Genfer Flughafen arbeiten dürfen.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Insgesamt sieben Mitarbeiter des Genfer Flughafens berichteten am Dienstag über ihre Aussperrung von ihrem Arbeitsplatz. Sie sind alle zwischen 20 und 30 Jahre alt und mussten am 22. Dezember ihren Badge abgeben. «Die Polizei holte mich direkt von der Piste und bat mich, meine Sachen aus meinem Spind zu nehmen», sagt Aboubaker, ein Franzose mit Wohnsitz in Annemasse (F).

Es geschehe alles aus Sicherheitsgründen, sagten die Polizisten zu Aboubaker und spedierten ihn ohne weitere Erklärung hinaus. Der 24-Jährige war vom Temporärbüro Adecco angestellt worden und arbeitete seit 2011 auf dem Rollfeld.

Trotz leeren Strafregister-Auszügen

Yann, ein 28-jähriger französisch-schweizerischer Doppelbürger mit Wohnsitz in Frankreich, arbeitet ebenfalls seit 2011 in Cointrin. «Am 22. Dezember teilte mir Adecco mit, dass mein Flughafen-Badge von der Polizei gesperrt wurde.» Er habe dem Flughafen und dem Staatsrat Pierre Maudet geschrieben, aber immer noch keine Antworten bekommen.

Es habe häufig Kontrollen gegeben, erzählt Yann. Er habe immer seinen Schweizer und seinen französischen Strafregisterauszug abgeliefert, beide seien leer. «Vielleicht bin ich auf der Liste, weil ich eine Zeit lang einen Chef hatte, der in Frankreich gesucht wurde?»

«Auch für sie gilt die Unschuldsvermutung»

An der Rückseite des Raumes sitzen fünf Kollegen arabischer Herkunft, die ebenso verblüfft sind. Einer erzählt, er habe schon am Flughafen gearbeitet, sich aber darum beworben, im Charterbereich arbeiten zu können. Ende November habe er die Erlaubnis für ein Wochenende erhalten. Am nächsten Tag sei sie wieder weg gewesen. Er habe bei den Zuständigen in der Haute-Savoie nachgefragt, ob er fichiert sei, und warte immer noch auf Antwort.

«Mit Ausnahme zweier Schweizer stammen alle Mitarbeiter, die ihren Badge abgeben mussten, ursprünglich aus muslimischen Ländern», sagt Jamshid Pouranpir von der Gewerkschaft SSP. Alle seien Franzosen und lebten in Frankreich. Gegen sie stehe nun der Vorwurf des Jihadismus und der Radikalisierung im Raum. Pouranpir: «Dabei gilt auch für sie die Unschuldsvermutung. Wir fordern, dass sie über ihre Rechte informiert werden und eine Entschädigung erhalten.»

Genf stärker betroffen als Paris

Mehrere arabische Mitarbeiter behielten jedoch ihre Stelle. «Glücklicherweise handelt es sich noch nicht um eine Jagd auf Menschen aus muslimischen Ländern», sagt Jamshid Pouranpir. Die Situation in Genf kritisiert er scharf. Am Flughafen Zürich habe es keine Veränderungen gegeben. Auch aus Basel-Mulhouse habe er nichts dergleichen gehört.

In Paris hingegen sei 57 Mitarbeitern der Badge abgenommen worden. Das sei aber nichts im Vergleich zu Genf, wo nur ein Zehntel der Angestellten von Paris beschäftigt würden. In Genf hätten aber insgesamt 33 Mitarbeiter den Job verloren, im Verhältnis gebe es dort fünfmal mehr Betroffene.

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