Bei Polizeieinsatz getötet: «Die Polizei kam regelmässig vorbei – wir hatten Angst»
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Bei Polizeieinsatz getötet«Die Polizei kam regelmässig vorbei – wir hatten Angst»

Ein Polizist gab in Suhr fünf Schüsse ab. Der 68-jährige C.T. starb noch vor Ort. Das Paar war an seinen Wohnorten bekannt.

von
Thomas Mathis
Lynn Sachs

Darum gehts

  • C.T. ist bei einem Polizeieinsatz in Suhr mit fünf Schüssen getötet worden.

  • Er und seine Partnerin waren im Quartier bekannt.

  • Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung gegen den Kantonspolizisten eröffnet.

«Messer weg! Messer weg!» Dann fallen fünf Schüsse – diese Szenen dokumentiert ein Video vom Polizeieinsatz in Suhr in der Nacht auf Dienstag. Trotz Reanimation erlag der 68-jährige Mann noch vor Ort den Schussverletzungen. Beim Opfer handelt sich um den PC-Kenner C.T.*, der in der Nähe des Tatorts wohnt. Ebenfalls im Video zu sehen ist seine 37-jährige Partnerin M.U.*

Im Quartier ist das Paar bekannt, wie mehrere Anwohner erzählen. «Es kam immer wieder zu Streitereien und Auseinandersetzungen zwischen den beiden», sagt eine 40-Jährige. Oft sei auch Alkohol im Spiel gewesen. Bereits am ehemaligen Wohnort ist das Paar laut Nachbarn negativ aufgefallen. «Die Polizei kam regelmässig vorbei – wir hatten Angst», so ein Anwohner.

Schwangere Frau attackiert

Bereits im April sorgte das Paar für Schlagzeilen. U. und T. haben vor der Migros-Filiale in Suhr mit einem Pfefferspray eine schwangere Frau und ihren Mann attackiert. Beim Streit soll es laut der schwangeren Frau um Geld gegangen sein. Wie ehemalige Nachbarn des Paars berichten, war es nicht das erste Mal, dass der Pfefferspray zum Einsatz kam.

Auf Social Media schwärmt der 68-jährige T. von der Fliegerei. Er war selbst auch Pilot. Die 37-jährige U. hatte sich vor ein paar Jahren zur Frau umoperieren lassen.

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Beim Opfer handelt es sich um den 68-jährigen C.T.

Beim Opfer handelt es sich um den 68-jährigen C.T.

Er wohnt im Quartier, wo der Polizeieinsatz stattfand.

Er wohnt im Quartier, wo der Polizeieinsatz stattfand.

Am Morgen zeugt Absperrband vom Einsatz in der Nacht.

Am Morgen zeugt Absperrband vom Einsatz in der Nacht.

sac

«Ich bringe dich um»

Laut der Staatsanwaltschaft war die Kantonspolizei Aargau kurz nach 22 Uhr alarmiert worden, weil ein 68-jähriger Mann damit gedroht habe, Suizid zu begehen. Vor Ort sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen der Polizei und dem Mann gekommen. «Der Mann sagte zum Polizisten, dass er ihn umbringen werde», sagt eine Anwohnerin.

Der Mann ist laut der Staatsanwaltschaft mit einem Messer auf die Polizisten zugegangen. Einer der vier Polizisten gab dann fünf Schüsse ab. Gegen den Polizisten, der seine Dienstwaffe gebrauchte, wurde ein verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet. Es wird geprüft, ob die Schussabgabe verhältnismässig war. Wer Angaben zur polizeilichen Schussabgabe in Suhr machen kann, wird gebeten, sich bei der Luzerner Polizei zu melden (Telefon 041 248 81 17).

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

Hast du oder jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Pro Juventute, Tel. 147

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