Kapo Bern in der Kritik: «Die Polizei nahm uns sogar Fingerabdrücke ab»
Aktualisiert

Kapo Bern in der Kritik«Die Polizei nahm uns sogar Fingerabdrücke ab»

Bei einer Grosskontrolle durchsuchte die Kapo Bern am Wochenende mehrere Fernreisebusse. Das Vorgehen wird von verschiedenen Seiten kritisiert.

von
Raphael Casablanca
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Zusammen mit dem Zoll und dem Grenzwachtkorps kontrollierte die Kantonspolizei Bern am Wochenende den grenzüberschreitenden Personenverkehr.

Zusammen mit dem Zoll und dem Grenzwachtkorps kontrollierte die Kantonspolizei Bern am Wochenende den grenzüberschreitenden Personenverkehr.

Leser-Reporter
Mehrere Passagiere waren irritiert über das Vorgehen der Polizei. Alle Kontrollierten wurden mit...

Mehrere Passagiere waren irritiert über das Vorgehen der Polizei. Alle Kontrollierten wurden mit...

Leser-Reporter
... Nummern gekennzeichnet, damit nichts vertauscht werden konnte.

... Nummern gekennzeichnet, damit nichts vertauscht werden konnte.

Die Kantonspolizei Bern führte am vergangenen Wochenende im Berner Wankdorf mehrere Kontrollen bei Reisecars und Kleinbussen durch. Dabei stellte sie in 22 Fällen nicht verzollte Ware fest und konnte eine zur Fahndung ausgeschriebene Person ausfindig machen. Trotzdem steht die Polizei in der Kritik: Mehrere Fahrgäste meldeten sich bei 20 Minuten und erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Eine davon ist die freie Journalistin und Musikerin Camilla Landbö. Sie wollte am 14. Oktober mit einem Reisecar von Bern aus nach Freiburg (D) reisen. Dort hätte sie am selben Tag mehrere Konzerte geben sollen. Dazu kam es jedoch nicht: «Insgesamt wurden wir rund vier Stunden lang von der Polizei festgehalten», sagt sie.

«Sie filmten uns ohne Vorwarnung direkt ins Gesicht»

Schon nach zehn Minuten Fahrt sei der Car von der Polizei rausgenommen worden. Plötzlich sei ein Beamter mit Kamera in den Bus gestiegen und habe ohne Vorwarnung begonnen, alle Passagiere abzufilmen, auch ihre Gesichter. «Es war eine sehr unangenehme Situation. Niemand wusste, was da gerade passiert», erinnert sich Landbö.

Sämtliche Passagiere hätten ihre Reisedokumente abgeben müssen, seien gefilzt und mit Polizeihunden auf Drogen kontrolliert worden. Die Reisenden hätten sogar ihre Fingerabdrücke abgeben müssen. «Man kam sich wirklich vor wie ein Verbrecher», so die Journalistin.

Aussage gegen Aussage

Landbö kritisiert weiter, dass die Fahrgäste nicht über den Ablauf der Kontrolle informiert wurden: «Die Polizei sagte uns lediglich, dass sie jetzt eine Kontrolle durchführe. Das war aber auch schon alles. Über die Hintergründe oder den Ablauf verloren die Polizisten kein Wort.»

Dominik Jäggi von der Kapo Bern sagt dazu gegenüber 20 Minuten, dass Fingerabrücke lediglich zum Abgleich mit der Fahndungsdatenbank genommen wurden: «Dabei wurden keine Daten gespeichert.» Dass die Passagiere nicht informiert worden seien, stimme nicht.

Doch Landbö beteuert, dass zum Zeitpunkt der Kontrolle niemand wusste, wie lange man noch aufgehalten werde und nach was oder wem die Polizisten da genau suchten. Erst nachdem sie sich als Journalistin zu erkennen gab, hätten die Polizisten die Passagiere über die Hintergründe der Kontrolle aufgeklärt.

Juristisch fragwürdig

Jurist Robert Vogel von Swisslegal sieht dennoch Handlungsbedarf: «Ich rate den betroffenen Passagieren, sich mit der Berner Polizei in Verbindung zu setzen.» Einerseits, um den wahren Grund für die Kontrolle in Erfahrung zu bringen, «aber auch, um eine schriftliche Zusicherung zu erhalten, dass die erfassten Daten von der Polizei gelöscht wurden.»

Allgemein fragt sich Vogel über die Rechtmässigkeit der Fingerabdruck-Aktion: «Eigentlich muss ein konkreter Tatverdacht vorliegen, um solche Daten zu erfassen.» Der Polizei hätte also eine Verfügung der Staatsanwaltschaft vorliegen müssen. Ob dies der Fall war ist unklar.

So ist der Jurist skeptisch, ob die Kontrolle der Kantonspolizei Bern verhältnismässig gewesen war. «Entweder verbirgt sich hinter der Aktion eine grossangelegte Fahndung oder die Polizei hat hier Grenzen entweder sehr extensiv interpretiert oder gar überschritten.» Es sei aus Sicht des Persönlichkeitsschutzes wichtig, dass der Vorfall aufgeklärt werde und Fakten auf den Tisch gelegt würden.

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