Koch-Areal-Besetzer: «Die Polizei und nicht wir war der Aggressor»
Aktualisiert

Koch-Areal-Besetzer«Die Polizei und nicht wir war der Aggressor»

Nachdem bei Ausschreitungen beim Koch-Areal drei Polizisten verletzt worden sind, wehren sich die Besetzer. Die Polizei habe angefangen und die «geklauten Esswaren» seien Abfall gewesen.

von
som
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Das Bürogebäude auf dem Koch-Areal ist seit Mai 2013 besetzt - jetzt können die Aktivisten dank der Stadt sogar bis auf Weiteres bleiben.

Das Bürogebäude auf dem Koch-Areal ist seit Mai 2013 besetzt - jetzt können die Aktivisten dank der Stadt sogar bis auf Weiteres bleiben.

Keystone/Steffen Schmidt
Transparente an diversen Gebäuden weisen auf die Besetzung des Areals hin.

Transparente an diversen Gebäuden weisen auf die Besetzung des Areals hin.

Keystone/Steffen Schmidt
Die Begrüssung ist freundlich ...

Die Begrüssung ist freundlich ...

Keystone/Steffen Schmidt

Eine Polizeipatrouille hat in der Nacht auf Donnerstag zwei Männer kontrolliert, die einen mit Lebensmittel beladenen Veloanhänger hinter sich herzogen. Bevor sie feststellen konnten, dass diese geklaut werden konnten, kam es zu wüsten Tumulten. Denn laut Meldung der Stadtpolizei mischten sich rund 30 Personen in die Kontrolle ein, die vom Kochareal herkamen. Sie hätten die Polizisten mit Gegenständen beworfen – drei von ihnen wurden verletzt.

Nun haben sich die Koch-Areal-Besetzer auf der Internetplattform Indymedia zu Wort gemeldet. Für sie ist klar: Nicht sie waren die Aggressoren, sondern die Polizei. Gemäss Mitteilung hätten sich maximal fünf Bewohner des Koch-Areals dazu gesellt, als sich die beiden Kontrollierten lautstark bemerkbar machten, weil sie Auskunft über die Situation wollten. Die Polizei habe diese jedoch verweigert und mit einer weiteren Kontrolle und Anzeige wegen «Nichtbefolgung einer Weisung gedroht».

«Auf brutalste Weise verhaftet»

Als zwei weitere Kastenwagen erschienen, kamen gemäss Mitteilung weitere Personen aus dem Koch-Areal dazu. Zwei weitere Kastenwagen mit Blaulicht seien erschienen, die Polizei habe ihre Einsatzkräfte mit Gummischrot, Pfefferspray und Schildern ausgerüstet und «sich martialisch positioniert». Währenddessen hätten die Polizisten die beiden Kontrollierten «auf brutalste Weise» verhaftet. «Mit drei Knien auf dem Rücken wird die Person auf den Boden gedrückt, schikaniert und in Handschellen gelegt», steht in der Mitteilung.

Die 20 Personen auf der anderen Strassenseite hätten daraufhin mit Rufen dagegen protestiert. Gewalttätig seien die Anwohner jedoch nicht gewesen: «Es wird lediglich Lärm gemacht und gefordert, die brutale Verhaftung zu beenden.»

Lebensmittel seien aus dem Abfall geholt worden

Die Polizei habe daraufhin Pfefferspray eingesetzt und damit gedroht, Gummischrott einzusetzen. Erst darauf seien einige «wenige Obstkistchen in Richtung der Polizei geflogen». Diese hätten symbolischen Charakter gehabt und seien zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Einsatzkräfte gewesen.

Danach hätten die Polizisten mit den Festgenommen den Ort verlassen. Gemäss der Mitteilung haben sich diese zwei Männer aus dem Abfall Brot und Gemüse geholt, das nicht für bedürftige Menschen zurückgelegt worden war. Die Polizei sei in diesem Fall ganz klar der Aggressor gewesen und habe in keinem Moment den Dialog oder die Deeskalation gesucht. «Dass man Gemüse, das weggeworfen wurde, als Diebesgut bezeichnet, ist purer Zynismus.»

Polizei weisst Vorwürfe zurück

Dass die Polizisten aggressiv waren, weisst Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, zurück: «Diese Personen vom Koch-Areal haben unsere Leute davon abgehalten, ihre Arbeit zu machen, indem sie sie beleidigt und sich aggressiv verhalten haben.» Man habe deshalb eingreifen müssen. Ebenfalls sei die gestohlene Ware kein Abfall gewesen: «Ein Grossverteiler hat sie für die Organisation Tischlein Deck dich zurückgestellt – die Esswaren wären also für die Ärmsten der Armen gewesen.»

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