Krawallnacht in St. Gallen: «Die Polizisten waren mit der Situation überfordert»
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Krawallnacht in St. Gallen«Die Polizisten waren mit der Situation überfordert»

Eine Anwohnerin und der Nachtschwärmer S. R. erzählen, wie sie Krawalle am Freitag in St. Gallen miterlebt haben. S. R. glaubt nicht, dass die Jugendlichen in Zukunft zuhause bleiben werden.

von
Nathan Keusch

Polizeieinsatz am Freitagabend in St. Gallen: Auf dem Roten Platz feierten mehrere hundert Jugendliche.

20min/News-Scout/BRK

Darum gehts

  • In mehreren Schweizer Städten wurde am Freitagabend illegal gefeiert.

  • In St. Gallen kam es sogar zu Ausschreitungen.

  • Die Krawalle gingen bis lange in die Nacht.

  • Gummischrot, Böller, Flaschen und Tafeln flogen durch die Luft.

In der Nacht auf Freitag kam es in verschiedenen Schweizer Städten zu illegalen Versammlungen von Partygängern. Zu wüsten Szenen kam es in St. Gallen, wo sich in der Nacht Krawallmacher ein Scharmützel mit der Polizei lieferten. Wie die St. Galler Stadtpolizei mitteilte, löste die Polizei eine illegale Party bei den Drei Weieren auf. Das Partyvolk sei dann weiter zum Roten Platz gezogen.

«Ich hörte Böller und Gummischrot»

«Zunächst war alles ganz human auf dem Roten Platz», sagt eine Anwohnerin, die die St. Galler Krawallnacht von ihrer Wohnung aus beobachten konnte. «Irgendwann begannen die Jugendliche, sich wie Hooligans zu verhalten und die Stimmung wurde sehr laut und aggressiv.» Es habe noch sehr lange gedauert, bis die Polizei eingeschritten sei. «Dann flogen Flaschen und Tafeln durch die Luft und man hörte Böller und Gummischrot-Salven.»

Anwesend auf dem Roten Platz war S. R.* Er wollte sich mit ein paar Freunden draussen einen gemütlichen Abend machen. «Ich stand mit meinen Kumpels etwas abseits. Am Anfang war es noch ein ganz normaler Freitagabend. Von einer Party wussten wir nichts. Überall waren kleine Gruppen von Jugendlichen.» Der Platz sei schon seit längerem ein Treffpunkt für Nachtschwärmer, die sonst nirgends hin können.

«Die Polizei war überfordert»

«Es kamen aber immer mehr Leute auf den Platz, bis er schliesslich voll war», erzählt er. Irgendwann hätte man die einzelnen Grüppchen nicht mehr auseinanderhalten können. «So viele Menschen habe ich dort noch nie gesehen. Die meisten waren sehr jung, etwa 15-22 Jahre alt», sagt er. Die zunächst friedliche Stimmung sei dann immer mehr gekippt. «Ein paar Jungs haben angefangen, Scheiben einzuschlagen und Nachtwärter mit Flaschen zu bewerfen», sagt S.R. Die Polizei sei zu diesem Zeitpunkt schon anwesend gewesen, hätte aber nicht eingegriffen. «Sie haben am Anfang die Strassen gesperrt, damit keine Autos durch die Menschenmasse durch müssen.»

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Illegale Party: Auf dem Roten Platz in St. Gallen versammelten sich am Freitagabend hunderte Jugendliche.

Illegale Party: Auf dem Roten Platz in St. Gallen versammelten sich am Freitagabend hunderte Jugendliche.

20min/News-Scout
Vor der Ankunft der Polizei hätten die Jugendlichen bereits Scheiben eingeschlagen, berichtet ein Augenzeuge.

Vor der Ankunft der Polizei hätten die Jugendlichen bereits Scheiben eingeschlagen, berichtet ein Augenzeuge.

Stadtpolizei St. Gallen
Um 22 Uhr rückte die Polizei mit einem Grossaufgebot aus. 

Um 22 Uhr rückte die Polizei mit einem Grossaufgebot aus.

20min/News-Scout

Nach 22 Uhr sei die Polizei dann aber mit einem Grossaufgebot auf dem Platz gewesen. S.R.: «Plötzlich standen dann Polizisten in Vollmontur, mit Schild und Schlagstock auf dem Platz.» Die Polizei hätte die Partygänger und Krawallmacher auf dem Roten Platz eingekreist. Die Versammlung hätte sich zunächst gar nicht auflösen können, sagt S. R. «Es wurde viel geschrien und man merkte, wie die Polizisten mit der Situation überfordert waren.» Nach einem Scharmützel mit der Polizei haben sich die Jugendlichen laut S. R. in der ganzen Stadt verteilt. «Bis um 2 Uhr waren noch überall Leute auf der Strasse.»

Dass das Eingreifen der Polizei auf lange Sicht etwas gebracht habe, bezweifelt S. R. «Wenn das Wetter okay ist, werden die Jungen auch nach draussen gehen», ist er sich sicher. Auch er werde in Zukunft wieder um die Häuser ziehen, so lange man nichts anderes machen könne. Von der Polizei werde er sich dabei nicht abschrecken lassen.

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