Aktualisiert 28.11.2011 19:40

Druckfrisch

Die Post ist nun auch ein Verlag

Eine neue Tageszeitung soll die Herzen der Schweizer Leserinnen und Leser erobern. Herausgegeben und gedruckt wird sie von der Schweizerischen Post.

von
Sabina Sturzenegger
Die «Voz de Galicia» neben der «Südostschweiz»: Die Post will die Zeitung in der Schweiz personalisieren. (Bild: Die Post)

Die «Voz de Galicia» neben der «Südostschweiz»: Die Post will die Zeitung in der Schweiz personalisieren. (Bild: Die Post)

«Ich bin auch ein Zeitungsverlag.» So könnte man den neusten Coup der Schweizerischen Post in Anlehnung an einen bekannten Werbespruch aus dem öffentlichen Verkehr umschreiben. Oder anders gesagt: Neben einem Logistikunternehmen, einer Bank und einem Kiosk will der gelbe Riese nun auch ein Verlag sein. Dazu hat er die erste personalisierbare Tageszeitung der Schweiz mit dem Namen «MyNewspaper» lanciert.

Mit der «Voz de Galicia» auf Leserfang

Das Modell funktioniert folgendermassen: Auf der Seite «MyNewspaper» können Leser aus derzeit neun inländischen und zwei ausländischen Tageszeitungen die Ressorts auswählen und sie nach Belieben zusammenstellen. Im Post-Zeitungs-Menü sind unter anderem die «Aargauer Zeitung», die «Berner Zeitung» und die «Südostschweiz» sowie der «Südkurier» aus Baden-Württemberg und die nordspanische «Voz de Galicia» enthalten.

Wetter immer auf der Front

Sport aus Spanien, Unfälle und Verbrechen aus dem Aargau, Wirtschaft aus Bern – so könnte also das personalisierte Blatt aussehen. Dabei ist die Reihenfolge der Ressorts vorgegeben, wie Post-Sprecherin Nathalie Salamin erklärt: Die Wetterkarte steht immer auf der Front, gefolgt von den Inlandseiten, den internationalen Nachrichten und der Kultur. Die Sportseiten machen den Schluss.

Dazwischen bleibt auch für Post-Inserate Platz: «Das Layout und der Seitenumfang erlauben es nicht immer, ein Ressort nahtlos ans andere anzuschliessen. Um die Lücken zwischen den Ressorts zu füllen, kommen ganzseitige Post-Inserate bzw. Füllerseiten zum Einsatz», sagt Salamin.

Das gedruckte Produkt werde «am Folgetag der Bestellung mit der Tageszustellung nach Hause oder frühmorgens ins Postfach geliefert», garantiert die Post gemäss ihrer Mitteilung. Der Leser kann aber auch Änderungen im Menü anbringen: Jeden Tag bis fünf Uhr Nachmittags werden diese berücksichtigt, präzisiert Salamin. Gedruckt wird die Post-Zeitung im Briefzentrum in Härkingen und ist vorerst in den Regionen Zürich, Basel, Bern, Luzern und Aarau erhältlich.

Stolzer Preis

Das Angebot der Post hat einige Vorteile, aber auch einen stolzen Preis: So kostet ein zweiwöchiges Testabo 30 Franken, ein Basisabo mit 24 Seiten kommt im Jahr auf 720 Franken zu stehen. Zum Vergleich: Das Jahresabo der «Aargauer Zeitung» kostet 404 Franken, der «Tages-Anzeiger» 398 Franken pro Jahr. Bei der Post ist man sich bewusst, dass dieser Preis relativ hoch ist. «Es ist keine normale Zeitung, sondern ein spezielles Angebot», sagt Nathalie Salamin dazu. «Wenn jemand beispielsweise keinen Sport will, kann er dieses Ressort weglassen und dafür Nachrichten aus zwei verschiedenen Regionen wählen», ergänzt sie. Es sei zum Beispiel gedacht, dass eine Firma «MyNewspaper» ihren Mitarbeitern oder ihren Kunden am Firmensitz anbieten könne.

Hilfe für die Verlage

Die Post verspricht, dass sie das Angebot laufend ausbaue. Laut Salamin kommen in den nächsten Tagen folgende Zeitungen hinzu: Der «Blick», der «Zürcher Oberländer», der «Tages-Anzeiger», «Der Bund» sowie die «Abendzeitung» aus München. Über die Finanzierung und die Höhe der Entschädigung für die Inhalte, welche die Verlage liefern, will die Post jedoch nichts sagen. Es gehe nicht darum, eine Konkurrenz zu bestehenden Zeitungstiteln zu sein, sondern den Verlagen die Möglichkeit zu geben, ihre Reichweite zu erhöhen und neue Leser zu gewinnen, schreibt das Unternehmen. Vorerst wird die Post-Zeitung nun ein Jahr lang getestet. Dabei will man herausfinden, wie gross die Nachfrage ist.

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