Ex-Mitarbeiter klagt an: Die Post soll Angestellte bespitzelt haben
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Ex-Mitarbeiter klagt anDie Post soll Angestellte bespitzelt haben

Ein ehemaliger Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schweizerische Post. Er sagt, er und weitere Angestellte seien überwacht worden.

von
mon
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Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet: Bei der Schweizerischen Post sollen Angestellte abgehört worden sein.

Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet: Bei der Schweizerischen Post sollen Angestellte abgehört worden sein.

Keystone/Laurent Gillieron
Der Vorwurf: Die Computersoftware, mit der Kundengespräche «zwecks Qualitätsverbesserung» aufzeichnet werden können, soll auch interne Telefongespräche der Post-Mitarbeiter aufgenommen haben.

Der Vorwurf: Die Computersoftware, mit der Kundengespräche «zwecks Qualitätsverbesserung» aufzeichnet werden können, soll auch interne Telefongespräche der Post-Mitarbeiter aufgenommen haben.

Keystone/Laurent Gillieron
Das Ganze aufgedeckt hat der ehemalige Post-Mitarbeiter und Teamleiter Hans Tanner. Er behauptet, dass er selbst bespitzelt worden sei.

Das Ganze aufgedeckt hat der ehemalige Post-Mitarbeiter und Teamleiter Hans Tanner. Er behauptet, dass er selbst bespitzelt worden sei.

Keystone/Anthony Anex

Skandal bei der Schweizerischen Post: Das Unternehmen soll seine Mitarbeiter bespitzelt haben. Neben dem Aushorchen des Personals gehörte auch das Abhören der Telefonate dazu. Wie der «Blick» schreibt, hat das Ganze der ehemalige Post-Mitarbeiter und Teamleiter Hans Tanner aufgedeckt. Zwei Post-Mitarbeiter standen am Donnerstag deswegen vor dem Kantonsgericht Schaffhausen.

Der Vorwurf: Die Computersoftware, mit der Kundengespräche «zwecks Qualitätsverbesserung» aufgezeichnet werden können, soll auch interne Telefongespräche der Post-Mitarbeiter aufgenommen haben. Wenn sich zum Beispiel bei Tanner ein Mitarbeiter krank meldete, wurde das Telefonat aufgezeichnet, so der Vorwurf des 50-Jährigen.

«Stillschweigend zugestimmt»

Auch die Schaffhauser Staatsanwaltschaft bezeichnete das Vorgehen als «illegal». Tanners Vorgesetzte hätten mehrfach «ein fremdes, nicht öffentliches Gespräch ohne die Einwilligung aller daran Beteiligten auf einen Tonträger aufgenommen, ausgewertet und Dritten zugänglich gemacht».

Das Kantonsgericht Schaffhausen sah das anders und sprach die Beschuldigten frei. Der Grund: Tanner habe gewusst, dass die Gespräche aufgezeichnet werden könnten. Laut der Einzelrichterin hätte er so «stillschweigend zugestimmt». Das sieht der ehemalige Teamleiter anders. Wie er sagt, habe er sich mehrfach über die Praxis beschwert. Tanner ist sich sicher, dass nicht nur er bespitzelt wurde. Er prüft nun die Möglichkeit, das Urteil anzufechten und die Klagen auf weitere Kader auszuweiten.

Post weist Vorwürfe zurück

Die Post hingegen weist den Vorwurf klar zurück: «Es gab keinen Post-Lauschangriff.» Laut Sprecherin Masha Foursova werde die Software seit 2017 nicht mehr eingesetzt. «Neu übernehmen die Kunden die Bewertung der Post-Mitarbeitenden», sagt sie. «Dass der ausgehende Anruf aufgezeichnet wurde, entsprach nicht dem Willen der Post.»

Die Unterlagen, die dem «Blick» vorliegen, zeichnen ein anderes Bild. Sie zeigen, dass sich die Post durchaus bewusst war, nicht richtig gehandelt zu haben. In einem Brief richtet sich die Konzernleitung im Oktober 2013 direkt an Tanner: «Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung wurden die nötigen Massnahmen getroffen. Die entsprechenden Systeme wurden komplett neu aufgesetzt, damit keine unerlaubten Aufzeichnungen von Gesprächen mehr erfolgen.»

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