Netzentwicklung 2020: Die Post will bis zu 600 Filialen schliessen
Aktualisiert

Netzentwicklung 2020Die Post will bis zu 600 Filialen schliessen

Die Post rechnet künftig mit noch 800 bis 900 traditionellen Poststellen – bis zu 600 Filialen könnten verschwinden. 1200 Angestellte sind betroffen.

von
S. Spaeth
Bern
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Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Post, kündigt einen Kahlschlag bei den Postfilialen an.

Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Post, kündigt einen Kahlschlag bei den Postfilialen an.

Keystone/Marcel Bieri
Bis zu 600 Postschalter könnten verschwinden.

Bis zu 600 Postschalter könnten verschwinden.

Keystone/Urs Flueeler
Die Menschen sind mobiler geworden - beruflich und in ihrer Freizeit. Dies spürt auch die Schweizerische Post.

Die Menschen sind mobiler geworden - beruflich und in ihrer Freizeit. Dies spürt auch die Schweizerische Post.

Keystone/Christian Beutler

Die Menschen sind mobiler geworden – beruflich und in ihrer Freizeit. Dies spürt auch die Post: Ihre Dienstleistungen werden vermehrt elektronisch nachgefragt. Die Post strebt darum Änderungen in ihrem Filialnetz an. Sie rechnet bis 2020 mit noch 800 bis 900 traditionellen Poststellen. Bis zu 600 herkömmliche Filialen könnten verschwinden. 1200 Angestellte sind von einer Veränderung betroffen. Das entspricht rund 700 Vollzeitstellen.

Die Post will aber keine ersatzlosen Schliessungen. Post-Chefin Susanne Ruoff will die Anzahl der Zugangspunkte von heute 3700 auf 4000 ausbauen. Im Zentrum stehen einerseits elektronische Dienstleistungen wie 24-Stunden-Automaten und andererseits Postagenturen und Servicestellen. «Wir haben mehr Handys als Bürgerinnen und Bürger in diesem Land», sagte Ruoff anlässlich einer Medienkonferenz in Bern.

Bereits in den letzten Jahren habe sich das Poststellennetz verändert, es gehe einfach in diesem Tempo weiter, betont Ruoff. Mit der Anzahl der Poststellen liege man immer noch über dem vom Gesetz verlangten Grundversorgungsauftrag.

Die Post schätzt, dass vom neuen Umbau in den nächsten vier Jahren 1200 Mitarbeiter betroffen sind. Man versuche Entlassungen zu vermeiden und für die Leute Lösungen innerhalb des Konzerns zu finden. Zudem greift laut Ruoff der mit den Gewerkschaften verhandelte, aktuelle Sozialplan. Zudem heisst es bei der Post, man würde neue Stellen schaffen.

Gespräche mit Kantonen und Bevölkerung

Laut eigenen Angaben will die Post bereits in Kürze mit den Kantonen in Kontakt treten, um über das Filialnetz zu sprechen. Ab Januar 2017 plant der Staatsbetrieb zudem die Bevölkerung in Gemeinden oder Quartieren, in denen eine Umwandlung oder Streichung einer Poststellen ansteht, zu Diskussionsveranstaltungen einzuladen. Laut der Post gibt es bereits eine Liste mit Poststellen, die mit Sicherheit verbleiben. Die Liste will Poststellen-Leiter Thomas Baur aber nicht veröffentlichen, da sonst die Diskussionen mit den Kantonen überflüssig würden.

Baur betont die Vorteile der neuen Formate. Die Agenturen hätten im Schnitt doppelt so lange Öffnungszeiten wie traditionelle Poststellen. Als Beispiele nennt Baur Agenturen in Apotheken, Hotels oder in Altersheimen. Auch will die Post stärker in Gewerbezonen vorrücken. Firmen sollen dort ihre Pakete an sogenannten Geschäftskundenstellen aufgeben können.

Neues Projekt: Post testet den Smart-Button

Zudem soll der persönliche Briefkasten ein zusätzlicher Zugangspunkt werden. In der Entwicklung ist derzeit ein Projekt mit einem Smart-Button, wie Baur sagt. Den Knopf bezeichnet Baur als neustes Baby. Über diesen Knopf soll der Kunde den Pöstler informieren können, dass ein Brief oder ein Paket im Milchkasten liegt, die abgeholt werden müssen. 2017 soll es einen Pilotversuch geben.

Pilotprojekt mit Rentnern

Wie aus einem internen Papier der Post hervorgeht, das 20 Minuten vorliegt, sollen Rentner künftig Post-Kunden bedienen. Das Projekt «Marie» sieht vor, dass die Senioren bei sich daheim «ein Basisangebot an Postleistungen» anbieten. Ihre Wohnungen sollen gleichzeitig Post-Schalter und «soziale Treffpunkte» sein. Die Konzernleitung hat Ende September entschieden, das Projekt in eine Pilotphase zu schicken, wie es in dem Dokument heisst.

Bei der Post heisst es auf Anfrage, es handle sich um eine Projektidee, die an einem internen Workshop erarbeitet worden sei. «Die Teilnehmer haben sich gefragt, welche Möglichkeiten es gibt, um Standarddienstleistungen der Post ausserhalb der gängigen Zugangsmöglichkeiten anzubieten», so Sprecher Oliver Flüeler. Ein Kriterium sei auch die Nähe zur Bevölkerung gewesen. (jbu)

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