Aktualisiert 11.01.2012 00:10

Affäre HildebrandDie Prüfer kannten nicht alle Details

Zum umstrittenen Devisenkauf der Familie Hildebrand, der den SNB-Präsidenten zu Fall gebracht hat, gaben die Wirtschaftsprüfer von PwC grünes Licht. Offenbar hatten sie keine Kenntnis der zuletzt enthüllten Dokumente.

Die Eidg. Finanzkontrolle und die Revisionsstelle der Schweizerischen Nationalbank (SNB), PricewaterhouseCooper (PwC), verteidigen ihre Beurteilung des Devisengeschäfts des ehemaligen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand, respektive seiner Frau.

«Unsere Untersuchungen basieren auf den Unterlagen, die wir von der SNB am 16. Dezember erhalten haben. Die neusten Unterlagen waren nicht dabei», sagte Claudia Sautter von PwC Schweiz in der Sendung «Echo der Zeit» von Schweizer Radio DRS am Dienstag.

E-Mail stand nicht zur Verfügung

Gemeint ist ein belastendes E-Mail vom Kundenberater Hildebrands bei der Bank Sarasin. Er erwähnt darin, dass Hildebrand im Gespräch am Vortag der Devisenkäufe gesagt habe, es sei für ihn in Ordnung, wenn seine Frau Dollar kaufen wolle.

Auch Kurt Grüter, Direktor der Eidg. Finanzkontrolle, stand die E-Mail bei der Prüfung der Finanztransaktion nicht zur Verfügung. Hätte die Finanzkontrolle Kenntnis davon gehabt, wäre der Bericht zuhanden des Bundesrates etwas anders ausgefallen: «Wir hätten innerhalb des Berichtes den Bundesrat informiert, dass diese Transaktion reglementskonform war, aber vielleicht nicht genügend sensibel wahrgenommen wurde von Hildebrand.»

«Im Nachhinein bedaure ich, dass wir Hildebrand nicht persönlich befragt haben», sagte Grüter im Radiobeitrag. Trotz dem Angebot, jederzeit ein solches Gespräch zu führen, habe die SNB ein solches abgeblockt: «Es wurde festgehalten, nicht von Herrn Hildebrand, aber von der Notenbank, dass ein solches Interview nicht möglich sei», sagte Grüter.

PwC wie auch die Finanzkontrolle kamen nach vertieften Prüfungen aller Transaktionen der Familie Hildebrand am 21. Dezember zum Schluss, dass es keine unzulässigen Transaktionen und keinen Missbrauch von privilegierten Informationen gegeben habe. Die Prüfer hatten einen uneingeschränkten und vollständigen Einblick in alle Banktransaktionen im Jahre 2011.

SNB hatte auch keine Kenntnis der Mail

Auch die SNB habe keine Kenntnis des belastenden Email-Verkehrs zwischen Hildebrand und dem Kundenberater gehabt, bestätigte SNB- Sprecher Walter Meier weitere Informationen von Schweizer Radio DRS. Demnach hatte Hildebrand das Mail, das sein grundlegendes Einverständnis zu einem grösseren Dollarkauf seiner Frau bestätigt, der SNB nicht gezeigt.

Dieses belastende Mail habe man erst auf Hinweis der Bank Sarasin gesucht und gefunden. Die ursprüngliche Einschätzung des Leiters des Rechtsdienstes, dass die Transaktion kein Problem darstelle, sei aufgrund unvollständiger Informationen zustande gekommen.

(sda)

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