Geräusche im Ohr: Die Psyche verstärkt Tinnitus
Aktualisiert

Geräusche im OhrDie Psyche verstärkt Tinnitus

Forscher messen die Hirnströme von Patienten, die an Tinnitus leiden. Ziel ist es, die Entstehung dieses Leidens zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

von
Claudia Hoffmann
Lautes Musikhören macht Spass, kann aber das Gehör schädigen. (Bild: Fotolia)

Lautes Musikhören macht Spass, kann aber das Gehör schädigen. (Bild: Fotolia)

Ein permanentes Piepsen, Pfeifen oder Rauschen – Menschen mit Tinnitus hören Geräusche, für die es keinen eindeutigen Auslöser gibt. «Lange glaubte man, das Ohr sei schuld», sagt Martin Meyer, Neurobiologe an der Uni Zürich. Heute weiss man: «Tinnitus entsteht im Gehirn, nachdem das Innenohr geschädigt wurde» (siehe Box).

Bestimmte Hörinformationen werden dann nicht mehr an die zuständigen Hirnzellen weitergeleitet. Diese kompensieren das Ausbleiben der Informationen mit unkontrollierter Aktivität – was von betroffenen Personen als nervtötendes Dauergeräusch wahrgenommen wird. «Aber nicht alle Patienten leiden gleich stark», sagt Martin Meyer. Während einige gut damit klarkommen, haben andere Schlafstörungen oder sogar Depressionen.

Noch keine Heilung möglich

Um herauszufinden, was den Unterschied macht, haben Meyer und sein Team zwei Gruppen von Patienten miteinander verglichen: solche, die sich wenig beeinträchtigt fühlten, und solche, die stark unter dem Tinnitus litten. Dazu massen sie deren Hirnströme mithilfe eines EEG. Ergebnis: Bei beiden Gruppen waren jene Hirnareale übermässig aktiv, die für die Verarbeitung von Hörinformationen zuständig sind. Zusätzlich war aber auch die Region aktiv, die die Aufmerksamkeit lenkt – jedoch nur bei Patienten mit grossem Leidensdruck. «Diese scheinen sich besonders intensiv mit dem Geräusch zu beschäftigen», sagt Meyer. Durch die permanente Aufmerksamkeit würden vermutlich Nervenverbindungen geknüpft, die das Dauergeräusch weiter verstärkten.

Um einen solch ungünstigen Verlauf frühzeitig zu erkennen, will Meyer in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich zukünftig bei Tinnitus-Patienten ein EEG durchführen. Längerfristiges Ziel sei, wirksame Therapien zu entwickeln. Denn eine Heilung gibt es bislang noch nicht.

Schutz vor Lärm beugt Tinnitus vor

Auslöser für den Tinnitus ist eine wiederholte Schädigung der Hörzellen im Innenohr. Diese wird beispielsweise durch laute Geräusche, Stress oder bestimmte Medikamente verursacht. Um sich gegen Lärm zu schützen, sollte man an Konzerten immer einen Gehörschutz (Ohrenstöpsel) tragen und Musik – auch über Kopfhörer – nicht zu laut aufdrehen.

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