Aktualisiert 29.09.2009 12:34

Obdachlose «Gwen»

Die Puppe für die Krise

Die Finanzkrise und ihre Folgen ziehen in den USA allmählich in alle Ebenen des Alltags ein – nun auch in das Kinderzimmer: Die letzte Kreation aus der Linie der «American Girl»-Puppen heisst Gwen und ist obdachlos.

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Gwen ist in den USA ein Riesenerfolg. «Ich denke, dass eine obdachlose Puppe eine gute Idee ist», findet eine Mutter, die gerade in einem «American Girl»-Laden in Los Angeles einkauft. «Ich denke, es wird das Bewusstsein darüber anregen, was auf der Welt passiert», sagt sie in die Kameras von CBS News.

Auch für den Vertreter der Hilfsorganisation «Los Angeles Mission» kommt Gwen sehr gelegen: «Ich finde es eine wunderbare Idee. Obdachlosigkeit kann nun jeden treffen, aus verschiedenen sozialen Schichten. Gwen ist sicherlich ein gutes Lehrmittel.» Denn, so wie alle anderen Puppen aus der «American Girl»-Reihe bringt auch Gwen eine Lebensgeschichte mit: Die mittellose Gwen wird in der Schule von ihren Mitschülern schikaniert und erhält Hilfe von ihrer Freundin Chrissa.

Gwen hat auch Gegner

Doch nicht alle sind glücklich mit Gwen. Interessenvertreter der Obdachlosen finden das «ganze Konzept etwas verwirrend». Alleine im Grossraum von Los Angeles leben schätzungsweise 7000 bis 10 000 obdachlose Kinder, von denen sich wohl kaum eines eine Gwen-Puppe leisten kann - bei ihrem happigen Preis von 95 Dollar.

«Es ist nicht eine Puppe, die ich einem Kind schenken würde», sagt eine obdachlose Frau gegenüber CBS. Es mache keinen Sinn, eine solche Puppe zu machen, wenn sie nicht wohltätigen Zwecken diene, meint die Frau.

Falsches Bild vermittelt

Ein weitere Sorge von Vertretern der Armen ist die falsche Botschaft, die an die Kinder gesendet wird. Tanya Tull, Verantwortliche von «Beyond Shelter», befürchtet, dass die «Kinder, ein falsches Bild vermittelt bekommen». Es könnte so aussehen, als sei es «in Ordnung, dass ein Segment der Gesellschaft auf der Strasse wohnt und dass es Kinder gibt, die obdachlos sind und andere, die es nicht sind.»

Zum Vorwurf, American Doll wolle mit Gwen nur Gewinn erzeugen, nimmt das Unternehmen Stellung: «Gwen soll für jeden eine Lebensschule sein.» Und obwohl vom Verkauf der obdachlosen Gwen kein Anteil an Wohltätigkeitsorganisationen geht, betont die Geschäftsleitung, dass man im Jahr 2006 500 000 Dollar an HomeAid gespendet habe. Und Gwen werde es auch nicht lange geben – die Puppe ist Teil einer limitierten Kollektion.

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