Aktualisiert 29.04.2013 11:37

«Rent en Ent»

Die quakende Alternative zu Schneckengift

Gute Nachricht für alle Hobbygärtner: Bei «Rent en Ent» werden indische Laufenten zur Bekämpfung von Nacktschnecken vermietet. Die Vögel verputzen dabei bis zu 30 Weichtiere am Tag.

von
A. Meili und D. Galka

Bei gefrässigen Schnecken hilft oft nur eins: Giftkörner streuen und warten, bis die ungebetenen Gäste langsam sterben. Diese Methode ist jedoch nicht gerade tierfreundlich und lässt meistens ein wahres Massaker im Garten zurück. Dass es aber auch anders geht, beweist Hauswirtschaftslehrerin Pia Oechslin aus Lauerz SZ. Unter dem Titel «Rent en ent» vermietet sie als einzige Person in der Schweiz indische Laufenten zur Bekämpfung der Schneckenplage im heimischen Garten.

Die Enten sind dabei äusserst effektiv. Ein Tier frisst bis zu 14 Nacktschnecken pro Mahlzeit und manchmal gönnt es sich auch noch einen kleinen Snack zwischendurch - macht bei einer Mahlzeit am Morgen und einer am Abend über 30 Schnecken am Tag. Doch nicht nur Schnecken stehen auf dem Speiseplan der gefiederten Gourmets. Gemäss dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst werden auch andere Schädlinge wie Dickmaulrüssellarven, Würmer und Engerlinge von den Enten mit Genuss verspeist. Das Beste daran: Angepflanztes Gemüse und Salat werden von den Enten nicht angerührt. «Ausser eine Schnecke befindet sich auf einem Salatblatt oder ist gerade darüber gekrochen», erklärt Oechslin.

Enten legen auch in fremden Gärten sofort mit dem Jagen los

Für zahlreiche Hobbygärtner kommt die Idee mit den indischen Laufenten wie gerufen. Denn laut Zoologe Peter Müller liess der Frühlingsanfang die Gärten spriessen und lockte damit hungrige Schnecken aus ihren Verstecken hervor: «Die Schnecken haben nun genug zu fressen und fühlen sich bei der feuchten Witterung der letzten Tage besonders wohl. Die Schneckensaison hat definitiv begonnen.»

Für fünf Franken am Tag lassen sich zwei Enten bei Oechslin mieten - für einen entsprechenden Aufpreis bringt sie die Tiere sogar zu einem nach Hause. Die Utensilien für den Unterhalt der Enten liefert sie gratis mit. Laut der Züchterin brauchen die Vögel bloss eine Grünfläche, ein Wasserbecken, ein Gehege und eine Hütte, damit sie am Abend eine Schlafgelegenheit haben. Sie können also auch problemlos in kleineren Gärten leben. Die Vögel brauchen zudem kaum Eingewöhnungszeit und gehen auch in fremden Gärten sofort mit knurrenden Mägen auf Schneckenjagd.

Geld ist nicht die Motivation

Momentan hat Pia Oechslin zehn ihrer geliebten Tiere vermietet. Etwa dreissig Exemplare hausen bei ihr im Garten. Tendenziell spürt sie eine steigende Nachfrage nach den Jägern: «Ich erhalte immer mehr Anfragen. Einige Enten wurden sogar schon vorreserviert.»

Immer wieder kommt es auch vor, dass Kunden die gemieteten Tiere nicht mehr zurückgeben wollen. Dafür hat die Züchterin Verständnis und verkauft deshalb auch Enten - je nach Alter zu einem Preis zwischen 25 und 55 Franken. Reich wird Oechslin damit zwar nicht, ihre Motivation ist aber sowieso nicht das Geld, sondern die Liebe zu den Tieren.

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