Aktualisiert 31.03.2011 15:34

Elfenbeinküste«Die Rebellen haben in Gbagbos Bett geschlafen»

Anhänger des als ivorischen Präsidenten anerkannten Alassane Ouattara haben die Hauptstadt Yamoussoukro eingenommen. Nun stehen sie vor den Toren von Abidjan, der grössten Stadt des Landes.

In der Elfenbeinküste hat am Donnerstag der Kampf um Abidjan begonnen. Nachdem die Soldaten des Präsidenten Alassane Ouattara bei ihrem Vormarsch auf wenig Gegenwehr gestossen sind, wird in der Millionenstadt nun ein letztes Aufbäumen der Anhänger des abgewählten Machthabers Laurent Gbagbo erwartet.

Abidjan werde an mehreren Fronten, aus mehreren Richtungen angegriffen, sagte ein Berater der Ouattara-Kämpfer. In einem nördlichen Stadtteil von Abidjan, der bereits erobert worden sei, seien Gefängnis angegriffen und die Insassen befreit worden.

In der Nacht sei bereits der Geburtsort des früheren Machthabers eingenommen worden. «Die Rebellen haben in Gbagbos Bett geschlafen», sagte der Berater, der anonym bleiben wollte. Seine Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Bestätigt ist, dass der Chef der ivorischen Streitkräfte, General Philippe Mangou, in der Nacht zum Donnerstag Zuflucht in der Residenz der südafrikanischen Botschafterin in Abidjan suchte. Dies teilte das südafrikanische Aussenministerium mit.

UNO-Resolution gegen Gbagbo

Am Mittwoch hatten die Ouattara nahestehenden Kämpfer die Kontrolle über die Hauptstadt Yamoussoukro übernommen, am Abend des gleichen Tages eroberten sie auch die Hafenstadt San Pedro, die wegen des für die Elfenbeinküste wichtigen Kakao-Exports von strategischer Bedeutung ist.

Die Millionenstadt Abidjan ist jedoch das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes und zugleich die wichtigste Machtbasis von Gbagbo, der sich im dort gelegenen Präsidentenpalast verschanzt hat.

Der UNO-Sicherheitsrat in New York forderte am Mittwoch in einer Resolution das Ende der Gewalt und verurteilte Gbagbos Entscheidung, die Wahl Ouattaras zum Präsidenten nicht zu akzeptieren. Das Gremium drängte Gbagbo «umgehend abzutreten».

Zudem wurden ein Reiseverbot gegen Gbagbo, seine Frau sowie drei wichtige Vertraute verhängt und ihr Vermögen eingefroren. Internationale Beobachter befürchten, dass die seit Monaten anhaltenden Konflikte zwischen den beiden Lagern zu einem Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land führen könnten.

Gbagbo als schlechter Verlierer

Die Präsidentenwahl im vergangenen November sollte eigentlich einen Schlussstrich unter den Bürgerkrieg von 2002/2003 ziehen. Gbagbos Weigerung, die Wahlniederlage anzuerkennen und abzutreten, hat die Kämpfe neu entfacht. Ouattara wird von der internationalen Öffentlichkeit als gewählter Präsident anerkannt.

Um ihre drohende Niederlage abzuwenden, begann die loyal zu Gbagbo stehende Armee, Waffen an junge Anhänger zu verteilen. Sie sind als besonders gewalttätig bekannt.

Nach offiziellen Angaben wurden bei den Kämpfen bisher mehr als 470 Menschen getötet, die wirkliche Zahl der Toten dürfte aber um einiges höher liegen. Millionen Menschen wurden obdachlos. (sda)

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