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Cyber-GegenschlägeDie Rechtsgrundlage fehlt

Die Schweiz muss ihre Kräfte gegen Internetangriffe besser bündeln und ausbauen. Dies fordert der Projektleiter für die Cyber-Defense-Strategie des Bundes, Kurt Nydegger.

von
Gaudenz Looser

Herr Nydegger, wie schlecht ist die Schweiz gegen Cyberattacken geschützt?

Kurt Nydegger: Wir sind nicht schlecht gerüstet, jedenfalls nicht schlechter als andere Staaten. Ein Problem ist, dass beim Bund, bei der Wirtschaft und bei den kritischen Institutionen wie Energieversorgung, Telekommunikation- oder Transportsektor jeder für sich schaut. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, weil wir sonst bei längeren Krisen zu wenig personelle Reserven haben.

Führt Ihr Auftrag zur Gründung einer Cyberarmee?

Nein, es geht um ein übergeordnetes Instrument, das im Fall einer grösseren Cyberattacke zwischen den bestehenden Institutionen rasch Know-how und nötigenfalls personelle Ressourcen zur Verfügung stellt. Es ist wichtig, eine schweizweite Koordination im Bereich der Cyber Defense sicherzustellen. Operativ bleiben die bestehenden Institutionen aber in jedem Fall eigenständig.

Geht es um eine militärische, eine polizeiliche oder um eine nachrichtendienstliche Cybereinheit?

Weder noch. Aber sie arbeitet mit Einheiten all dieser Bereiche zusammen.

Wie funktioniert Cyber Defense – gibt es da Schweizer Hacker, die bei Attacken zum Cyber-Gegenschlag ausholen?

Nydegger: Nein, im Moment beschränken wir uns bei Cyber Defense auf Schutz und Abwehr. Für Cyber-Gegenschläge, wie Sie es nennen, fehlt uns die Rechtsgrundlage. Die Cyber-Defense-Strategie wird aufzeigen, wie wir uns in Zukunft gegen solche Angriffe schützen können.

Was müsste ich tun, wenn ich als junger Informatiker Cyberkrieger werden möchte?

Wir finden in der Regel die Personen, die wir benötigen. Aber eine reguläre Bewerbung kann auch funktionieren.

Nationale Strategie Cyber Defense

Immer häufiger greifen Hacker die Computersysteme des Bundes und der Schweizer Wirtschaft an. Hinter den Angriffen stehen Kriminelle, aber auch andere Länder. Aufgrund dieser Erfahrungen und mit dem Wiki­leaks-Problem im Nacken hat der Bundesrat im Dezember Kurt Nydegger mit der Erstellung einer nationalen Strategie Cyber Defense beauftragt, wie der virtuelle Raum der Schweiz besser vor Angriffen geschützt werden kann. Heute stellt er am Polizeiinformatikkongress in Bern einen Zwischenstand seiner Arbeit vor.

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