Aktualisiert 07.08.2014 09:41

Schumi-Akten-Klau

«Die Rega muss jetzt wirklich aufpassen»

Der Fall des toten Rega-Kadermanns bringt die Rettungsflugwacht in eine heikle Situation. Experten schätzen ein, wie sich dies auf das Image der Rega auswirken könnte.

von
rok

Ein Kadermitarbeiter der Rega ist am Dienstag verhaftet worden, weil er unter dringendem Tatverdacht stand, die Krankenakte von Michael Schumacher gestohlen zu haben. Am Mittwochmorgen wurde er tot in seiner Zelle gefunden - er hatte sich erhängt. Die Staatsanwaltschaft hat «keine Hinweise auf eine anderweitige Täterschaft» - das Verfahren wird nun voraussichtlich eingestellt.

Eine heikle Situation für die Rega, die vom Vertrauen ihrer Gönner lebt. Rund 2,5 Millionen Gönner tragen die Organisation mit ihren Spendengeldern mit. 2012 nahm die Rega dadurch 83 Milionen Franken ein. Ein nachhaltiger Imageschaden und Spendenrückgang hätte für die Rega schwerwiegende finanzielle Konsequenzen.

«Rega muss Verantwortung übernehmen»

Laut Kommunikationsexperte Marcus Knill ist es nun entscheidend, wie sich die Rega in den nächsten Tagen gegenüber der Öffentlichkeit verhält. Sie müsse sich in dieser Krisensituation richtig verhalten und ehrlich kommunizieren. Sonst sei ihre Reputation schnell im Eimer. «Die Rega muss für den Fall Verantwortung übernehmen und darf ihn keineswegs bagatellisieren oder rechtfertigen.»

Für Reputationsberater Peter Metzinger wären voreilige Schlüsse oder Vorverurteilungen des verdächtigen Rega-Mannes für den Ruf der Firma ebenfalls fatal. Er rechnet jedoch damit, dass aufgrund professioneller Kommunikation seitens der Rega der aktuelle Vorfall nicht mehr als «einen leichten Kratzer im Lack» der Rega hinterlasse. «Die Öffentlichkeit kann zwischen der Institution Rega und den Handlungen einzelner Mitarbeiter unterscheiden.» Metzinger rechnet daher weder mit Spendeneinbrüchen noch mit einem Imageschaden.

Nicht der erste Krisenfall

Nicht ganz so entspannt sieht das Knill: «Ich habe Angst, dass die Rega jetzt unter Druck einen kapitalen Fehler macht», so Knill. «Sie muss wirklich aufpassen und bedacht kommunizieren.» Es sei nicht der erste Krisenfall, der Knatsch mit dem TCS etwa liegt noch nicht lange zurück.

«In der jetzigen Krise geht es um die Reputation», so Knill. Es werde sich zeigen, ob die Rega dank proaktiver Kommunikation grösseren Schaden abwenden könne, «oder ob sie durch unbedachte Kommunikationspannen einen irreparablen Imageschaden erleidet.»

Metzinger geht zwar nicht von nachhaltigen Imageschäden aus, sieht aber in der Einstellung des Verfahrens ein Problem für die Rega. Wegen des Suizids des Kadermannes könne nun wohl nicht mehr geklärt werden, ob er wirklich schuldig war oder nicht. «Dies wirft einen Schatten auf die Rega.» Es sei ein Verdachtsmoment, von dem sie sich nicht mehr reinwaschen könne.

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