Nachfolge von Schneider-Ammann: «Die Regierung muss auch Junge vertreten»
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Nachfolge von Schneider-Ammann«Die Regierung muss auch Junge vertreten»

Als Nachfolge für Johann Schneider-Ammann fordern mehrere Politiker junge Kandidaten. Denn die Interessen der Jugend seien im Bundesrat nicht vertreten.

von
P. Michel
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Nach dem Rücktritt von Johann Schneider-Ammann dreht sich das Kandidatenkarussell.

Nach dem Rücktritt von Johann Schneider-Ammann dreht sich das Kandidatenkarussell.

Keystone/Anthony Anex
SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann favorisiert Petra Gössi (42, Bild): «Es braucht jetzt frisches, junges, liberales Blut im Bundesrat.»

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann favorisiert Petra Gössi (42, Bild): «Es braucht jetzt frisches, junges, liberales Blut im Bundesrat.»

Gabriele Putzu
Lebenserfahrung sei teils auch überbewertet, findet Steinemann: «Es wäre wichtig, dass eine junge Person, die keine liberale Windfahne ist, nachrückt.»

Lebenserfahrung sei teils auch überbewertet, findet Steinemann: «Es wäre wichtig, dass eine junge Person, die keine liberale Windfahne ist, nachrückt.»

Keystone/Anthony Anex

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann tritt per Ende 2018 ab. Die Debatte über seine Nachfolge ist damit lanciert. Für die 42-jährige SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann ist klar, dass das derzeitige Durchschnittsalter von 58 Jahren im Bundesrat zu hoch ist: «Es braucht jetzt frisches, junges, liberales Blut im Bundesrat.»

Lebenserfahrung sei teils auch überbewertet, findet Steinemann: «Es wäre wichtig, dass eine junge Person, die keine liberale Windfahne ist, nachrückt – etwa Petra Gössi.» Eine klare liberale Haltung sei wichtiger als Erfahrung oder Dossierfestigkeit.

Auch die Jungparteien fordern, dass die FDP auf ihr jüngeres Personal zurückgreift. Zu den jüngeren Kandidaten gehören etwa Ständerat Andrea Caroni (38), Damian Müller (33) oder Petra Gössi (42).

«Brauchen Digital Natives in der Regierung»

Unabhängig von den möglichen Kandidaturen ist Maja Haus, Co-Präsidentin der Jungen Grünen, überzeugt, dass auch Bundesräte in diesem Alter genügend Erfahrung für das Amt mitbringen: «Seit einiger Zeit ist es möglich, sich bereits als Teenager in Parteien zu engagieren. Im Alter von 30 Jahren kann man also durchaus bereits über das nötige Rüstzeug verfügen.» Laut Haus braucht es junge Digital Natives in der Regierung, die neben digitalen Themen auch die für Junge drängenden Fragen wie die AHV-Sanierung oder den Klimawandel mit offenem Visier angehen. «Schlussendlich ist es zwingend, dass die Regierung auch die Jungen repräsentiert.»

Auch Pascal Vuichard von den Jungen Grünliberalen findet, dass ein junger Bundesrat oder eine junge Bundesrätin die Probleme der Zukunft mutiger angehen kann: «Wer schon lange dabei ist und ein gewisses Alter erreicht hat, scheut oft die Risiken und sieht zu wenig die Chancen.» Er denkt dabei an die Ausrichtung der Europapolitik oder den Umweltschutz.

Juso fordern weibliches Doppelticket

Das Geschlecht des Nachfolgers von Schneider-Ammann dürfte ebenfalls noch zu reden geben. Die SP-Frauen fordern etwa von der FDP ein doppeltes Frauenticket. Und für die Juso ist klar: «Wenn es zu einem Doppelrücktritt von Leuthard und Schneider-Ammann kommt, ist es zwingend, dass es zwei weibliche Nachfolgerinnen braucht», sagt Juso-Vizepräsident Lewin Lempert. Beim Rücktritt von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter wählte das Parlament die nominierte Frau, Isabelle Moret, nicht. Ob CVP-Bundesrätin Doris Leuthard noch diese Woche zurücktritt, wollte ihr Departement am Dienstag nicht kommentieren.

Für die Junge FDP ist das Alter nicht entscheidend

Für den Präsidenten der Jungen FDP, Andri Silberschmidt, war Johann Schneider-Ammann «ein guter Anwalt für die Interessen der Jugend». Er habe sich starkgemacht für die Berufslehre und die Digitalisierung.

«Das Alter ist nicht entscheidend dafür, dass sich ein Bundesrat für die Jungen einsetzen kann», findet Silberschmidt. Eine Quote für einen «jungen» Nachfolger oder eine «junge» Nachfolgerin sei genauso falsch wie für die Frage des Geschlechts. «Die Frauen-Debatte wird sicher gross geführt werden», sagt Silberschmidt.

Schneider-Ammann sagte an der Medienkonferenz selbst: «Männer, hört jetzt nicht zu. Natürlich täte der Partei eine Frau gut.» Silberschmidt persönlich würde es «begrüssen», wenn auf Schneider-Ammann eine Frau folgen würde. «Dann müssen die Linken unsere Kandidatinnen auch wählen.» Auf eine Personalie will er sich noch nicht festlegen. Wichtig sei aber vor allem, dass sich der neue Bundesrat für drängende Themen der Jugend wie die Beziehungen zur EU, AHV oder Berufslehre einsetze.

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