Aktualisiert 27.03.2013 09:24

Freysinger unter Beschuss

«Die Reichskriegsflagge muss weg»

In Oskar Freysingers Haus hängt eine Reichskriegsflagge. Politiker verlangen, dass der Walliser SVP-Regierungsrat die Flagge abhängt.

von
D. Pomper

Oskar Freysinger und die Reichskriegsflagge. (Video: 10vor10 vom 25. März 2013)

Andere haben eine Fahne mit dem Schweizer Kreuz bei sich hängen oder eine vom liebsten Fussballklub. Bei SVP-Nationalrat Oskar Freysinger zu Hause dagegen hängt eine grosse Reichskriegflagge an der Decke. Diese Fahne symbolisiere das wilhelminische Deutschland, erklärte Freysinger in der SRF-Sendung «Reporter».

Doch die Flagge ist heute vor allem unter Neonazis verbreitet. «Die Reichskriegsflagge wird in Kreisen gezeigt, die damit ihrer rechtsextremen Gesinnung Ausdruck geben wollen», zitiert der «Tages-Anzeiger» Sven Lüken vom Deutschen Historischen Museum in Berlin. Freysinger will vom problematischen Hintergrund der Flagge nichts gewusst haben: «Ich habe die Flagge aus rein ästhetischen Überlegungen gekauft; ich fand sie irgendwie schön.» Mit rechtsextremen Ideologien habe er nichts am Hut.

Dies nimmt ihm CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter nicht ab: «Freysinger ist historisch sehr bewandert. Dass er die Flagge aus ästhetischen Gründen gekauft hat, glaubt er ja selber nicht. Diese Flagge ist Ausdruck seiner Gesinnung.» Es sei schliesslich bekannt, dass Freysinger Verbindungen zur rechtsextremen Szene in Europa unterhalte und Teile ihrer Ideologie teile. So trat Freysinger 2011 vor der rechtsextremen Organisation Ripose Laique in Frankreich auf. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin fordert, dass sich Freysinger distanziert und die Flagge abhängt. SP-Nationalrat Matthias Aebischer findet zwar, dass grundsätzlich jeder zu Hause aufhängen könne, was er wolle. Er empfiehlt aber seinem Kommissionskollegen und «glorios gewählten» Walliser Regierungsrat die Flagge zu entfernen. Dies aber kommt für Freysinger nicht in Frage: «Die Fahne ist nicht verboten. Sie bleibt hängen.»

Diese «Uneinsicht» sorgt bei der Grünen Partei Oberwallis für Unmut. Denn Freysinger gilt auf Grund seiner Zweisprachigkeit und seiner Lehrertätigkeit als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Walliser Bildungsdirektors. Die Departemente werden Anfang April zugeteilt. Die Partei fordert, dass sich Freysinger offiziell von rechtsradikalem Gedankengut distanziert: «Einen Bildungsdirektor mit einer solchen Flagge im Haus erachten wir als äusserst problematisch», sagt Grünen-Präsidentin Brigitte Wolf. Auch CVP-Ständerätin Brigitte Häberli von der Bildungskommission hat Bedenken. «Als künftiger Bildungsdirektor sollte man ein Vorbild für die Schüler und Lehrpersonen sein. Ich hoffe, dass Freysinger genug politisches Feingefühl hat und die Fahne entfernt.» Nun sei die Walliser Regierung gefordert eine Lösung zu finden.

Das Erziehungsdepartement des Kanton Wallis und die Oberwalliser Lehrerorganisation wollten keine Stellung nehmen.

SRF verzichtete bewusst auf Beitrag zu Flagge

Als die Walliser Stimmberechtigten SVP-Mann Freysinger am 17. März in die Kantonsregierung wählten, wussten sie noch nichts von der Reichkriegsflagge in seinem Haus. Das heikle Detail kam erst am letzten Sonntag durch die Sendung «Reporter» ans Licht. Das Schweizer Fernsehen hatte die Aufnahmen zwar bereits Mitte Februar abgedreht, verzichtete aber bewusst auf eine Veröffentlichung, wie der «Blick» am Mittwoch berichtet. «Hätten wir die Fahnen-Geschichte kurz vor den Wahlen publiziert, hätten wir damit direkt in den Wahlkampf eingegriffen», wird SRF-Chefredaktor Diego Yanez zitiert. «Das widerspricht unseren Leitlinien.» Zudem erklärt der Autor der Sendung, Roland Huber, er habe an der Flagge nichts Anrüchiges erkannt. (hhs)

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