Umfrage bei Polizeikorps: «Die Religion spielt bei Polizisten keine Rolle»
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Umfrage bei Polizeikorps«Die Religion spielt bei Polizisten keine Rolle»

Wichtig für die Polizeiarbeit sei nicht die Religion, sondern die Sozialkompetenz, heisst es bei Schweizer Polizeikorps. Radikale Tendenzen würden rasch erkannt.

von
ann
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Der grösste Teil der Flughafenpolizei in Zürich, rund tausend Mitarbeitende, sind Zivilangestellte ohne Polizeiausbildung. Sie durchleuchten das Gepäck und die Passagiere.

Der grösste Teil der Flughafenpolizei in Zürich, rund tausend Mitarbeitende, sind Zivilangestellte ohne Polizeiausbildung. Sie durchleuchten das Gepäck und die Passagiere.

Keystone/Dominic Steinmann
Einer dieser zivil angestellten Mitarbeiter der Kantonspolizei konvertierte im Frühling 2015 zum Islam und wurde tiefreligiös. Daraufhin wurde er von der Kantonspolizei überprüft und freigestellt.

Einer dieser zivil angestellten Mitarbeiter der Kantonspolizei konvertierte im Frühling 2015 zum Islam und wurde tiefreligiös. Daraufhin wurde er von der Kantonspolizei überprüft und freigestellt.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die Religion ist für Mitglieder der Schweizer Polizeikorps aber grundsätzlich unwichtig. Mehrere beschäftigen auch muslimische Polizeibeamte.

Die Religion ist für Mitglieder der Schweizer Polizeikorps aber grundsätzlich unwichtig. Mehrere beschäftigen auch muslimische Polizeibeamte.

Keystone/urs Flueeler

Ein Zivilangestellter der Sicherheitspolizei am Flughafen Zürich konvertierte zum Islam und wurde innert kürzester Zeit tiefreligiös. Nach einer Befragung und einem Früherkennungstest stellte die Flughafenpolizei den Mann sofort frei. Bei der Kantonspolizei Zürich betont man: «Es handelt sich um einen absoluten Einzelfall.»

Eine Umfrage bei mehreren Schweizer Polizeikorps zeigt: Auch Muslime leisten hierzulande Polizeiarbeit. «Zahlen haben wir keine, aber wir haben bei der Stadtpolizei Zürich auch Polizisten, die Muslime sind», sagt Marco Cortesi. Das sei auch richtig, denn man sei ein Abbild der Bevölkerung. «Wichtig für die Arbeit des Polizisten ist aber die Sozialkompetenz, die religiöse Ausrichtung spielt keine Rolle.»

Wer negativ auffällt, wird nicht eingestellt

Ähnlich sieht man dies bei der Kantonspolizei Zürich. Zeige jemand radikale Tendenzen, schaffe er die Aufnahme ins Polizeikorps erst gar nicht. «Bei der Bewerbung durchläuft er zahlreiche Tests und Befragungen und muss Unterlagen wie Betreibungs- und Strafregisterauszug sowie Leumundszeugnisse beilegen», sagt Sprecher Stefan Oberlin von der Kapo Zürich.

Auch bei der Polizei Basellandschaft ist die Religionszugehörigkeit kein Hindernis für eine Einstellung. «Zum Bewerbungsprozess der Kantonspolizei Baselland gehört aber eine umfassende Prüfung der Person mit allen Registerauszügen, Tests und Assessments, um die Kandidaten auf Herz und Nieren zu prüfen.» Wer dort negativ auffalle, werde nicht eingestellt.

Das Polizeipersonal ist ein Abbild der Bevölkerung

Eine Gefahr stellt laut den befragten Korps auch eine allfällige Radikalisierung nach der Anstellung nicht dar. «Nach erfolgter Ausbildung arbeiten die Mitarbeiter in einem Team, dort würde eine Verhaltensänderung erkannt werden», sagt Florian Schneider von der Kantonspolizei St. Gallen. Würde eine Radikalisierung auftreten, so würden die Hinweise überprüft und je nach Fall entsprechende Massnahmen ergriffen. Schneider: «Bei uns verschwindet kein Mitarbeiter in der Anonymität der Masse.»

Gar kein Thema sind Muslime beim Verband Schweizerischer Polizeibeamten. «Es wurde noch nie von den Mitgliedern an uns herangetragen», sagt Generalsekretär Max Hofmann. Zur allfälligen Radikalisierung eines Angehörigen eines Polizeikorps sagt Hofmann denn auch nur so viel: «Das Polizeipersonal ist ein Abbild der Bevölkerung, darum kann es auch unter ihnen zu einer Radikalisierung kommen.» Wichtig sei, dass man das, wie das im Fall der Zürcher Flughafenpolizei auch geschehen sei, schnell erkenne und entsprechend handle.

Ra-Prof-Test zur Einschätzung der Radikalisierung

Die Radikalisierung des Zivilangestellten der Kantonspolizei Zürich wurde mit einem Früherkennungstest überprüft. Dabei erreichte der Betreffende fast die maximale Punktzahl, was auf eine grosse Radikalisierung hindeutet. Der Test des Schweizerischen Instituts für Gewalteinschätzung (Sifg) funktioniert folgendermassen:

«Die Person, bei der es einen Verdacht auf Radikalisierung gibt, beantwortet 46 Fragen im Multiple-Choice-Stil» (Ja, Nein, Keine Information), sagt Lothar Janssen vom Sifg. Beispiele solcher Fragen sind: «Hat die Person sich vom Sportverein zurückgezogen», «Konsumiert sie intensiv Filme mit islamistischem Inhalt?», «Hat sie schon radikale Videos in den sozialen Medien gepostet?» oder «Hat sie sich vom Freundeskreis zurückgezogen?».

Aus allen Fragen ergebe sich das Gesamtbild, einzelne Fragen seien nicht matchentscheidend, so Janssen. Das Ergebnis der Umfrage wird im Ampel-System angezeigt. Janssen: «Leuchtet am Ende der ­Befragung das Lämpchen Grün, besteht momentan kein Handlungsbedarf.» Bei Orange sei eine weitere Überprüfung notwendig und Fachstellen sollten hinzugezogen werden. Rot bedeute: «Achtung, das Subjekt ist ­gefährlich, die Polizei muss eingeschaltet werden.»

In vielen Fällen habe man dank der Software Entwarnung geben können, sagt Janssen. «Es hat aber schon auch schon sehr deutlich rot gezeigt.» (20M)

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